Aurich - Die Unfallzahlen, an denen Schüler bis 14 Jahre auf dem Fahrrad beteiligt waren, sind seit acht Jahren insgesamt rückläufig. „Glücklicherweise kam es zu keinem Unfall mit Todesfolge“, teilt Signe Foetzki für die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse mit. Für 5000 Dritt- und Viertklässler aus 130 Grundschulen in Ostfriesland soll der Weg durch den Verkehr auch in diesem Jahr sicherer werden, so Foetzki. Dafür soll die Radfahrprüfung sorgen, die nun wieder ansteht.
Zu schnell gefahren
Claudia Wilting, Leiterin der Grundschule Tannenhausen, ist optimistisch: „In unserem Unterricht bemerken wir in den letzten Jahren insgesamt deutliche Verbesserungen des Verhaltens der Kinder. Unsere Schule liegt an einer stark frequentierten Landesstraße zur Nordseeküste, auf der oft viel zu schnell gefahren wird. Meine Kolleginnen und ich sind immer wieder erstaunt und stolz, wie gut sich die Kinder verhalten und wie viel Obacht insgesamt an den Tag gelegt wird.“
Unterrichtsmaterialien
Die Ostfriesischen Verkehrswachten haben dafür von der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse Unterrichtsmaterial für die Radfahrausbildung erhalten, das auch im Internet einzusehen ist. Das teilt Signe Foetzki für die Brandkasse mit, die 22 750 Euro investiert hat. Laut Hajo Reershemius, Gebietsbeauftragter der ostfriesischen Verkehrswachten, müssen die Schüler nach einem Beschluss des Kultusministeriums an einer Radfahrausbildung teilnehmen. „Wir wollen die Verkehrsregeln nahebringen und sie zu verantwortungsvollen Verkehrsteilnehmenden erziehen“, so Reershemius. Signe Foetzki, Pressesprecherin der Brandkasse, kündigte jeweils 5000 Arbeitshefte, Übungsbögen, Testbögen, Aufkleber und Fahrradpässe für die Dritt- und Viertklässler an. „Fahrräder haben leider keine Knautschzone!“, so Foetzki. „Und je früher unsere Kinder es lernen, sich sicher im Straßenverkehr zu verhalten, desto besser.“
Unfallzahlen rückläufig
Hans-Friedel Walther, Vorsitzender der Verkehrswacht Aurich, hat die Zielgruppe „Kinder bis 14 Jahre“ besonders im Blick. Bundesweit kam es hier laut Statistischem Bundesamt in dem Jahr 2021 im Straßenverkehr zu 8466 Radfahrunfällen mit Personenschäden. Ostfrieslandweit gab es in 2021 insgesamt 124 Kinder-Radfahrunfälle. Zum Vergleich gab es die letzten Jahre vor und mit unserem Unterrichtsmaterial in Ostfriesland in 2014 158 und in 2019 140 solcher Unfälle. Von den vorher genannten 124 betroffenen Kindern wurden sieben schwer und 79 leicht verletzt. Jedoch ist die Teilnahme am Verkehr mit all seinen Risiken ein Stück Lebenserfahrung, die unsere Kinder machen müssen. Und hier ist jeder einzelne Verkehrsteilnehmende als Vorbild gefragt!“
Motorisch im Wachstum
Die Radfahrausbildung kombiniert das Arbeitsheft mit einem digitalen Übungsportal. „Methodisch-abwechselungsreich werden Ausbildungsinhalte vermittelt: Grundlagen, darunter verkehrssichere Fahrräder, Fahrradwege und -helme, Fahren im Straßenverkehr mit Vorfahrtsregeln oder Kreisverkehr, Gefahren durch zu linke Radwege oder tote Winkel sowie Erste Hilfe. „Die leider eingeschränkte Motorik bei vielen ‚Kleinen‘ erschwert zusätzlich das sichere eigene Verhalten im Straßenverkehr – für Eltern mitunter eine überraschende Erkenntnis!“
Die Vorsitzenden der ostfriesischen Verkehrswachten freuen sich über das neue Unterrichtsmaterial im „Rekord-Wert“ von rund 22.750 Euro (v.l.n.r.): Claudia Wilting (Leiterin der Grundschule Tannenhausen), Hans-Günter Jelting (VW Leer), Hans-Friedel Walther (VW Aurich), Hajo Reershemius (VW Norden und Gebietsbeauftragter der ostfriesischen VWs), Bertold Tuitjer (VW Emden), Klaus Wilbers (VW Wittmund) und Signe Foetzki (Pressesprecherin der Brandkasse).
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