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Versöhnung nach Überfall auf Strackholt und Bagband Ostfriesen wollen mit Oldenburgs Grafenhaus alten Fluch vom Biggenacker bannen

Die alte Karte von Ubbo Emmius zeigt die Dörfer Bagband und Strackholt.

Die alte Karte von Ubbo Emmius zeigt die Dörfer Bagband und Strackholt.

Archiv

Landkreis Aurich - Ein alter Fluch lastet seit dem 15. Jahrhundert auf einem Flurstück im ostfriesischen Dorf Bagband. Anlass ist ein Überfall der Schergen des Grafen Gerd von Oldenburg auf die Dörfer Bagband und Strackholt. Seitdem wächst auf einem Flurstück, das seit dem Biggenboom genannt wird, kein Baum mehr richtig an. Das soll sich ändern.

„Alle Versuche scheiterten, einen neuen Baum zu pflanzen. Das wird nix. Die Bäume krüppeln vor sich hin“, sagte Katrin Rodrian, Leiterin der Kulturagentur im Rahmen der Vorstellung des neuen Kulturkalenders in dieser Woche. 550 Jahre ist das historische Ereignis nun her. Für die Ostfriesische Landschaft ein Anlass, den Fluch mit Hilfe des Oldenburger Grafenhauses zu bannen. Rodrian hat deshalb bereits ein Schreiben an die Nachfahren des Grafenhauses verfasst, damit sie in das Fehntjer Dorf kommen. Eine Antwort steht noch aus.

Eroberung von Uplengen misslingt

Die Schergen des damaligen Grafen Gerd, auch genannt der Mutige, hatten damals vergeblich versucht, die Burg Uplengen zu erobern, berichtet Landschaftspräsident Rico Mecklenburg. „Es gab immer wieder solche Überfälle auf beiden Seiten“, so der Präsident. Im neuen Kulturkalender wird nach Aufzeichnungen der Heimatforscherin Wilhelmine Siefkes an das Ereignis in Strackholt erinnert. „Der Vorfall erklärt die Gegensätzlichkeit von Ostfriesen und Oldenburgern und zog immer neue Rachefeldzüge nach sich“, stellte Mecklenburg fest.

Soldaten plündern Strackholt und Bagband

Aber worum geht es genau? Weil sie Uplengen nicht einnehmen können, überfallen die Soldaten stattdessen die Dörfer Bagband und Strackholt und plünderten diese. Nur die Kirche soll nicht angetastet werden. Doch ein Soldat missachtet diesen Befehl und raubt den goldenen Abendmahlskelch aus dem Gotteshaus. Mit seinem Kumpanen schlägt er anschließend sein Lager unter dem Eichenbaum auf, wo sich alle mit Branntwein betrinken. Dabei entweihen sie den Abendmahlskelch. Das bleibt nicht ungesühnt. Der Pastor von Strackholt kommt vorbei, sieht die völlig betrunkenen Soldaten, die wie die Ferkel unter der alten Eiche zusammenliegen.

Verflucht in alle Ewigkeit

Für den Priester ist das Maß jedoch voll. Als man ihm die Herausgabe des Kelchs verweigert, belegt er in seinem Zorn die Soldaten und den Platz an der Eiche, wo sich die Soldaten wie die Biggen suhlen, mit einem Fluch: „Dann sölen je und de Stee, wor ji’t angahn as Biggen, verflöckt wesen in alle Ewigkeit!“ - Seitdem heißt das Flurstück mit der Eiche im Volksmund „Biggenboom“, auf deutsch Ferkelbaum. Die betrunkenen Söldner trifft der Fluch sofort. Sie werden von bewaffneten Uplengenern aufgemischt. Nur wenige kommen mit dem Leben davon. Die Beute wird ihnen abgenommen - nur der Abendmahlkelch bleibt verschwunden.

Ein Zeichen der Versöhnung

Bis in alle Ewigkeit will Landschaftspräsident Mecklenburg mit der Aussöhnung nicht warten. „Das ist eine schöne Projekt-Idee“, hofft auch Katrin Rodrian schon bald auf Antwort aus dem Oldenburger Grafenhaus, um bei einem gemeinsamen Fest am Biggenboom auf dem Biggenacker den Fluch von der Stätte nehmen zu können, wo heute die Landesstraße 436 zwischen Bagband und Strackholt verläuft. „Das wäre in Zeiten des Krieges ein positives Zeichen“, betont Rodrian, wenn es zur Versöhnung und damit zur Fortschreibung dieses Kapitels der Geschichte kommen sollte.

Die Bronzeplakette wurde gestohlen

Heute erinnert eine Bank mit einem Gedenkstein an den Biggenacker zwischen Bagband und Strackholt. Ob sich dieser Fluch heute noch bemerkbar macht? In der Kirche wird ebenfalls daran erinnert, sagt Pastor Bernd Battefeld, als er von unserer Zeitung danach gefragt wird. „Die Bronzeplakette ist vor ein paar Jahren gestohlen worden“, sagt er. Außerdem sei der Ort bis heute tatsächlich nicht ganz ungefährlich: „Die Autos rasen auf der Straße ganz ordentlich“, sagt er. - Und auch das wird heute von manchen Zeitgenossen durchaus als Fluch der Neuzeit gesehen.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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