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Politischer Fahrradfahrer in Aurich „Ich will, dass mein Sohn sicher unterwegs sein kann“

Mehrere Kilometer fährt Marvin Stasiak täglich mit dem Rad. Im Alltag kommt für ihn das Auto nicht in Frage.

Mehrere Kilometer fährt Marvin Stasiak täglich mit dem Rad. Im Alltag kommt für ihn das Auto nicht in Frage.

Pia Miranda

Aurich - Eigentlich war Marvin Stasiak nie sonderlich politisch aktiv. Was er jedoch immer gemacht hat: Fahrradfahren. „Ich bin mit dem Fahrrad zur Schule gefahren und hab‘ das Rad genommen, wenn ich zu Freunden gefahren bin. Auch heute noch fahre ich mit meinem Fahrrad zur Arbeit. Die paar Kilometer, da will ich nicht das Auto nehmen“, berichtet der 32-Jährige. Im Gegensatz dazu habe er Politik zwar wahrgenommen, jedoch nicht den Drang gehabt, etwas dazu beizutragen. Das kam erst, nachdem er 2016 nach Aurich zog und in den Straßen unterwegs war. „Da ist mir nach und nach immer mehr aufgefallen, dass die Wege hier komisch geführt sind, teilweise macht das überhaupt keinen Sinn und auch die Schilder widersprechen sich. Und da hab‘ ich mich das erste Mal gefragt: Muss das denn so sein und wie kann ich da was ändern?“

Was hat er als Radfahrer schon erlebt? Alles!

So schrieb er einen Brief an die Stadt Aurich. „Das war im Sommer 2021. Ich bin auch zu einem Gespräch eingeladen worden. Danach gehört habe ich aber nichts mehr“, sagt er und zieht die Schultern hoch. Dann nahm er sich den Masterplan zur Fahrradstadt vor. „Da stehen viele gute Sachen drin“, betont er. Es gehe aber nicht nur um einzelne Maßnahmen. „Ich habe mich beim Durchblättern gefragt, ob da ein Gesamtkonzept umgesetzt wird – oder nur einzelne Bereiche. Den Seitenraum einzelner Straßenabschnitte zu erneuern und anschließende Bereiche dann einfach so zu lassen, ist unsinnig und auch verwirrend.“ Da spricht Stasiak aus eigener Erfahrung.

Das ist der ADFC

ADFC ist die Abkürzung für Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club.

Hauptaufgabe ist, die Interessen von Fahrradfahrern im Straßenverkehr zu unterstützen.

In 450 Städten in Deutschland ist der ADFC mittlerweile vertreten. Kreisverbände und Ortsgruppen organisieren Aktionen und setzen sich vor Ort für die Rechte der Radfahrer ein.

Seit der Gründung 1979 ist die Anzahl der Mitglieder stetig gestiegen. Derzeit gehören dem Club etwa 200.000 Menschen an.

Was ihm in Aurich als Fahrradfahrer schon widerfahren sei? „Alles. Ich wurde von einem Auto gestreift, das extra zu nah an mir vorbeigefahren ist. Dann einmal wurde ich von Polizisten angehalten. Die wollten, dass ich nicht mehr auf der Straße fahre, dabei ist die allgemeine Radwegpflicht seit mehr als 20 Jahren aufgehoben.“ Geschichten, die zeigen, wie mit Fahrradfahrern umgegangen wird und wie wenig Wissen die Menschen über die vorherrschenden Verkehrsregeln haben, besäße er genug. Auch mehrere Anzeigen wegen Beleidigung und Nötigung im Straßenverkehr sind über die Jahre rausgegangen. „Was aus denen geworden ist, weiß ich nicht.“

Sichere Radwege sind ihm als Vater wichtig

Mittlerweile geht es ihm als Vater von drei Kindern nicht mehr nur um seine eigenen Erfahrungen. „Der Große ist nun in der ersten Klasse, und ich will, dass er sicher unterwegs sein kann. Er will allein mit dem Fahrrad in die Schule und zu seinen Freunden in der Siedlung fahren. Diese selbstständige Freiheit will ich ihm ohne Sorgen geben können.“ Natürlich begleitet Marvin Stasiak seinen Sohn bei längeren Strecken, dann aber auch nur mit dem Rad. „Ich will, dass meine Kinder so aufwachsen, dass es normal für sie ist, mit dem Fahrrad zu fahren.“

Um dieses Ziel zu erreichen, ist aus dem einfachen Fahrradfahrer ein politischer Fahrradfahrer geworden. Einer, der sich nun im ADFC engagiert und helfen will, dass nicht nur die Straßen der Stadt Aurich fahrradfreundlicher werden, sondern auch Menschen, die hinter dem Lenkrad eines Autos sitzen.

Pia Miranda
Pia Miranda Redaktion Wittmund
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