Ostfriesland - Es gibt viele Arten, auf die Autofahrer ihr Gefährt in eine Parklücke navigieren können – vorwärts, rückwärts, seitwärts. Den Großheidern Christa und Theo Kühl ist aufgefallen, dass die Menschen dieser Region anscheinend einer Art den Vorzug geben. „Die Ostfriesen nutzen jede Gelegenheit, wenn nur irgendwie möglich, das Fahrzeug so zu parken, damit Sie nach vorne wegfahren können. Das gilt sowohl für öffentliche Parkplätze als auch private vor den Häusern oder Garagen.“
Im Gespräch erzählt Theo Kühl, dass er und seine Frau im Januar 2020 aus der Nähe von Köln nach Großheide gezogen sind und seit dieser Zeit dieses Parkverhalten beobachten. „Das haben wir an keinem anderen Ort in Deutschland und Europa bisher vorgefunden“, wundert sich Kühl, der beruflich bis heute in vielen Ländern unterwegs war.
Ob beim Einkaufen oder anderen Parkgelegenheiten: Ostfriesen stellen ihr Fahrzeug anscheinend gerne so, dass sie schnell wieder wegfahren können.
Einmal einen Blick dafür entwickelt, begegnet den Eheleuten diese Parkweise mit teilweise kuriosen Einparkszenarien überall: „Man sieht schon, dass sie Autofahrer nach den Parkplätzen Ausschau halten, in die sie am besten rückwärts einparken können. Dabei beobachten wir, wie ältere Herrschaften ,zum Beispiel am Baumarkt, große Mühen haben, zunächst in eine Lücke rückwärts einzuparken, um dann nach vorne wegfahren zu können. Und an den Supermärkten wird dabei in Kauf genommen, dass bei dieser Parkweise mit Doppelparktaschen ein Fahrzeug normal einparkt und dann der Zugang zum eigenen Kofferraum zugestellt ist.“
Deswegen sprach Theo Kühl einige Ostfriesen direkt darauf an. „Die meisten waren weniger amused und hatten kein Verständnis für die Frage. Aber ich habe das so noch nie gesehen und die Fahrer konnten mir keinen bestimmten Grund nennen.“ Seine These: „Vielleicht warten die auf die Flut und denken so, dass sie schneller wegfahren können?“
Update: Das sind die Antworten von Lesern und Experten
Viele Leser haben uns nach der Veröffentlichung des Textes geschrieben und versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Vor allen der Aspekt der Sicherheit spielte eine Rolle.
Auch die Fluchtrichtung wurde als Grund genannt. Hier macht anscheinend die große Anzahl der Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehr den unterschied. Denn: Diese haben gelernt, immer in Fluchtrichtung zu parken, wie uns Manuel Goldenstein vom Kreisfeuerwehrverband mitteilte.
