Landkreis Aurich - Immer mehr Bürger wehren sich gegen die Rodung von Wäldchen und Gehölzen rund um das Große Meer. Der Landkreis Aurich will auf diese Weise vom Aussterben bedrohte Wiesenvögel schützen, indem die Fressfeinde keinen Unterschlupf in Bäumen und Büschen mehr finden. Doch der damit verbundene Kahlschlag geht vielen Bürgern zu weit. Das wurde während einer weiteren Protestaktion am Linnlandsweg in Engerhafe deutlich. Dort sollen sich Kiebitze ansiedeln, die aktuell noch der 2028 geplanten Zentralklinik in Uthwerdum im Weg sind. Anwohner, Eigentümer und Pächter von Flächen sowie Jäger hatten sich in dem Naturschutzgebiet eingefunden. Alle sehen mit Sorge, dass andere Wildtiere in der ausgeräumten Landschaft keinen Unterschlupf mehr finden. „Das ist ein ökologischer Wahnsinn“, sagte der Auricher Gerd Säfken, der in Engerhafe Land besitzt. Auf der einen Seite wolle der Landkreis Aurich einzelne Wildtiere schützen, aber dagegen anderen die Lebensgrundlage nehmen.
Kreis sagt vorher ab
Vertreter des beim Landkreis Aurich angesiedelten Unteren Naturschutzbehörde hatten die Teilnahme an der Demo im Linnlandsweg in Engerhafe abgesagt, bedauerte Harm Hoffmann, der mit vier weiteren Pächtern den Bereich am Linnlandsweg gepachtet hat. Vom Landkreis Aurich war am Dienstag keine Stellungnahme mehr zu erhalten. Wenige Stunden zuvor hatten jedoch Vertreter der Behörde mit dem Loppersumer Pächter Karl Dieling das Gespräch gesucht.
Karola Backer hat mit ihren Töchtern Lina und Rieke Transparente gebaut, auch Lenny hält eines in die Kamera.
ggm„Das Wild muss sich verkriechen können. Aber sogar die Gräben werden ausgefräst“, sagte er. In der Gemarkung Loppersum ist eine Schonung von Meike Mennenga, Eigentümerin von Flächen am Marscher Tief betroffen. „Ich halte diese Flächen für schützenswert“, sagte Mennenga. Eine Untersuchung laufe noch, ob Fledermäuse hier nur ihr Jagdgebiet finden oder auch Quartiere vorhanden sind, in denen Fledermäuse nisten. Dann wäre der Schutzstatus eindeutig.
„Angst um das Niederwild“
Jägerin Karola Backer war mit ihren Töchtern Lina und Rieke gekommen. „Wir haben Angst um unser Niederwild“, sagte sie. Kein Verständnis hat auch Johannes von Essen, Landwirt im Ruhestand aus Marienhafe, für den Kahlschlag, der Eigentümer einer 50 Jahre alten Schonung mit 55 Erlen und Ahornbäumen ist. Er hätte sich gewünscht, dass wenigstens Politiker aus den Gemeinden oder dem Kreis mit dabei gewesen wären. Elso Kratzenberg ist ebenfalls Jäger und Pächter von Flächen. Er hatte das Gespräch mit dem Landkreis Aurich gesucht und wundert sich darüber, dass zunächst eine 180-Meter-Schneise an der Bundesstraße zwischen Abelitz und Loppersum frei bleiben sollte. Davon sei inzwischen keine Rede mehr.
Kein Schutz vor dem Winter
Bereits am vergangenen Freitag waren Menschen aus dem Landkreis Aurich und Emden zusammengekommen, um gegen die Rodungen zu protestieren. Schon jetzt beobachten die Anwohner der Flächen, dass Rehe und andere Wildtiere keinen Unterschlupf mehr finden. „Wir sehen wir die überall“, sagt eine Anwohnerin. Die Landwirte sollen bestimmte Flächen weiter extensiv nutzen können, sagte Johannes von Essen aus Marienhafe. Die Weidezaunpfähle würden später durch neue Pfähle ersetzt, auf denen sich Greifvögel nicht mehr niederlassen können.
