Ostfriesland - Die Geschichte der Ostfriesischen Häuptlinge sorgte unlängst im Podcast „Fest und Flauschig“ der Entertainer Jan Böhmermann und Olli Schulz für Begeisterung. Die beiden wurden durch eine Hörerzuschrift darauf aufmerksam und begannen sogleich, eine wilde Serienidee daraus zu entwickeln. Schulz nannte es die norddeutsche Version von „Game of Thrones“. Schauspieler wie Hannes Jaenicke, Mario Adorf oder Moderator Klaas Heufer-Umlauf sollten laut Moderator Jan Böhmermann die Rollen der Häuptlinge einnehmen. Dass die Geschichte der Ostfriesischen Häuptlinge durchaus für eine Serie geeignet ist, sieht auch Matthias Stenger, Direktor der Ostfriesischen Landschaft, so. Einwände hatte er aber auch.
Geschichte Ostfrieslands geeignet für Drehbuch
„Ich vermute, dass die Geschichte Ostfrieslands des 14. bis 17. Jahrhunderts – insbesondere das Ringen der tom Brok, Ukena und Cirksena um die Vorherrschaft, der Einzug der Reformation in Ostfriesland und dessen Folgen sowie die Auseinandersetzungen zwischen Grafenhaus und den Städten, für einen Drehbuchautor sogar ein besonders dankbares Sujet darstellt“, erklärt Stenger auf Nachfrage der Redaktion. Die Häuptlinge hatten bis Mitte des 15. Jahrhunderts die Macht in Ostfriesland. Es waren reiche privilegierte Familien, die bereits im 12. und 13. Jahrhundert die wichtigsten politischen Positionen in der Region innehatten. Durch Hungersnöte, Sturmfluten und die Pest ging jedoch die öffentliche Ordnung verloren. Politischer Raum wurde neu geordnet und die reichen Familien machten ihre Autorität zunehmend nicht mehr von der Bevölkerung, sondern ihrem Wohlstand abhängig. Dynastischer Besitz wurde instrumentalisiert, bis schließlich der Begriff „Häuptling“ als Standesbezeichnung eingeführt wurde. Die Zeit der Häuptlinge wurde jedoch durch einen wachsenden Aufstand und Unmut der Bauern beendet.
Landschaftsdirektor sieht Verbindung zu „Game of Thrones“ kritisch
Gerade für ein jüngeres Publikum sieht Stenger eine Serie als Möglichkeit, die Geschichte wieder näherzubringen und lebendiger zu erzählen. Eine Verbindung zur Fantasy-Serie „Game of Thrones“, allein eine Verbindung zu dem Titel, sieht er allerdings kritisch. „Sollten die Überlegungen zu Ostfriesland in Richtung dieser Vorlage gehen, liefe man unweigerlich Gefahr, sich von den historischen Gegebenheiten so weit zu entfernen, dass eine tatsächliche Anlehnung an die ostfriesische Geschichte oder gar deren Vermittlung schnell wieder infrage gestellt wären“, sagt Stenger. Eine grundsätzliche Unterstützung der Ostfriesischen Landschaft bei dem Thema hält er aber nicht für ausgeschlossen, macht es jedoch abhängig von der Konzipierung einer solchen Serie.
