Wiesmoor - Die Schulden der Stadt Wiesmoor erreichen einen neuen Höchststand. Das geht aus dem Entwurf des Haushaltes für das Jahr 2024 hervor. Demnach rechnet die Stadt mit Schulden in Höhe von etwa 30,8 Millionen Euro. Im Jahr zuvor lag der Gesamtschuldenstand Ende 2023 bei 28,2 Millionen Euro.
Kein Kunstrasenplatz
An Projekten, in die die Stadt Wiesmoor investieren möchte, hapert es nicht. Allerdings „mussten wir einige geplante Maßnahmen aus unserem Haushaltsentwurf für 2024 streichen“, bedauerte Bürgermeister Sven Lübbers im Pressegespräch. Dem Rotstift zum Opfer gefallen, sind unter anderem der Kunstrasenplatz für die Wiesmoorer Fußballvereine. 2,4 Millionen Euro sollte der Platz kosten, der von Politik eigentlich schon beschlossene Sache war.
Auch andere Investitionen, wie der Neubau der Kindertagesstätte in Voßbarg und der Bau eines neuen Feuerwehrhauses, sind im Haushaltsentwurf 2024 nicht berücksichtigt worden. Sie stehen in der Präsentation des Kämmerers zwar auf der To-do-Liste, aber eben nicht für dieses Jahr. „Für die Kita sind insgesamt 3,7 Millionen Euro und für das neue Feuerwehrhaus 12 Millionen Euro kalkuliert“, sagte Kämmerer Jens Brooksiek. Dass die zuletzt genannten Punkte notwendige Investitionen in die Infrastruktur seien, stehe für Sven Lübbers jedoch außer Frage.
„Verschuldung soll nicht explodieren“
Weitere 10 Millionen Euro für Grundstücksankäufe, Erschließungsmaßnahmen, Fernwärmeleitungen, Sanierung des Birkhahnweges und dem Bau des Parkplatzes vor der Kooperativen Gesamtschule sind ebenfalls zunächst verschoben worden. Als Grund nannte Brooksiek, dass sich die Schulden von 30,8 Millionen Euro dann innerhalb weniger Jahre auf rund 60 Millionen Euro verdoppeln würden. „Wir möchten an die Politik appellieren, dran mitzuarbeiten, dass die Verschuldung der Stadt Wiesmoor nicht explodiert. Die Rückzahlung von Zinsen und Tilgung von Krediten muss ja auch machbar sein“, erklärte Brooksiek. Zumal die Stadt nicht mit entsprechenden Einnahmesteigerungen rechne. Doch was sind die Haupteinnahmequellen der Stadt und wofür gibt sie Geld aus?
2,1 Millionen Euro mehr Steuereinnahmen
2,1 Millionen Euro mehr Steuereinnahmen
Ein Großteil stammt aus Steuereinnahmen. Nach Abzug der Kreis- und Gewerbesteuerumlage bleiben der Stadt Wiesmoor 55,5 Prozent der Einnahmen. Das sind 12,4 Millionen Euro, ein Plus von 2,1 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. „Die Gewerbesteuer fließt auf hohem Niveau, die Einkommensteuer ebenfalls“, berichtete Brooksiek. Hinzu kommen Einnahmen durch Grundstücksverkäufe und Zuschüsse des Landes Niedersachsen und des Bundes. Dem gegenüber stehen Aufwendungen in Höhe von rund 40 Millionen Euro. Der größte Kostenblock sind Personalkosten mit 12,3 Millionen Euro. „Dass sie gestiegen sind, hängt auch damit zusammen, es eine Tariferhöhung gab“, erklärte Lübbers. Danach folgen mit 9,1 Millionen Euro Ausgaben für den Schul-, Kinder- und Jugendbereich. Etwa 8,4 Millionen Euro möchte die Stadt Wiesmoor in diesem Jahr in Infrastruktur und Projekte investieren.
Das sind die Investitionsschwerpunkte 2024
Kräftig investiert werden soll in die Sanierung des Hallenbades. Insgesamt 2 Millionen Euro sind dafür im Haushalt 2024 aufseiten der Stadt eingeplant. Hinzu kommt noch eine Million Euro Förderung von Land Niedersachsen. Start der Erneuerung des Hallenbades samt neuer Technik ist ab Juli vorgesehen, das Bad schließt dann voraussichtlich für 12 Monate.
Finanzielle Mittel sind zudem für Erschließungsmaßnahmen von Baugebieten in Höhe von insgesamt 3,2 Millionen Euro veranschlagt worden, davon sind 1,5 Millionen Euro für eine Druckrohrleitung von Marcardsmoor zum Klärwerk in Wiesmoor-Mitte eingeplant.
Außerdem soll die Dreifachsporthalle eine neue Teleskoptribüne (30.000 Euro), Beleuchtung (75.000 Euro), Lüftungsanlage (170.000 Euro) und eine Photovoltaikanlage (50.000 Euro) aufs Dach bekommen. Für allgemeine Sportförderungen sind 9100 Euro vorgesehen.
Für die Feuerwehr sind knapp 568.000 Euro unter anderem für neue Fahrzeuge eingeplant. In den Straßen- und Wegebau soll insgesamt 1,5 Millionen Euro investiert werden. Für Grundstückskäufe sind eine halbe Million Euro einkalkuliert. Die Hundefreilauffläche soll 30.000 Euro kosten. Für die Dorferneuerung in Mullberg, dort soll laut Lübbers ein Dorfplatz entstehen, sind 220.700 Euro vorgesehen.
Auch die Freilichtbühne soll weiter aufgewertet werden. „In diesem Jahr haben wir dort viele Veranstaltungen und wir wollen sie für Gäste noch attraktiver machen“, erzählte Lübbers. Hinzu kämen einige Maßnahmen, die aus Sicherheitsgründen notwendig seien. Es sollen die Treppenaufgänge neu gepflastert (30.000 Euro) und Pflanzkübel aufgestellt (8000 Euro) werden. Außerdem soll eine Beleuchtung (30.000 Euro) auf dem Veranstaltungsgelände entstehen.
