Ostfriesland - Neben vielen Lesern haben auch Experten eine Meinung dazu, warum Ostfriesen anscheinend lieber rückwärts einparken. Die erste Reaktion von Nils Linge, Pressesprecher des ADAC Weser-Ems, auf diese Frage war ein lautes Lachen. „Ich habe wirklich keine Ahnung“, gestand er anschließend – dachte dann aber noch einmal darüber nach.
Ihm kam dabei folgende Idee: „Viele Autos haben heutzutage Rückfahrkameras oder einen Pieper, der Abstände anzeigt und akustische Signale sendet. Die Fahrer könnten so weniger Angst haben, rückwärts einzuparken“, mutmaßte er.
Feuerwehr-Wurzeln
Nachdem viele Nutzer in den sozialen Netzwerken darauf hingewiesen haben, dass sich die „Rückwärts-Fans“ der ostfriesischen Autofahrer aller Wahrscheinlichkeit nach bei ihrer örtlichen Freiwilligen Feuerwehr engagieren, fragten wir beim Kreisfeuerwehrverband Aurich nach. Pressesprecher Manuel Goldenstein war ebenfalls erkennbar amüsiert, erklärte jedoch, dass die Überlegung von Facebook-Nutzern durchaus Sinn ergeben. „Wir parken unsere Fahrzeuge – auch die Löschwagen – immer in Fluchtrichtung, um sicher und rascher wegzukommen.“ Dies stelle eine schnelle Einsatzbereitschaft dar.
Gelebte Bereitschaft
Das sei ein Umstand, den viele Ehrenamtliche demnach mit nach Hause nehmen: „Wer bei der Freiwilligen Feuerwehr ist, der lebt das, immer schnell einsatzbereit zu sein, rund um die Uhr. Daran gewöhnt man sich und das geht in den Alltag über. Auch die Privatfahrzeuge der Einsatzkräfte stehen immer in Fluchtrichtung. Ich habe sogar schonmal ein Fahrrad gesehen, dass so bei uns vor der Wache abgestellt wurde.“ Bei etwa 170 Feuerwehren in Ostfriesland und mehr als 10 000 Einsatzkräften sei es also kein Wunder, dass viele Autos in Ostfriesland vorzugsweise in Fluchtrichtung geparkt werden. Goldenstein: „Es fällt jetzt nur jemandem auf.“
