Aurich - Die Bootjefahrer im Landkreis Aurich wehren sich gegen eine Erhöhung der Kosten für Schleusungen und für das Öffnen der Brücken auf dem Ems-Jade-Kanal und dem Nordgeorgsfehnkanal durch das Land. Inzwischen ist deshalb sogar eine Bootje-Demo der hiesigen Bootjefahrer im Gespräch, die auf diese Weise ihrem Ärger Luft machen wollen.
Das machte Freizeitskipper Gerhard Wulff, Vize-Vorsitzender des Wassersportvereins Wiesens deutlich, der auch im Auricher Rat für Linken ein Ratsmandat hat. Wulff will dafür auch andere Nutzer ansprechen, die auf dem Ems-Jade-Kanal oder dem Nordgeorgsfehnkanal unterwegs sind. „Die Kosten müssen auf viel mehr Schultern verteilt werden“, sagt Wulff. Sein Bootsverein ist - wie 24 weitere Vereine auch - im „Team Wassersport Ostfriesland“ organisiert - unter dem Dach des Regionalverbandes Weser-Ems des Seger-Verbandes Niedersachsen.
Der große Verband hat bezüglich der Erhöhung bereits Gespräche mit der Niedersächsischen Landesbehörde für Wasserwirtschaft, Küstenschutz und Naturschutz (NLWKN) aufgenommen.
„Sind keine Millionäre“
Während dessen Vorsitzender Hans Hüser die Verhandlungen „auf einem guten Weg“ sieht, findet Gerhard Wulff vom Wassersportverein Wiesens, dessen Verein jetzt selbst verhandelt, deutlichere Worte. „Wir sind keine Millionäre“, sagte Wulff, weil sein Wassersportverein mit 80 Mitgliedern inclusive Fördermitgliedern und 25 Booten tiefer in die Tasche greifen müsste. Im Raum stehen nicht mehr pauschal 70 Euro, sondern möglicherweise 500 Euro im Jahr pro Boot für Schleusungen zwischen Emden und Wilhelmshaven.
Wulff befürchtet nun eine Abwanderung der Mitglieder zu neuen Liegeplätzen ins wasserreiche Holland, um ihre Freizeit dort auf dem Boot zu verbringen. „Das sind nur anderthalb Stunden Fahrzeit. Vier Mitglieder sind deshalb schon aus dem Verein ausgetreten“, sagte Wulff. Und die vielen Schleusengänge und Brückenöffnungen auf dem Ems-Jade-Kanal könne man sich in Holland ebenfalls ersparen, befürchtet der Auricher langfristig ein „Scheitern des Ems-Jade-Kanals“ für den Freizeitsport.
20 Jahre lang musste der Verein pauschal 70 Euro bezahlen. Nun habe der NLWKN als Lösung angeboten, dass die Vereine auf dem Kanal und dem Nordgeorgsfehnkanal bei insgesamt 500 gemeldeten Booten noch 40 Euro im Jahr pro Boot zahlen müssten.
„Wir sind keine Millionäre“: Gerd Wulff vom Bootjeverein in Wiesens. Bild: Günther Gerhard Meyer
„Aber so viele Boote und das Geld bekommen wir nicht zusammen“, sagte Wulff. Auf dem Ems-Jade-Kanal seien bestenfalls 90 Boote unterwegs. Selbst Auswärtige würden sich inzwischen eine Fahrt auf dem Ems-Jade-Kanal zwischen Emden und Wilhelmshaven gut überlegen, wenn sie hin und zurück 72 Euro hinblättern müssten.
Tourismus in Gefahr?
Wulff sieht in der Diskussion außerdem das politische Ziel, den Wassertourismus in Ostfriesland zu fördern, völlig auf den Kopf gestellt. Inzwischen seien beispielsweise schon Gelder für die Belebung des Auricher Hafen geflossen, etwa in das Lokal „Hafenkiste“ oder ein Sanitär-Häuschen sei auf dem Großen Sett geplant. Außerdem werde die für das Ausflugsschiff „MS Marion“ die viel zu niedrige Kroglitzbrücke über den Ems-Jade-Kanal abgebaut. Geld fließe auch in neue Techniken, denn Schleusen und Brücken seien künftig aus der Ferne zu bedienen. „Das wird automatisiert und die Bootjefahrer werden kaputt gemacht“, so Wulff. Der Wiesenser hat deshalb den Auricher Landtagsabgeordneten Wiard Siebels (SPD) und den Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff (SPD) angeschrieben, eine Antwort stehe noch aus, so Wulff.
