Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Zucht in Ostfriesland Tauben sollen auch im Neubaugebiet gurren dürfen

Auflass der Brieftauben zum Wettflug.

Auflass der Brieftauben zum Wettflug.

privat

Ostfriesland - Die Brieftaubenzucht ist als immaterielles Kulturerbe durch die Deutsche UNESCO-Kommission anerkannt worden. Detert Feddinga aus Moordorf ist der neu gewählte Vorsitzende und Öffentlichkeitsbeauftragte der Reisetaubenliebhaber-Vereinigung Aurich und Umgebung.  „Wir sind sehr froh über die jetzige Anerkennung und erhoffen uns dadurch mehr Anerkennung für unser Hobby in der Bevölkerung“, sagte Feddinga. In Ostfriesland gibt es zur Zeit rund 380 Verbandsmitglieder, die in den Reisetaubenliebhaber-Vereinigungen (RVen) Aurich, Emden, Norden, Harlingerland, Leer, Friesenland und Landkreis Leer-Ost ihr Brieftaubenhobby betreiben.

Züchter müssen mit Auflagen kämpfen

Doch immer noch müssen die Züchter mit Auflagen kämpfen, die der Zucht entgegen stehen. „Insbesondere hoffen wir darauf, dass das Halten von Brieftauben zukünftig auch in Neubausiedlungen nicht verboten wird, sondern bereits in aufzustellenden neuen Bebauungsplänen ausdrücklich genehmigt wird“, sagt Feddinga.

Kritik von PETA

Die Tierschutzorganisation PETA akzeptiert die Entscheidung der UNESCO nicht, teilt Peter Höffken, Fachleitung Kampagnenteam bei PETA mit. Höffgen nennt folgende Gründe:

Tiermissbrauch ist kein Kulturgut. Die Anerkennung soll zurückgenommen werden.

Die Tauben werden in Hundert Kilometern Entfernung aufgelassen. Viele schaffen es nicht zurück, sterben vor Erschöpfung, fallen Greifvögeln zum Opfer oder „stranden“ in Städten, wo sie als domestizierte Tiere nicht überleben können.

Die Verlustraten werden pro Saison auf bis zu 50 Prozent beziffert.

Die biologische Partner- und Standorttreue der Tauben wird schamlos ausgenutzt. Sie werden für die Wettflüge von den Partnern oder dem Schlag getrennt, damit sie vor Sehnsucht schneller zurückfliegen.

Tauben verausgaben sich und sterben an Dehydration und Erschöpfung.

Züchter geben zu, dass Tauben, die bei Wettflügen schlecht abschneiden, „einfach der Hals umgedreht wird“. Mit den Gewinnern wird weitergezüchtet.

Detert Feddinga, Vorsitzender der Brieftaubenzüchter in Aurich und Umgebung. Bild: Archiv

Detert Feddinga, Vorsitzender der Brieftaubenzüchter in Aurich und Umgebung. Bild: Archiv

Da das Brieftaubenwesen jetzt ein schützendes Kulturgut sei, werde außerdem davon ausgegangen, dass Tierschützer der Organisation PETA das Brieftaubenwesen nicht mehr bekämpfen. „Dass sie nicht mehr versuchen, uns bei der Durchführung von Distanzflügen zu behindern und uns als Tierquäler bezeichnen“, so Feddinga. Es sei allen klar, dass die Züchter durch die Anerkennung als Kulturerbe keinerlei materielle oder finanzielle Vorteile haben würden oder gar Spenden erhalten. „Wir erhoffen uns jedoch, dass die Brieftauben in der Öffentlichkeit nicht mehr als ’Ratten der Lüfte’ bezeichnet werden, denn unsere Brieftauben sind in meinen Augen Hochleistungsportler, die man mit Leichtathleten vergleichen kann“, betont Feddinga. „Sie sind durch ein abgestimmtes Training und eine ausgewogene Ernährung immer bestens auf ihre Aufgaben, die Distanzflüge, vorbereitet.“

Immaterieller Kulturerbe-Status ein Zeichen der Wertschätzung

Die Ernennung zum Immateriellen Kulturerbe wird von den Brieftaubenzüchtern als ein Zeichen der Wertschätzung für ein Kulturgut gewertet, welches Natur und Zivilisation seit Jahrhunderten verbindet und den Menschen große Dienste erwiesen hat. Beim Brieftaubenwesen steht die Brieftaube im Vordergrund. Sie zeichne sich durch ihr natürliches Heimfindevermögen aus, sowie ihre außerordentliche Orientierungsfähigkeit und ihre Leistungsfähigkeit, in kürzester Zeit weite Strecken zurückzulegen. Diese Eigenschaften wurden durch die Zucht weiterentwickelt und vielfältig eingesetzt. Bei der staatlichen Nachrichtenübermittlung und Botendiensten zu Kriegszeiten war die Brieftaube von essentieller Bedeutung. Das über Jahrtausende überlieferte Wissen über die Vögel sei sehr bedeutend für die Zukunft des Brieftaubenwesens. Ziel des Brieftaubenwesens sei es, dieses besondere Wissen weiterzugeben und somit das einzigartige Wesen „Brieftaube“ mit all seinen Fähigkeiten zu erhalten.

Vereinsleben spielt eine große Rolle

Das Vereinsleben, das die Brieftaubenzüchter intensiv pflegen, spiele im gesamten Bundesgebiet eine große Rolle. Brieftauben würden nicht nur alle Generationen und Gesellschaftsschichten miteinander verbinden, sondern auch Nationalitäten. Aufgrund ihrer kulturellen Nähe zu den Tieren fänden immer mehr ausländische Mitbürger zunehmend Interesse am Vereinsleben des Brieftaubenwesens. Das gemeinsame Interesse fördere die Integration und das Zusammenleben der Nationen. „Durch die Auszeichnung erhoffen wir uns ein gesteigertes Interesse an unserem wunderbaren Hobby. Wir möchten das Brieftaubenwesen in eine lange Zukunft führen und viele neue Mitglieder mit dem Gefühl der Liebe und der Faszination gegenüber den wunderbaren Tieren anstecken“, betont Ulrich Peck, Präsident des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
Themen