Aurich - Die Sanierung der Auricher Fußgängerzone wird um rund 1,2 Million Euro teurer als erwartet. Das könnte zu Abstrichen bei geplanten Vorhaben zur Altsanierung führen. Die Auricher Politik sah sich von dieser „Kostenexplosion“, angesprochen durch Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) im Auricher Rat, völlig überrumpelt. Anstelle von 3,2 Millionen Euro wird nun mit 4,4 Millionen Euro gerechnet, ergab die Ausschreibung. Nun hofft man auf eine Förderung der Fördermittel von Bund und Land. Diese Förderung wird für den vereinbarten Förderzeitraum an die Stadt gezahlt, eine Übersicht über die Mittel wird in der Verwaltung erstellt. Im Verwaltungsausschuss des Auricher Rates wird dies am kommenden Montag ein Thema sein, sagte Stadtsprecher Johann Stromann auf Nachfrage.
Wird der Haushalt durch die Kostensteigerungen genehmigt?
Befürchtet wird, dass der noch nicht beschlossene Haushalt der Stadt Aurich nicht genehmigt werden könnte. Der Beschluss soll im Juni im Stadtrat gefällt werden. Für Ratsherr Richard Rokicki (AWG), der selbst aus dem Bau-Metier kommt, waren die Kostensteigerungen absehbar gewesen. Er habe als Maurermeister immer davor gewarnt, und auch die Mehrkosten für andere Bau. „Jetzt haben wir den Salat“, schimpfte er während der Ratssitzung, dass alle seine Einwände ungehört verhallt seien. „Die Kollegen leben auf einem anderen Planeten“, beziffert Rokicki die zu erwartenden Kosten sogar auf fünf Millionen Euro. Für die SPD und CDU kommt ein Baustopp der Maßnahme nicht in Frage. Die Grünen hätten es lieber gesehen, wenn die alte Pflasterung wieder verlegt worden wäre, um zu sparen.
Der Förderzeitraum umfasst 20 Jahre
Die Umgestaltung der Fußgängerzone soll 2023 fertig sein. Busch-Maaß, die seit dem 1. Januar neu im Amt ist, hat inzwischen die Historie und den aktuelle Sachstand für die Umgestaltung erarbeitet. Die Ausschreibung der Arbeiten ist erfolgt, Bewerber liegen der Verwaltung bereits vor. „Ich stelle der Politik drei Möglichkeiten vor, um zu entscheiden, welchen Weg die Stadt gehen will“, sagte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß auf Nachfrage.
Die Fußgängerzone wird in drei Jahren 50 Jahre alt
Eine durchgängige Fußgängerzone gibt es seit 1975 in der Auricher Burgstraße und Osterstraße. Die Sanierung der Flaniermeile wurde 2018 beschlossen, Baustart war im Jahr 2019. Seitdem wandern die Baustellen für die Verlegung der Kanalisation Versorgungsleitungen im Boden durch die Innenstadt, machen das Shoppen für die Besucher nicht einfach - und ärgert die Kaufleute.
Eindeutiger Gewinner bei den Sitzgelegenheiten: Die Holzbank landete bei einer Abstimmung vor zwei Jahren mit 46 Prozent auf dem ersten Platz. Bild: Archiv
Eigentlich sollen die Arbeiten in der Osterstraße schon bald oberirdisch fortgeführt werden, um ein neues Pflaster zu verlegen sowie neue Möbel und Laternen aufzustellen. Für die Art und das Aussehen der Pflasterung hatten im Jahr 2020 insgesamt von 42.000 Einwohnern rund 1800 Bürger ihr Votum abgegeben. Wann jedoch hier die Arbeiten beginnen, konnte Stadtsprecher Stromann noch nicht sagen. Ein Dauerbrenner bei der Gestaltung ist außerdem die Bepflanzung und der Erhalt der Innenstadtbäume, weil diese wegen des verdichteten Bodens nicht einfach ins Erdreich gepflanzt werden können. Auch sollen deutlich weniger Bäume in der Fußgängerzone stehen bleiben. Vier Bäume müssen voraussichtlich am Marktplatz deshalb weichen, weil sie in Betonkübeln stehen und die Wurzeln kaum noch Platz haben.
