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Puppen-Theater am Auricher Gymnasium Bei Hamlet rollt schon mal der Kopf

11.01.2023, 14:04 Uhr (Erstmeldung)
Das Theater-Ensemble am Gymnasium Ulricianum führt im März „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller auf. Dabei spielen sie selbst modellierten Köpfe eine wichtige Rolle.

Das Theater-Ensemble am Gymnasium Ulricianum führt im März „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller auf. Dabei spielen sie selbst modellierten Köpfe eine wichtige Rolle.

ggm

Aurich - Es ist einiges los auf der Bühne im Güterschuppen. Hamlet (Tex Stoffer) hat alle Hände voll zu tun, bis er endlich Polonius, dem Oberkämmerer und Oberschleimer am königlichen Hof, das Licht ausgeblasen hat. Die Anweisungen von Regisseurin Heike Duensing sind eindeutig, aber lassen in der Darstellung noch Luft nach oben. Doch Tex Stoffer gibt hier bei der Probe im Güterschuppen alles.

Die Hamletmaschine

Die Hamletmaschine stammt von dem Dramatiker Heiner Müller (1929-1995), der in seinen Stücken ein Verfechter von Apokalypse, Tod und Untergang ist. Hamlet soll in „Die Hamletmaschine“ als literarische Gestalt aus seiner immer gleichen Rolle befreit werden.

Heiner Müller gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Dramatikern. Er komprimiert „Die Hamletmaschine“ 1977 frei nach Shakespeare auf nur neun Seiten, als Reflexion an die Situation der Intellektuellen in der ehemaligen DDR, geprägt durch eine schockierende Sprache.

Das Gymnasium Ulricianum führt „Die Hamletmaschine“ mit selbstgefertigten Puppen auf. Enthalten sind Musikstücke, die beispielsweise aus dem „Woodstock-Revival“ aus dem Jahr 1999 entnommen sind. Regisseurin Heike Duensing holt sich während der Proben immer wieder Anregungen für Bühnen-Darstellung aus dem Publikum.

Gefördert wird das Kunst- und Theaterprojekt vom niedersächsischen Aktionsprogramm „Startklar in die Zukunft“, das Jugendliche nach den Beschränkungen durch Corona in den Fokus rückt. Sie sollen wieder „eine Stimme“ bekommen.

Gespielt und geplant wird in Kooperation mit der temporären Auricher Kunstinitiative „Zwischenraum“ und den „Puppets in Minutes“ von Axel Bahro und Dorothea Bahro-Seitz

Hart lässt Hamlet sein Schwert in den blutroten Vorhangstoff fahren, tobt und wälzt sich auf dem Fußboden.

Auch Helden sind mal kopflos

Aber auch Helden werden mal müde, muss auch der Hauptdarsteller erkennen, als sich plötzlich Hamlets Kopf vom schwarzen Umhang löst. „Macht nix, spiel weiter“, ruft Regisseurin Duensing. Aber da ist Axel Bahro schon etwas vorsichtiger, wenn es um die Köpfe jener Darsteller geht, die er mit den Schülern in einem Workshop angefertigt hat. „Wie oft wollt ihr die Puppen denn nochmal herstellen“, fragt der Auricher Puppenspieler. Er weiß aus Erfahrung, dass die Puppen aus der durchaus stapazierfähigen Modelliermasse nicht für die Ewigkeit gemacht sind .

Frei nach Shakespeare

Es ist ein anspruchsvolles Stück, dass die Gymnasiasten auf die Bühne bringen. Dabei schrieb Dramatiker Heiner Müller (1929-1995) - Verfechter von Apokalypse, Tod und Untergang - sein Stück „Die Hamletmaschine“ frei nach Shakespeare auf nur neun Seiten zusammen. Das Stück gilt als Reflexion an die Situation der Intellektuellen in der ehemaligen DDR und ist geprägt durch eine schockierende Sprache. Der Clou dabei ist, dass Müllers Hamlet auf der Bühne jederzeit aus seiner Rolle herausschlüpfen kann, um sich in den Schauspieler Tex Stoffer zu verwandeln. Und dann ist da noch Ophelia, die als Gardinen-Zombie die Bühne beherrscht.

Lob für die Schüler

Es geht also hoch her auf der Bühne, doch Regisseurin Duensing und auch Puppenspieler Bahro sind während der Probe schon ganz zufrieden mit dem Ergebnis. „Es ist wirklich erstaunlich, mit wie viel Engagemant die Schüler sich der Gestaltung der Puppen gewidmet haben“, lobt Bahro die jugendlichen Schauspieler. - Und so können die Zuschauer gespannt sein, wie der rachelüsterne Prinz Hamlet in der Auricher Version der wohl berühmtesten Tragödie der Weltgeschichte versucht, den Haussegen in seiner Familie wieder gerade zu rücken. - Die Termine der Aufführung werden noch bekannt gegeben.

 

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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