Wiesmoor - Die Polizei hat bei ihren Ermittlungen und Durchsuchungen in Wiesmoor offenbar in ein Wespennest gestochen. Ging es ursprünglich um die Sicherung von Beweismitteln wegen mutmaßlichem Subventionsbetrug bei Corona-Hilfen, wurde am Dienstag eine großen Marihuana-Indoor-Plantage entdeckt. In Zusammenhang mit der Drogenplantage wurde gegen vier Beschuldigte Haftbefehle erlassen. Zu ihnen gehört der Wiesmoorer Christian Rademacher-Jelten, der auch im Subventionsbetrugsfall als einer der Hauptverdächtigen gilt.
Er befindet sich nun ebenso wie zwei 31 Jahre alte Männer, die sich illegal in Deutschland aufhalten, und ein 32-Jähriger aus dem Landkreis Aurich in Untersuchungshaft. Dem 56-jährigen Wiesmoorer sollen die Gebäude an der Hauptstraße gehören, in denen die Drogenplantage mit 400 Marihuana-Pflanzen und mehrere Säcke mit rund 40 Kilo geerntetem und verpacktem Cannabis entdeckt wurden. Außerdem wurden Unterkünfte dokumentiert, in denen vermutlich diejenigen lebten, die den Betrieb der Plantage überwachten.
Professionelle Plantage
„Es handelte sich um eine hochprofessionelle, komplexe Plantage mit qualitativ hochwertigem Equipment“, sagt Stephan Zwerg, Leiter der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund. Der Wert der Ausstattung lässt sich wohl im sechsstelligen Euro-Bereich beziffern. „Es ist eine logistische Herausforderung, diese Anlage abzubauen.“
Polizisten ernteten die Pflanzen inzwischen ab. Das Landeskriminalamt analysiert das Marihuana nach dem Trocknen auf seinen Wirkstoffgehalt. Der Inspektionsleiter rechnet damit, dass man am Ende etwa 80 Kilo Marihuana sichergestellt haben wird. Der Straßenverkaufswert läge dann bei 800 000 Euro.
Corona-Betrug im Fokus
Die Ermittlungen bezüglich der Drogenplantage werden in Aurich fortgeführt, während die Zentrale Kriminalinspektion Osnabrück weiterhin für den Bereich des Corona-Subventionsbetrugs zuständig ist. Auch in diesem Bereich hatten die Ermittlungen aufgrund von Verdachtsanzeigen der N-Bank ihren Anfang in der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund genommen. Während bereits gegen Christian Rademacher-Jelten ermittelt wurde, kandidierte er im Vorjahr für den Posten des Wiesmoorer Bürgermeisters.
Die Polizei war nach jetzigem Stand auf ein banden- und gewerbsmäßig handelndes Netzwerk gestoßen, das sich über vier Bundesländer erstreckt. Die Drogenermittler müssen nun unter anderem herausfinden, in welchem Verhältnis die nun in Untersuchungshaft befindlichen Männer zueinander stehen und welcher mutmaßliche Tatbeitrag jedem Beschuldigten zugeschrieben werden kann.
