Wiesmoor - In Wiesmoor wird die Ausstellung „Echt Klasse!“ des Kieler Petze-Instituts, das sich gegen sexuelle Gewalt an Kindern einsetzt, gezeigt. Dritt- und Viertklässler der Stadt Wiesmoor werden dort mit dem Thema sexualisierte Gewalt konfrontiert und aufgeklärt. Wie die Schulleiterinnen zu der frühen Prävention stehen, haben wir nachgefragt.

„Das Thema sexuelle Gewalt liegt uns an der Ottermeerschule seit mehreren Jahren am Herzen. Wichtig ist, dass sexuelle Gewalt an Kindern mehr in die Öffentlichkeit gerät, enttabuisiert wird und Kinder möglichst früh gestärkt werden, dass sie das Recht haben „Nein“ zu sagen“, sagt Andrea Harms, Schulleiterin der Grundschule am Ottermeer.

Auch Anja Heeren, Schulleiterin der Grundschule Wiesmoor-Mitte, erachtet eine frühe Aufklärung als sinnvoll. „Kinder sollen zu jeder Zeit sicher vor körperlicher, verbaler und psychischer Gewalt sein. Deshalb ist es äußerst wichtig, mit den Kindern altersgerecht und sensibel über sexualisierte Gewalt zu sprechen. Notwendig ist es insbesondere, Kinder darin zu bestärken, ihre Gefühle ernst zu nehmen und auszudrücken“, sagt Heeren. Die Ausstellung „Echt Klasse!“ biete den Schülern die Möglichkeit, sich kindgerecht mit dem Thema zu beschäftigen. „Wir ermuntern die Kinder, sich bei Problemen vertrauensvoll und direkt an die Klassenlehrkraft oder die Schulsozialarbeiterin zu wenden“, erklärt Heeren.

Bettina Gruh, Schulleiterin der Grundschule am Fehnkanal in Hinrichsfehn, befürwortet ebenfalls eine frühe Prävention gegen sexualisierte Gewalt. Sie erzählt: „Es gibt immer wieder Momente im Schulalltag, in denen Kinder besondere Verhaltensweisen zeigen oder pädagogischem Personal Hinweise auf sexuelle Gewalt geben. Für uns ist es auch wichtig, dass wir dann sensibel reagieren und genau hinschauen“.

Unwahrscheinlich ist es zumindest nicht: Denn laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind/waren statistisch ein bis zwei Kinder in jeder Schulklasse in Deutschland Opfer von sexueller Gewalt, hauptsächlich außerhalb der Schule. Bettina Gruh befürwortet daher auch ein Schutzkonzept an Schulen und Kitas, wie es in anderen Ländern bereits Pflicht ist. „Ein Kinderschutzkonzept mit Handlungsstrategien zur Prävention vor sexueller Gewalt soll zeitnah an den Wiesmoorer Grundschulen entwickelt werden“, berichtet Heeren.

Katrin von Harten-Wübbena
Katrin von Harten-Wübbena Redaktion Wittmund