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Fördergeld der Stadt Wiesmoor VfB Germania Wiesmoor muss 30.000 Euro nicht zurückzahlen

Wiesmoor - Der Fußballverein VfB Germania Wiesmoor hat 30.000 Euro Fördermittel für die Sanierung der Duschen und Umkleiden im Stadion von der Stadt bekommen. Der Verein kann aber nicht vollständig nachweisen, wie das Geld ausgegeben worden ist. Die Stadt fordert das Geld dennoch nicht zurück. Warum nicht? Dazu später mehr.

Fakt ist: Angebote, Rechnungen und Belege von Firmen, die die Duschen und Umkleiden beim VfB Germania Wiesmoor saniert haben, fehlen. Genau diese Nachweise, die der Verein braucht, um zu beweisen, dass die Arbeiten auch tatsächlich durchgeführt worden sind. „Wir wollen nichts unter den Tisch kehren. Wir kommen aber einfach nicht an die Unterlagen ran“, erklärt VfB-Vorsitzender Focko Schoon im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dafür habe der Verein in einem Schreiben der Stadt Wiesmoor Kritik einstecken müssen. Die Stadt ihrerseits benötigt einen vollständigen Verwendungsnachweis für die Unterlagen, um zu sehen, wie die gezahlte Fördersumme investiert worden ist. „Es geht auch darum, bei Haftungsfällen Firmen anschreiben zu können“, erklärt Bürgermeister Sven Lübbers im Pressegespräch. Der damalige Geschäftsführer des Vereins, Christian Rademacher-Jelten, hatte zwar 2020 einen Verwendungsnachweis vorgelegt, es gab aber Unstimmigkeiten. „Es wurde beispielsweise nicht deutlich, welche technischen Gewerke die Arbeiten ausgeführt haben“, sagt Lübbers.

Wie kann es sein, dass ein Verein keinen Zugriff auf seine Unterlagen hat?

Die Unterlagen habe das ehemalige geschäftsführende VfB-Vorstandsmitglied Rademacher-Jelten verwahrt, so Focko Schoon. Dieser sitzt aktuell im Gefängnis. Gegen ihn laufen mehrere Strafermittlungsverfahren. Zum einen geht es um den Verdacht des Subventionsbetrugs in Zusammenhang mit Corona-Hilfen in Millionenhöhe, zum anderen um eine Drogenplantage in einem seiner Immobilienobjekte. Seit dem 13. Dezember 2021 ist Rademacher-Jelten nicht mehr im Vorstand des VfB, sodass sich der im Dezember neu gewählte Vorstand mit dem Thema befasst. Focko Schoon erzählt: „Christian Rademacher-Jelten hatte die Baumaßnahme als Bauherr geleitet.“ Vielmehr noch, er hat als ehemaliger VfB-Geschäftsführer, die Baumaßnahme über seine Firma Dr. Rademacher/Jelten & Sinning GmbH aus Wiesmoor abgewickelt – als Generalunternehmer.

„Ursprünglich sollte eine andere Baufirma als Generalunternehmer vom VfB Germania Wiesmoor beauftragt werden und nicht die Firma Dr. Rademacher/Jelten & Sinning GmbH“, berichtet Schoon. Eine hiesige Firma aus der Region. Doch diese Firma sei abgesprungen, so der VfB-Vorsitzende. Es habe zeitlich nicht mehr gepasst. „Es gab Verzögerungen bei dem Baugenehmigungsverfahren und da ist dann die Firma von Christian Rademacher-Jelten eingesprungen“, erklärt Schoon. Diese Firma fungierte dann als Generalunternehmer. Rademacher-Jelten hat somit als Geschäftsführer des Vereins, Geschäfte mit seiner eigenen Firma gemacht. „Dieses In-Sich-Geschäft ist aus unserer Sicht zu beanstanden“, sagt Sven Lübbers. Weiter erklärte der Bürgermeister: „Trotz konstruktiver Mitarbeit des neuen Vorstandes des VfB konnten nicht alle Unklarheiten ausgeräumt werden.“ So seien unter anderem Angebote von Unternehmen nicht berücksichtigt worden.

Darüber hinaus wurde auch festgestellt, dass der in den Jahren 2019 bis 2020 verantwortliche geschäftsführende Vorstand seiner gebotenen Aufsichtspflicht in dieser Baumaßnahme nicht ausreichend nachgekommen ist, das teilt der VfB-Vorstand in einer schriftlichen Stellungnahme auf seiner Internetseite mit.

Sind die Arbeiten durchgeführt worden? Wieso darf der Verein das Geld behalten?

Durchgeführt worden, sind die Arbeiten aber tatsächlich. Das bestätigt auch Bürgermeister Sven Lübbers: „Daran haben wir keine Zweifel, wir waren vor Ort und haben uns während einer Begehung ein Bild gemacht.“ Seitens der Stadt gab es eine fachliche Bewertung der Baumaßnahme, eine Bauabnahme und eine Kostenermittlung. „Da haben wir auch festgestellt, dass die Fördersumme tatsächlich verbaut worden ist“, sagt Lübbers.

Ein Grund, weswegen der Verwaltungsausschuss kürzlich beschlossen hat, dass der VfB die 30.000 Euro nicht zurückzahlen muss. Hinzu kommt, dass das Stadion, eine städtische Liegenschaft ist. Diese nutzt der Verein kostenlos. Im Gegenzug investiert der Verein in die Immobilie. „Das ist nicht selbstverständlich“, betont Lübbers. Den Verwendungshinweis erkannte die Stadtverwaltung aber dennoch nicht an. „Es gibt zu viele Ungereimtheiten, die der neue Vorstand nicht aufklären konnte“, sagte Lübbers.

Wie konnte so was passieren? Was hat der Verein daraus gelernt?

Der damalige VfB-Geschäftsführer Christian Rademacher-Jelten war alleinvertretungsberechtigt. Er konnte somit alles allein entscheiden. „23 Jahre war er Geschäftsführer und eigentlich lief alles zufriedenstellend. Doch wir haben daraus gelernt und auf der Jahreshauptversammlung am 13.12.2021 unsere Vereinssatzung angepasst“, berichtet Schoon. Nun nach der Satzungsänderung kann kein Vorsitzender allein Vereinsentscheidungen treffen. „Cristian Rademacher-Jelten hat Dinge veranlasst, ohne die damaligen Vorstandsmitglieder zu informieren. Die hatten keinen Einblick. Er hat dann fast immer gesagt, alles läuft gut“, sagt Schoon. Der neue Vorstand will nun geschlossen und zusammen Entscheidungen treffen. „Wir hoffen, dass die Sache nun abgeschlossen ist und wir uns dem geliebten Fußballsport widmen können“, so Schoon.

Imageproblem und Christian Rademacher-Jelten bleiben

Zwei Probleme bleiben allerdings noch. Erstens: Durch diese Geschichte hat der Verein ein Imageproblem. „Obwohl es wenige Austritte trotz dieses Konfliktes gab, hat unser Ansehen gelitten“, bedauert Schoon. Zweitens: Christian Rademacher-Jelten ist immer noch Mitglied des Vereins. „Wir können ohne Mitgliederbeschluss keinem Mitglied die Vereinszugehörigkeit kündigen“, sagt Schoon.

Katrin von Harten-Wübbena
Katrin von Harten-Wübbena Redaktion Wittmund
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