Aurich - Eigentlich waren Sabine Engelke und ihre fast zwei Jahre alte Schäferhündin Skye auf einem ihrer ganz normalen Spaziergänge im Brockzeteler Wald, da hörten die beiden auf einmal Schreie und Hilferufe. Da sie nicht genau ausmachen konnten, von wo genau die Hilferufe kamen, alarmierte Sabine Engelke, die auch bei der Feuerwehr Aurich Mitglied ist, den Notruf. Wie es der Zufall wollte, ging in der Leitstelle Engelkes Lebensgefährte und Skyes Herrchen Andreas Schoon von der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland in Wittmund dran. „Das war unser Glück, denn er kennt unseren Gassi-Weg dort und wusste daher genau, wo wir uns befanden“, blickt Sabine Engelke auf den Tag Ende November zurück. Schoon bat dann seine Freundin am Telefon noch einmal im Wald nach dem Menschen zu rufen, doch Sabine Engelke erhielt auf einmal keine Antwort mehr. Die Sorge wuchs, dass sich dort ein Mensch in Lebensgefahr befand.
Skye folgt ihrem Impuls
Um die Hilferufe genau lokalisieren zu können, alarmierte Schoon die Polizei samt Feuerwehr. Diese sollten mittels einer Drohne den Hilferuf ganz genau lokalisieren. Auch der Stadtbrandmeister Aurich Heinz Hollwedel wurde über den Sachverhalt informiert. „Ich entschloss mich, mit Skye langsam wieder Richtung Waldausgang zu gehen, um Polizei und Feuerwehr in Empfang zu nehmen. Doch dann versteinerte Skye plötzlich vor mir“, erzählt Engelke. An den Zeichen ihres Hundes ahnte sie jedoch schnell, warum sie das tat. Skye befindet sich aktuell in der Ausbildung zum Mantrailer und gehört der sich im Aufbau befindenden Rettungshundegruppe des DRK Emden an. Der Instinkt der Hündin wusste, dort benötigt ein Mensch Hilfe. Als Skye versteinerte, wartete sie auf den Befehl ihres Frauchens Suchen zu dürfen. „Sie hatte offensichtlich eine Spur gefunden und wartete nur auf mein Go. Das gab ich ihr dann und sie führte mich 300 Meter in den Wald hinein zu einem älteren Mann“, erinnert sich Engelke.
Im Gestrüpp gefangen
Dieser hatte sich in einer Art Schlot mitten im Wald im Gestrüpp verfangen und schaffte es nicht mehr, sich selbst daraus zu befreien. Mittlerweile war es schon nach drei Uhr nachmittags und es schneite. Hätten Skye und Engelke den Mann nicht gefunden, hätte die Situation noch ernster und gefährlicher für den Mann werden können. Engelke befreite den Mann aus dem Gestrüpp und half ihm wieder auf die Beine. Doch statt Polizei und Krankenwagen abzuwarten, stapfte der Mann mürrisch und ohne große Worte davon. Hilfe wollte er laut Engelke keine mehr.
Mantrailer Ausbildung
Beim Weg aus dem Wald rief Andreas Schoon von der Leitstelle seine Lebensgefährtin erneut an und erfuhr von der sich veränderten Situation. Der Alarm wurde abgebrochen, Schäferhündin Skye jedoch zur Heldin. „Wir sind unfassbar stolz auf sie. Sie ist erst seit Januar in der Mantrailer Ausbildung. Mit ihrem Verhalten hat sie nicht nur Talent bewiesen, sondern uns auch gezeigt, wie viel Spaß ihr die Ausbildung macht“, freut sich Sabine Engelke. Drei bis viermal die Woche trainiert sie mit Hündin Skye für mehrere Stunden, alles mit dem Ziel im Frühjahr die Prüfungen für die Zertifizierung zum Mantrailer zu absolvieren. Insgesamt sechs Teams trainieren für dieses Ziel derzeit bei der Rettungshundegruppe des DRK Emden. Erhalten sie im kommenden Jahr die Zertifizierung, wären sie die ersten Mantrailer Hunde in Ostfriesland. „Mantrailer werden auch hier dringend gebraucht. Es gibt immer wieder Menschen, die verschwinden und gesucht werden. Der Fall jetzt, zeigt wieder, dass es wichtig ist, ehrenamtliche Mantrailer auszubilden und die Personensuche in Ostfriesland damit zu unterstützen“, sagt Engelke. Sie und Skye fühlen sich bestätigt und fiebern den Prüfungen im Frühjahr entgegen. Die erste Generalprobe haben die beiden wohl schon bestanden.
