Ostfriesland - Wenn die Sonne nach einem langen Winter wieder rauskommt, zieht es viele Motorradfahrer mit ihren schnellen Schätzchen auf die Straße. Denn was gibt es Schöneres, als endlich den Wind und die Kraft des Fahrzeugs zu spüren, wenn man es frei laufen lassen kann? Doch dieser Enthusiasmus hat für einige Fahrer Konsequenzen, weiß Nils Linge, der Pressesprecher des ADAC-Weser-Ems. „Es gibt Motorradfahrer, die sich und auch ihrem Fahrzeug nach der längeren Winterpause zu früh zu viel zutrauen.“ So komme es, dass „wir vom ADAC in den ersten Wochen der Motorradsaison oft montags vor den Mikrofonen stehen und erklären, warum es am Wochenende so viele Unfälle gab.“
Unfälle in Ostfriesland
Auch in Ostfriesland gab es jüngst auffallend viele Unfälle mit Motorrädern – teilweise auch mit tödlichem Ausgang. So sind in den vergangenen Wochen im Landkreis Wittmund ein 24-jähriger Ihlower und ein 68 Jahre alter Mann aus Wilhelmshaven tödlich verunglückt, während ein Motorradfahrer in Großefehn bei einem Unfall mit einem Auto damit verglichen „glücklicherweise nur“ unter ein Auto eingeklemmt war und verletzt ins Krankenhaus gebracht werden konnte.
Kommt es nur gefühlt zu mehr Unfällen oder gibt es wirklich mehr? Wenn man die Zahl der Zulassungen aus der neusten Verkehrsstatistik für die Kreise Aurich und Wittmund betrachtet, fällt auf, dass es im ganzen Jahr 2021 acht Verkehrstote gab. Dass nun schon zwei Menschen allein bei Motorradunfällen verunglückt sind, könnte unter anderem daran liegen, dass in Ostfriesland mehr Motorräder unterwegs sind. Im Landkreis Leer ist die Anzahl laut des zuständigen Straßenverkehrsamtes von 9705 im Jahr 2919 auf 10510 zu 2022 gestiegen. Den gleichen Trend zeigen die Zahlen aus Aurich und Wittmund. Von 11.718 auf 12.362 ist die Zahl der Motorräder in Aurich angewachsen; und in Wittmund waren im Mai 2020 3509 registriert, während es zwei Jahre später schon 3813 sind.
Boom an Fahranfängern?
Jedoch muss nicht unbedingt jedes neu registriertes Fahrzeug bedeuten, dass ein neuer Fahrer dahintersteckt oder dass es einen Boom an unerfahrenen Fahrschülern gibt. Holger Lindemann von der Fahrschule Lindemann aus Leer hat im Jahr etwa 200 Motorrad-Schüler und betont, dass über die Zeit nicht spürbar mehr dazu gekommen sind. Was jedoch zu beobachten sei: „Der Frauenanteil hat sich deutlich verändert.“ Das liege vor allem daran, dass die Hersteller auch den weiblichen Markt für sich entdeckt hätten. „Früher waren die Fahrzeuge schwer, die Kleidung eher einfach. Heute haben die Hersteller auch leichter und besser bedienbare Maschinen im Angebot – der Markt ist stylischer geworden.“ Auf die vermehrten Unfälle angesprochen, erwidert Fahrlehrer Lindemann, dass dies seiner Meinung nach nicht unbedingt an mehr Fahrern oder an einer schlechten Ausbildung liegt. „Ich denke, das hat vor allem mit der Verkehrsdichte zu tun. Die hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, und dann ist auch nicht immer unbedingt der Motorradfahrer schuld, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.“
Unübersichtlicher
Den Punkt der Verkehrsdichte bestätigt Hartmut Detmers, Sachgebietsleiter für den Bereich Verkehr der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund: „Der Verkehr nimmt insgesamt zu, nicht nur im Bereich der Motorräder – in allen Bereichen; Fahrrad, Schwerlast, Pkw.“
Deswegen müsse man nicht nur als Motorradfahrer aufpassen. „Allein wegen der Masse an Fahrzeugen und Verkehrsteilnehmer sollten alle vorsichtig sein. Da gehört dazu, dass ich nicht nur darauf achten, dass ich mich richtig verhalte, sondern wachsam verfolge, was andere im Straßenverkehr machen.“ Dies sei das beste Mittel, um sich und auch andere im Straßenverkehr nicht zu gefährden.
