Wiesmoor - Organspender retten Leben: Am bundesweiten Tag der Organspende an diesem Samstag, 1. Juni, wird auf das Thema aufmerksam gemacht. Denn die Warteliste für ein Organ ist lang. In Deutschland stehen mehr als 8.400 Menschen auf der Liste für ein Spenderorgan. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) benötigen die meisten von ihnen eine Spenderniere.
Wenige Organspender kommen aus Deutschland
„Das Warten auf ein passendes Organ ist für eine Familie immer eine starke Belastung und ein Wettlauf gegen die Zeit. Nicht alle bekommen rechtzeitig ein Organ“, sagt Michaela Dirks, Vorsitzende des Vereins Transplant-Kids mit Sitz in Wiesmoor. Seitdem ihre Tochter mit drei Jahren ihre erste Lebertransplantation bekam, setzt sie sich dafür ein, dass mehr Menschen Organspender werden. Die Spendenbereitschaft sei hierzulande im Vergleich zu anderen europäischen Staaten gering. Laut BZgA gab es 2022 bundesweit 869 Organspender, 64 weniger als im Vorjahr. Das entspricht 10,3 Organspender je eine Million Einwohner. In Spanien kamen 2022 auf eine Million Einwohner 46 Organspender.
Mehrheit findet Organspenden sinnvoll
Dabei finden die meisten Bundesbürger Organspenden sinnvoll. Laut der BZgA stehen acht von zehn Befragten der Organspende positiv gegenüber. Dennoch fehle oft der letzte Schritt, die Entscheidung für eine Organspende in einem Organspendeausweis oder im online im Organspende-Register zu dokumentieren. „Das ist genau das, worauf es ankommt“, betont Michaela Dirks. Ihrer Meinung nach gebe es in Deutschland so wenige Spender, da sich niemand gerne zu Lebzeiten mit dem Tod auseinandersetzt – was danach mit dem Körper passieren soll.
Widerspruchslösung könnte eine Möglichkeit sein
„Mit einer Widerspruchslösung wäre es da einfacher“, sagt Dirks. Das bedeutet, dass eine Organentnahme an einem hirntoten Verstorbenen dann zulässig ist, wenn dieser einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht widersprochen hat. Derzeit muss in Deutschland jeder Bürger einer Organspende zustimmen, indem er einen Organspendeausweis unterschreibt. Mit dieser Zustimmungsregelung steht Deutschland im europäischen Vergleich eher allein. Die Widerspruchslösung ist die am meisten verbreitete Organspende-Regelung in Europa. Sie gilt unter anderem in Frankreich, Irland, Italien, Österreich und Spanien sowie in 12 weiteren europäischen Ländern.
Eine Analyse der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) verdeutlicht, dass in Deutschland nur in rund 15 Prozent der Fälle eine schriftliche Entscheidung zur Organspende der verstorbenen Person vorlag. Angehörige gaben dann nach dem Tod in rund 80 Prozent der Fälle keine Einwilligung. „Es ist für die Hinterbliebenen oft schwierig, dann eine Entscheidung zu treffen, da sie in Trauer sind“, meint Dirks.
