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Umstrittenes Projekt in Südbrookmerland Vermilion Energy will in Engerhafe Gasförderung wieder aufnehmen

Proteste von Bürgern gab es bisher bereits an der ehemaligen Förderstelle für Erdgas in den Engerhafer Meeden.

Proteste von Bürgern gab es bisher bereits an der ehemaligen Förderstelle für Erdgas in den Engerhafer Meeden.

Archiv

Südbrookmerland - Eine umstrittene Gasförderung durch das Unternehmen Vermilion Energy soll in den Engerhafer Meeden nun doch wieder aufgenommen werden. Das Unternehmen begründet seine Entscheidung mit der Auswertung umfangreicher Daten, die in den vergangenen Monaten und Jahren erhoben wurden. Noch im Frühjahr will das Unternehmen diese Unterlagen für eine Vorprüfung der Umweltverträglichkeit (UVVP) beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) vorlegen.

Das plant Vermilion Energy

Vermilion Energy lässt durch die LBEG bewerten, ob für das Vorhaben eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich sei. Von dieser Entscheidung des LBEG hängt dann das mögliche weitere Genehmigungsverfahren ab.  

Erdgasbohrprojekte bestehen aus mehreren Schritten. Zunächst muss der Bohrplatz nach den neuesten technischen und umweltfachlichen Standards hergerichtet werden, was üblicherweise etwa drei Monate dauert.

Die Bohrung ist der nächste Schritt, wobei ein Bohrturm samt zugehöriger Anlagen aufgebaut wird. Die Dauer ist abhängig von der Art und Tiefe der Bohrung. 

Der Fall Engerhafe ist speziell, weil hier die bereits verfüllte Bohrung Engerhafe Z1 lediglich wieder zu aktivieren ist, dass heißt im konkreten Fall, dass die verfüllten Strecken wieder aufgebohrt werden und der Meißel dabei nicht das existierende Bohrloch verlässt. Es fände also in keinem Fall eine Neubohrung durch wasserführende Schichten statt. 

Nach der Bohrung werden werden alle Anlagen umgehend abgebaut und es erfolgen Produktionstests für etwa zwei Wochen. Sollte hier festgestellt werden, dass eine dauerhafte erfolgreiche Erdgasproduktion möglich ist, folgen noch zwei weitere Schritte: Der Bohrplatz wird zu einem Förderplatz umgebaut, auf dem das produzierte Erdgas für den heimischen Verbrauch aufbereitet wird. Zudem wird die Bohrung über die existierende Pipeline an das Ferngasnetz angebunden.

Diese Schritte werden insgesamt einige Monate veranschlagen. Für das mögliche Projekt Engerhafe Z1 bedeutet dies, dass die Wiederaufnahme der Erdgasproduktion nicht mehr in 2024 erfolgen kann. Sowohl für den Platzbau wie für die Bohrung würde Vermilion Energy Germany erst nach Abschluss des umweltrechtlichen Prüfungsverfahrens separate Genehmigungen beantragen und diese Projektschritte konkret planen.

Sichtbar für den Bürger sollen die Pläne in diesem Jahr nicht werden, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. „Für die Anwohner bedeutet das, dass in absehbarer Zeit keine Aktivitäten auf dem Bohrplatz stattfinden“, stellte Pressesprecher Björn Wechsel auf Anfrage fest. Sobald der erste Schritt, der Platzbau, konkret geplant würde und die entsprechenden Genehmigungen beantragt werden, werde Vermilion Energy Germany das Projekt nochmals öffentlich vorstellen. Erst dann könnten konkrete Zeithorizonte genannt werden.

„Nachvollziehbarer Widerstand“

Die Gemeinde Südbrookmerland wehrt sich gegen die umstrittene Gasförderung. „Es bleibt bei der bisherigen Positionierung“, betont Bürgemeister Thomas Erdwiens (FWG) auf Anfragen, weil sich die geplante Bohrstelle im Wasserschutzgebiet befindet, aus dem auch der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) sein Trinkwasser für weite Teile des Landkreises Aurichs sowie einen Bereich Emdens fördert. Erdwiens sieht hier vor allem eine „fachspezifische und rechtliche Analyse durch die beim Landkreis Aurich ansässige Untere Wasserbehörde erforderlich. Aus der Kreispolitik hat es deshalb ebenfalls schon Proteste gegeben. Aber auch aus den Südbrookmerlander Nachbargemeinden waren aus der Politik Einwände gegen eine neue Förderung erhoben worden. „Ärgerlich ist aber schon, dass weder die Gemeinde und auch die Bürger durch das Unternehmen über das weitere Vorhaben noch nicht offiziell in Kenntnis gesetzt worden sind“, betont der Bürgermeister die aktuelle Entwicklung. „Das macht es gewiss nicht einfacher und schürt nur noch mehr den nachvollziehbaren Widerstand“, sieht Erdwiens noch einige Diskussionen, bevor das Projekt von Vermilion Energy starten kann.

Widerstand in Nachbarkommunen und Landkreis Aurich

Welche Auswirkungen eine mögliche Förderung auf das gesamte Fördergebiet haben könnten, sei aus Südbrookmerlander Sicht kaum zu bewerten. „Allerdings stehen eine Menge möglicher Gefahren im Raum, die ja auch durch solch aktive Förderstätten im In- und Ausland bekannt sind“, räumt Erdwiens ein. Insofern hält es der Bürgermeister „von sehr extremer Bedeutung“, dass sich das Unternehmen mit den Ängsten und Befürchtungen der Bürger auseinandersetze, um zeitnah den Dialog in Form von Kommunikation durch Transparenz suche. Erdwiens schlägt Informationsveranstaltungen, eventuell auch im Rahmen von Fachausschusssitzungen der politischen Gemeinde vor. Auch die Rekultivierung von alten Bohrschlamm-Deponien auf Großheider Gebiet steht in nächster Zeit an.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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