- Mehrere Sondengänger sind mit ihren Sonden im Auftrag der Ostfriesischen Landschaft unterwegs, um besondere Flächen, beispielsweise im Vorfeld von Bauvorhaben zu untersuchen, ob sie archäologisch von Bedeutung sein könnten. Im Landkreis Aurich gibt es fünf Männer, die diese Aufgabe übernommen haben, darunter Thomas Schlunck und Sebastian Heibült.
Wie kommt man dazu, mit einer Sonde über das Feld zu gehen?
Thomas Schlunck Mein Großvater war Feldbegeher. Es hat mich schon als Kind fasziniert, was er auf den Feldern alles erkennen und finden konnte. Irgendwann entdeckte ich die Metalldetektoren.
Sebastian Heibült Ich habe schon immer versucht, mich in eine Landschaft hineinzuversetzen, sie aus der Sicht von vergangenen Jahrhunderten zu sehen. Auch wenn unsere Kultur und die Landwirtschaft viel verändert haben, ist es doch ein Weg, den Menschen von damals näher zu kommen.
Was benötigt man genau für den Sondengang?
Thomas Schlunck Die theoretische und die praktische Qualifikation durch das Niedersächsische Landesamt für Archäologie, die Erlaubnis des Feldbesitzers oder Pächters, der Ostfriesischen Landschaft und Unteren Denkmalschutzbehörde. Einen guten Metalldetektor sowie einen Pinpointer und einen Spaten. Geschichtskenntnisse, Spaß am Lesen, ein gutes Auge, Phantasie und Ausdauer und Geduld.
Erkennt ein trainierter Sondengänger ob etwas zu finden ist?
Thomas Schlunck Das sollte er. Durch Ziegelfunde kann man ein ungefähres „Alter“ des Bodens vermuten.
Sebastian Heibült Relief, natürliche Umgebung und Bodenbeschaffenheit geben Hinweise, ob Menschen hier gelebt, gearbeitet haben oder ob es einen Weg gab.
Beim Versammlungsort der Friesen, dem Upstalsboom, haben Unbekannte den Boden nach historischen Fundstücken aufgewühlt. Das ist per Denkmalschutzgesetz verboten.
Was findet man am beim Sondeln am häufigsten?
Thomas Schlunck Müll, Müll, Müll! Kronkorken haben den gleichen Leitwert wie Münzen. Alu-Folie, alte Schrotpatronen. Nicht selten sind abgeschossene Patronenhülsen der amerikanischen Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg sowie Reichspfennige aus dem 19./20. Jahrhundert dabei.
Was war der größte Fund für Sie?
Thomas Schlunck Wird zur Zeit von der Ostfriesischen Landschaft untersucht und das Ergebnis später veröffentlicht. Aber ein Fragment einer alten Fliese hat es mir besonders angetan. Darauf ist ein Deichbruch mit Deichverteidigungsmaßnahmen zu erkennen.
Sebastian Heibült Wir haben schöne Münzen aus dem 16./17. Jahrhundert gefunden, historisch interessanter sind die unscheinbaren Alltagsgegenstände, die Geschichten erzählen und Hinweise auf die weiteren archäologischen Fachgebiete liefern.
Braucht man dafür besondere Geschichtskenntnisse?
Thomas Schlunck Bei vielen Funden kann man das im Team selber machen. Die Ostfriesische Landschaft leistet Unterstützung. Alle Funde werden gemeldet, vorgezeigt und protokolliert.
Sebastian Heibült Bei manchen unbekannten Objekten hilft auch das Schwarm-Wissen der sozialen Medien, denn es gibt einige Kollegen mit unglaublich viel Wissen.
Wann ist ein Sondengang endgültig abgeschlossen?
Thomas SchlunckEine sogenannte Nachforschungsgenehmigung für ein Areal hat eine Gültigkeit von zwei Jahren. Bei begründetem Verdacht kann diese Erlaubnis auch verlängert werden.
Sebastian Heibült Es lohnt sich oft, ein Feld mehrmals zu begehen. Witterung, Bodenfeuchte oder auch eine weitere landwirtschaftliche Bearbeitung kann neue Funde bedeuten.
Was denken Sie über die „schwarzen Schafe“ und Schatzgräber?
Thomas Schlunck Für unsere Arbeitsgruppe ist das ein absolutes NoGo! Die Hinterlassenschaften unserer Vorfahren gehören uns allen. Im Internet werden alle möglichen Bodenfunde feilgeboten oder verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Wertvolle Erkenntnisse gehen so für die Archäologie verloren.
Sebastian Heibült Vorfälle wie am Upstalsboom zeigen, dass Raubgräber oft keine Ahnung haben, sich über geltendes Recht hinwegsetzen und vielleicht persönlich bereichern wollen. Übrigens: Wir hatten bisher noch keine so wertvollen Funde, dass wir bei einem illegalen Verkauf auch nur annähernd unsere Auslagen für das Hobby gedeckt hätten. Reich wird man damit also nicht!
