Ostfriesland - Wer am Donnerstagmorgen auf dem Weg zur Arbeit war, wird es vermutlich gemerkt haben: Es war sehr glatt auf den Straßen im Kreis Aurich und Wittmund. Über Nacht gefallener Schnee und Temperaturen um den Gefrierpunkt sorgten vielerorts für ein kleines Glätte- und Schneechaos unter den Pkw-Fahrern. Dabei kamen einige Autos von der Fahrbahn ab und Lkw rutschten in Gräben.
Zahlreiche Unfälle
Die Einsatzkräfte der Polizei mussten im Einzugsgebiet der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund alleine zwischen 7.30 Uhr und 8.45 Uhr zu acht Verkehrsunfällen aufgrund von Glatteis ausrücken. Im Einzugsgebiet der Polizei Emden/Leer kam es nach Informationen der Leitstelle zu drei Glatteisunfällen, bei denen aber alle Beteiligten unverletzt blieben. Dazu kamen zahlreiche Wildunfälle.
Um Unfälle zu vermeiden, ist eine den Witterungen angepasste Fahrweise sehr ratsam, erklärte Polizeisprecherin Wiebke Baden von der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund der Redaktion. Diese dürfe jedoch nicht zur Behinderung führen. Und dabei spielt vor allem das Thema Bereifung eine wichtige Rolle. Verkehrsteilnehmer die ihre Autoreifen noch immer nicht von Sommer- auf Winterreifen oder Alljahresreifen gewechselt haben, gefährden nicht nur sich, sondern auch andere. Vor diesem Hintergrund machte Baden auch auf die Gesetzeslage aufmerksam. „In der Straßenverkehrsordnung gibt es zwar keine generelle Winterreifenpflicht, aber eine situative. Bei Glätte und Schnee sollte daher unbedingt auch entsprechende Bereifung geachtet werden, sonst kann das zur Gefahr für andere und Behinderung werden“, stellte Baden klar.
Autofahrer, die aktuell noch Sommerreifen auf ihren Autos haben, werden per Gesetz angehalten, die Autos bei Eisglätte stehen zu lassen. Geraten sie mit Sommerreifen in eine Verkehrskontrolle, drohen Autofahrern nicht nur Bußgelder.
„Wer bei Schneematsch, Eis- oder Reifeglätte, Schneeglätte oder Glatteis ohne vorgeschriebene Reifen für winterliche Wetterverhältnisse fährt, dem droht ein Bußgeld. Wer aktuell mit Sommerreifen fährt, zahlt 75 Euro und bekommt einen Punkt. Kommt es sogar zu einem Unfall, erhöht sich das Bußgeld auf 120 Euro und es gibt ebenfalls einen Punkt“, erklärt Polizeisprecherin Frauke Bruhns von der Polizei Leer/Emden.
Klima wirkt sich aus
Nils Linge, Pressesprecher des ADAC Weser-Ems, sieht vor allem auch das Wetter als Grund für noch nicht geschehene Reifenwechsel an. „Es sind gerade sicherlich noch einige mit Sommerreifen unterwegs. Die letzten Jahre hatten wir auch einfach keine richtigen Winter hier, sodass ein Wechsel für viele gar nicht Not tat. Die Klimaverschiebung spielt bei der Thematik eine entscheidende Rolle“, sagt Linge. Er bemerkt vor allem einen Trend zum Alljahresreifen. Dieser sei nach Ansicht des ADAC jedoch lediglich eine Kompromisslösung, aber nicht so gut wie ein Winterreifen.
Batterien Hauptproblem
Die Vermutung, dass der ADAC bei diesen Witterungsverhältnissen vor allem zu Glatteisunfällen ausrückt, muss Linge jedoch widerlegen. „Der Hauptteil der Einsätze, die im Winter gefahren werden, liegen an defekten Autobatterien“, stellte der Pressesprecher klar. Viele Menschen lassen diese laut ADAC einfach nicht warten, bis sie dann in einem Winter den Geist aufgeben. „Eine Autobatterie hält ungefähr zwischen fünf und zehn Jahren. Alte Batterien gehen jedoch gerade im Winter sehr schnell kaputt und springen nicht mehr an. Eine Wartung vor der kalten Jahreszeit ist also ratsam“, mahnt Linge.
