Marienhafe - Den ersten dicken Applaus ernteten ein paar Sonnenstrahlen, die sich kurzfristig den Weg durch die dichte Wolkendecke bahnten. Ansonsten war die Premiere von „Kohlmeyers Dochters“ am Freitag auf der Freilichtbühne der Theaterwerkstatt „Rosenstraat 13“ in Marienhafe reichlich verregnet. Aber davon ließen sich weder das Publikum noch die Akteure vor wie hinter der Bühne beirren. Bühnenbild, Technik, Requisiten und Maske erwiesen sich am Freitag gegenüber den Tücken der Witterung genauso resistent wie das tapfer ausharrende Publikum, das das Ensemble am Schluss für die gelungene Inszenierung mit stehenden Ovationen beklatschte.
Einige Regentropfen machten das Open-Air-Feeling nicht zum Problem.
Werner Jürgens
Haben beide ihren Dickkopf: die ungleichen Schwestern Kohlmeyer.
Werner Jürgens
Ernste Gespräche zwischen ungleichen Schwestern.
Werner JürgensEin Extra-Lob geht an den Pilsumer Posaunenchor, der für das musikalische Rahmenprogramm sorgte und dessen Mitglieder sich selbst von durch den Regen völlig zerlaufenen Notenblättern kaum aus Ruhe bringen ließen.
Alte Vorlage vom Staub befreit
Die Originalvorlage „Kohlhiesels Töchter“ ist eine Art Bauernschwank-Version von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ und wurde mehrfach verfilmt. Am nachhaltigsten in Erinnerung, weil häufig im Fernsehen gezeigt, ist vermutlich die fünfte Kino-Verfilmung von 1962 mit Lilo Pulver in einer Doppelrolle als Liesel und Susi Kohlhiesel. Das sind durch die Bank große Namen, vor denen sich das Ensemble von der Theaterwerkstatt „Rosenstraat 13“ nicht zu verstecken braucht.
Protagonisten des Stückes sind Josef Kohlmeyer, der einen Bauernhof mit Feriengästen betreibt, und seine zwei Töchter, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Das ist auf der einen Seite die trampelige und vorlaute Susi, die jeden in ihrer Nähe terrorisiert und vergrault und auf der anderen Seite ihre elegante und aparte Schwester Lisa, die in der Stadt eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert. Eigentlich soll und will Lisa den Nachbarsbauern Hannes heiraten.
Es gib ein Problem: Die verstorbene Mutter hat testamentarisch verfügt, dass Susi zuerst die Haube gebracht werden muss. Ansonsten verfällt das Erbe. Hinzu kommt, dass Lisa nicht alleine zurückkehrt. Der charmante Sascha, den sie bereits aus der Hotelfachschule kennt, hat ein Auge auf sie geworfen und sich kurzerhand bei den Kohlmeyers als Kellner eingenistet. Um einen passenden Ehemann für Susi zu finden, schaltet der Vater eine Anzeige, auf die sich ausgerechnet ein Heiratsschwindler meldet, den Susi wiederum für den neuen Knecht hält. Als dann auch noch Sascha und Hannes einen Plan aushecken, um das Testament auszutricksen, nimmt das Chaos endgültig seinen Lauf.
Restkarten für die weiteren Aufführungen Vorstellungen am 21. und 22. Juni (Beginn um 20 Uhr) sowie am 23. Juni (Beginn um 18 Uhr) sind noch zu haben und können unter der folgenden Telefonnummer bestellt werden: 04934/499975.
Das Regie-Duo Lydia Schwitters und Jann Aden haben es geschafft, die Story dank behutsam eingebauter zeitgemäßer Phänomene wie Viagra, Parship oder einem Smartphone zu entstauben. Stephanie van Doorn und Maike Rosenboom verkörperten das ungleiche Schwesterpaar absolut überzeugend. Thomas Meyer als Charme-Bolzen Sascha und Niklas Baumann in der Rolle des treuherzigen Bauernburschen Hannes sowie Jann Aden als windiger Heiratsschwindler entpuppten sich als ideale Besetzung für ihre Figuren. Gleiches galt für die Nebenrollen von Katrin Rutkowski und Vera Soeken als „Östrogen-Bomben“ Jennifer und Mandy sowie Monika Reuter als hochnäsiger Feriengast. Ihre männlichen Pendants Wilhelm Reuter als geplagter Papa Kohlmeyer sowie Werner Nörtker in seiner Rolle als Pastor und Kai Buschmann als „taffer“ Polizeibeamter standen dem in nichts nach.
