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Bestattungen in Ostfriesland Grabplatten fördern neue Probleme mit Wachsleichen

Grabplatten, die das ganze Grab abdecken, können die Verwesungsprozesse verlangsamen oder stoppen.

Grabplatten, die das ganze Grab abdecken, können die Verwesungsprozesse verlangsamen oder stoppen.

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Ostfriesland - Die Probleme mit so genannten Wachsleichen in ostfriesischen Kirchengemeinden reißen nicht ab. Nachdem wegen der problematischen Bodenbeschaffenheit Bereiche sogar gesperrt sind, macht nun ein moderner Trend Sorge. Das hat eine kleine Umfrage bei den Kirchengemeinden in der Region ergeben. Die Körper von Bestatteten verwesen nicht, weil Gräber vollflächig mit Grabplatten abgedeckt sind. Das macht die Grabpflege einfacher, aber es gelangt kein Sauerstoff mehr in den Boden, der für den Verwesungsprozess wichtig ist. In vielen Kirchengemeinden sind die großflächigen Grabplatten deshalb inzwischen sogar verboten, sagt der Münkeboer Bestatter Jakob Janssen. „Besser sind kleinere Grabplatten mit Lücken dazwischen, damit Regen und damit auf diese Weise noch Sauerstoff in den Boden kommt“, sagt Janssen.

Wasser hält Sauerstoff ab

Aber auch wasserundurchlässige Böden, beispielsweise in der Marsch oder in ehemaligen Moorgebieten, fördern das Problem, aber das ist nicht generell der Fall. Der Pewsumer Pastor Andreas Jäckel von den lutherischen Kirchengemeinden Pewsum und Woquard in der Krummhörn kennt beispielsweise das Problem mit sogenannten Wachsleichen nicht. „Sie treten selten bis gar nicht auf. In Woquard ist mir kein einziger Fall bekannt“, betont Jäckel.

Wachsleichen

Wachsleichen entstehen durch äußere Einflüsse. Ohne Sauerstoff verwesen die Bestatteten nicht, sondern können viele Jahre lang erhalten bleiben. Selbst die Gesichtszüge sind noch zu erkennen. Historische Beispiele sind im Moor entdeckte Leichen - wie der dänische Tollund-Mann oder die Leiche von Bernutsfeld aus Aurich-Tannenhausen, benannt nach den Fundorten, die aus der Vorzeit stammen.

Mit Wachs hat die Mumifizierung nichts tun. Vielmehr verseift durch Sauerstoffmangel das Fett unter der Haut zu einer wachsartigen Schicht. Bakterien können die „Seife“ nicht zersetzen.

Internationale Experten aus der Wissenschaft suchen inzwischen nach einer Lösung, damit Wachsleichen nicht entstehen, etwa auf einem Workshop in Oldenburg. Mit dem Programm „RuheSoft“, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, kann man inzwischen die Dauer einer Verwesung auf einem Friedhof errechnen. Entwickelt wurde RuheSoft von der Fachhochschule Osnabrück und dem Ingenieurbüro entera.

Jeder vierte Friedhof in Deutschland ist von dem Problem der Wachsleichen betroffen. Das gab die Deutsche Bundesstiftung Umwelt für 33 000 Friedhöfe bekannt.

Als Lösung kommen statt vollformatigen Granitplatten kleinere Platten in Frage, die Regen und damit Sauerstoff durchlassen. Auch mehrfach benutzbare Betonkammern mit Sauerstoffzugang werden inzwischen in wasserreiche Böden eingelassen.

Die Ruhezeit währt auf Friedhöfen 25 Jahre, weil der Gesetzgeber sagt, dass dann die Verwesung abgeschlossen ist. Der Prozess kann aber – in tonigem Boden – auch 75 Jahre dauern.

Ein Problem sieht Jäckel aber auch hier in dem Trend, dass Gräber oft vollständig mit Grabplatten abgedeckt werden. „Dieses führt zu einer verringerten Sauerstoffzufuhr und kann den Verwesungsprozess beeinträchtigen“, bestätigt der Pastor diese These.

Bodenart von Bedeutung

Dass die Bodenbeschaffenheit Probleme bereitet, weiß Superintendent Janssen von verschiedenen Friedhöfen aus dem Kirchenkreis Aurich. „Das ist der Fall, wenn Lehmschichten vorhanden sind“, sagte Janssen, beispielsweise in dem Ihlower Dorf Westerende-Kirchloog.

Wasser und verdichteter Boden verhindern auf Friedhöfen

Wasser und verdichteter Boden verhindern auf Friedhöfen

Lehm lässt ebenfalls kein Wasser durch. „Man kann diese Bereiche nur schwer entwässern. Meistens werden sie für Bestattungen nicht mehr freigegeben“, sagt Janssen. Das ist ebenso in der lutherischen Kirchengemeinde Ostrhauderfehn der Fall, wo das Problem mit so genannten Wachleichen vor 15 Jahren akut war. Deshalb setzt man dort auf Urnen, doch Erdbestattungen sind dennoch möglich, sagt Pastor Holger Rieken. „Wenn dem so sein sollte, gäbe es hier für ein vom Gesundheitsamt zugelassenes Sarghüllensystem“ so Rieken. Dabei kommt ein für knapp 1000 Euro ein Geotextilgewebe mit Lüftungsrohren zur Anwendung. Das wurde beispielsweise auf dem alten Friedhof der Nikoai-Kirchengemeinde in Edewecht diskutiert. Auch in der Kirchengemeinde Kirchhatten kennt man die Probleme mit Wachsleichen.

Entwässerung wichtig

Suurhusens Pastor Frank Wessels, Präses für den Synodalverband Ostfriesland, ist das Problem auch bekannt. Wessels kommt es aber weniger auf die Bodenbeschaffenheit als auf die richtige Entwässerung an. „Es ist richtig, dass der Verwesungsprozess in Verbindung mit Wasser nur langsam vorankommt, da Wasser eine konservierende Wirkung hat“, betont er. „Deshalb dürfen Friedhöfe nicht zu nass sein, sondern müssen gut entwässert sein“, erklärt er. Generell seien ihm auf den kirchlichen Friedhöfen im Synodalverband Nördliches Ostfriesland solche Schwierigkeiten aber nicht bekannt. Internationale Experten beschäftigten sich auf Workshops mit der Problematik.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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