Kreis Aurich - Fast acht Monate und vier Arbeitskreis-Sitzungen hat es gedauert, bis eine Antwort auf die Forderung nach einer Anlauf- bzw. Beratungsstelle für Post-Vac-Erkrankte gefunden werden konnte. Ein Antrag der Kreistagsfraktion der Freien Wähler hatte dies bereits Ende vergangenen Jahres zum Thema gemacht. Die SPD hatte sich daraufhin im Januar mit einem Antrag auf Erweiterung der Gespräche für eine Anlaufstelle für Menschen mit gesundheitlichen Schäden aufgrund anderer Ereignisse, wie psychischen Missbrauch, der Thematik angeschlossen. Jetzt soll ein Appell an die Bundesregierung in Verbindung mit der Einrichtung einer Selbsthilfegruppe eine Lösung zumindest für den Antrag der Freien Wähler sein. Im Auricher Kreistag am Mittwoch wird über einen entsprechenden Beschlussvorschlag abgestimmt.
Appell an Bundesregierung und Gründung einer Selbsthilfegruppe
Im Rahmen der Diskussionen um eine Anlaufstelle für Menschen mit Impfschäden wurde im Kreisgesundheitsausschuss unter der Leitung von Ingeborg Kleinert (SPD) ein Arbeits-/Gesprächskreis ins Leben gerufen. An diesem nahm jeweils ein Vertreter jeder Kreistagsfraktion teil ebenso wie Experten des Gesundheitsamts und der Kassenärztlichen Vereinigung. In vier Sitzungen seit Februar wurde über die Symptomatik von Post-Vac aber vor allem Zuständigkeiten in dem Gebiet gesprochen. Die Betroffenen selbst kamen nach erst in der vierten und letzten Sitzung des Kreises zu Wort. Als Ergebnis präsentiert der Erste Kreisrat Dr. Frank Puchert im Kreistag jetzt eine Beschlussvorlage, die einen Appell an die Bundesregierung beinhaltet. „Der Kreistag appelliert an die Bundesregierung und an das Land Niedersachsen, die Erforschung des Post-Vac-Syndroms zu intensivieren, stärker zu fördern und die Bevölkerung über die Ergebnisse zu informieren“, heißt es in der Vorlage. Außerdem wird darin die Bildung einer Selbsthilfegruppe von Betroffenen für Betroffene sowie die Erarbeitung eines „Wegweisers“ unterstützt, der allgemeine Informationen zum Thema Post-Vac vermitteln soll. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Aurich-Norden soll dabei die Geschädigten bei der Bildung der Selbsthilfegruppe unterstützen.
Kritik der Freien Wähler an Vorgehen
Zufriedenstellend ist dieses Ergebnis des Gesprächskreises aber längst nicht für alle Beteiligten. „Ohne die Unterstützung einer Selbsthilfegruppe hätten wir diesem Ergebnis nicht zugestimmt. Ein Appell alleine kann nicht das Ergebnis von acht Monaten Gesprächskreis sein. Ich habe, ehrlich gesagt, mehr erwartet“, erklärt Kreistagsmitglied Detlev Krüger, der den ursprünglichen Antrag der Freien Wähler Ende vergangenen Jahres gestellt hat. Krüger hätte sich gewünscht, die Betroffenen schon eher mit in den Gesprächskreis einzubinden. „Die Betroffenen wissen selbst aktuell noch am meisten über das Krankheitsbild. So haben wir nur über Zuständigkeiten gesprochen“, übt er Kritik. Die Initiative einer Selbsthilfegruppe, die die Geschädigten auch selbst mit in die letzte Sitzung des Gesprächskreises einbrachten, findet er zwar gut, sieht aber auch Schwachstellen. „Die Betroffenen haben selbst mit sich und ihrer Erkrankung auch genug zu tun. Ich hätte mir gewünscht, dass auch von offizieller Seite Unterstützung und Hilfe kommt.“
SPD ist zufrieden mit Ergebnis
Ganz zufrieden mit dem Ergebnis des Gesprächskreises ist im Gegensatz zu Krüger jedoch die Leiterin des Gesprächskreises selbst, Ingeborg Kleinert (SPD). Sie erwartetet daher bei der Abstimmung im Kreistag auch fast ausschließlich Zustimmung. „Diejenigen, die dem nicht zustimmen, die kann man nur als realitätsfremd bezeichnen“, erklärte sie gegenüber der Redaktion. Mit einem Appell alleine hätte aber auch Kleinert sich nach eigener Aussage nicht zufriedengegeben. „Wir wollten ja zusammen mit den Betroffenen was erreichen. Es muss definitiv mehr für Forschung getan werden, aber die Selbsthilfegruppe ist auch wichtig. Die Geschädigten wissen am besten selbst, was sie brauchen“, macht Kleinert deutlich. Ob es für die Gründung einer Selbsthilfegruppe aber einen Gesprächskreis benötigt hätte, bleibt fraglich.
