Wiesmoor - Wenn alles nach Plan läuft, wird das Bauunternehmen Bohlen & Doyen am Standort Wiesmoor als eines der ersten Unternehmen in der Region bis Weihnachten spätestens Februar seine Energieversorgung auf regenerativen Wasserstoff und Solarstrom umstellen. Dabei setzt das Unternehmen, das zur Vorwerk-Gruppe gehört, bereits seit 2021 und damit noch vor Beginn der Energiekrise, auf Sonnenenergie und hat Photovoltaikanlagen mit einer Höchstleistung von 600 Kilowatt auf dem Dach installiert.
Hoher Verbrauch der Werkstatt
Diese sollen den gesamten elektrischen Energiebedarf der Werkstatt decken – der sei unter anderem wegen der Schweißarbeiten sehr hoch. Ziel ist es, den gesamten Jahresbedarf, 850 Megawattstunden Strom und 1480 Erdgas, mit selbsterzeugter Energie zu decken. „Im Sommer und tagsüber ist das kein Problem und wir werden sogar vermutlich einen deutlichen Überschuss erzeugen“, erklärt der Geschäftsführer der Friedrich Vorwerk Gruppe, Torben Kleinfeldt.
Dieser überschüssige Strom soll in Zukunft in eine Elektrolyse-Vorrichtung in Container eingespeist werden. Der Wasserbedarf bei der Elektrolyse sei dabei sehr gering – wie gering, könne noch nicht beziffert werden. In Form von Wasserstoff wird die übrige Energie in 30 Meter langen Röhren unter dem Parkplatz des Unternehmens zwischengespeichert und kann bei Bedarf im Blockheizkraftwerk (BHKW) verbrannt und in Wärmeenergie umgewandelt werden. Besonders in den Wintermonaten, wenn die PV-Anlagen weniger Leistung erbringen, müsse allerdings auch auf zugekauftes Erdgas zurückgegriffen werden. Im Kraftwerk könnten nämlich sowohl Wasserstoff als auch Gemische aus Erdgas verbrannt werden. Im Moment werde noch Erdgas verbrannt, das in einem Spitzenkessel gespeichert wird.
Die bei der Verbrennung entstehende Wärmeenergie wird in das Nahwärmenetz eingespeist. Das Unternehmen möchte zukünftig sowohl den Strom- als auch den Wärmebedarf eigenständig decken und damit ungefähr ein Drittel Co2 einsparen.
Eine Lösung für den Energieengpass in den Wintermonaten sei die Installation eines Windrads, dass dann zusätzlich bis zu 250 Kilowatt erzeugen könnte: „Der Vorteil ist, dass das Windrad auch in der Nacht läuft. Wir brauchen aber eine Genehmigung“, sagt der Geschäftsführer. Und der sehe er eher kritisch entgegen – auch, wenn das Unternehmen in einem Gewerbegebiet ansässig ist.
Kosten von 1,4 Millionen Euro
Insgesamt kostet die Umrüstung auf nachhaltige Energien das Unternehmen 1,4 Millionen Euro: „Fördergelder gibt es für das Projekt nicht.“
Dafür soll daraus ein Forschungsprojekt entstehen – die Umrüstung wird nämlich durch Studenten der Jade- Hochschule Oldenburg begleitet. In den Containern sind drei Elektrolyseure, erklärt der Geschäftsführer. Einer sei für die Energiespeicherung und die Versorgung am Standort – die anderen sind Forschungsplattform der Studierenden und Teil einer Langzeitstudie. Es gehe darum, die Effizienz zu erhöhen, denn momentan sei die Wasserstofftechnologie noch wenig rentabel und mit einem Energieverlust von ungefähr 30 Prozent verbunden.
Energie über den Eigenbetrieb hinaus werde am Standort Wiesmoor nicht erzeugt, dennoch sei das Projekt zukunftsweisend für andere Bereiche: „Uns geht es primär darum, unseren Standort grüner zu machen. Aber in Zukunft müssen besonders die Industrien umdenken und umstellen.“
Unternehmen baut mitam LNG-Terminal
Daher beteilige sich das Unternehmen bereits seit einigen Jahren an ähnlichen Projekten. Momentan arbeite Vorwerk mit am Bau des LNG-Terminals in Wilhelmshaven. In der Werkstatt werden die Leitungen dafür gebaut. Auch die Leitungen, die für die Speicherung des Wasserstoffs benötigt werden, werden in Wiesmoor in Eigenregie hergestellt. Das Unternehmen in Wiesmoor greift auf seine rund 600 Mitarbeiter zurück – das ist ein großer Vorteil, Fachkräfte seien nämlich teuer und würden fehlen.
Insgesamt beschäftigt das Unternehmen an den 15 Standorten mehr als 1800 Mitarbeiter. Sollten weitere große Projekte hinzukommen, müsse allerdings entweder auf Fachkräfte von anderen Unternehmen zurückgegriffen oder es müssten mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Bereits jetzt sei das Unternehmen ausgelastet. Denn es ist in vielen Bereichen der Energieumwandlung und des -transports beteiligt: „Wir bringen die Energie vom Erzeuger zum Verbraucher“, fasst Kleinfeldt zusammen. Neben den Pipelines stellt es nämlich Speichersysteme, Verdichterstationen und Umspannwerke her.
Zukünftig könnten auch die Elektrolysecontainer wie die auf dem Gelände der Wiesmoorer Firma auf den Markt gebracht werden.
