Südbrookmerland - Die Gemeinde Südbrookmerland muss 18 Kiebitz-Paare auf dem Gelände der geplanten Zentralklinik in Uthwerdum umsiedeln und für sie ein neues Zuhause schaffen. Die Kiebitze sind der Zentralklinik im Weg, die 2028 in Betrieb gehen soll. Für die Umsiedlung, deren Erfolg noch gar nicht absehbar ist, stehen Kosten von einer Million Euro im Raum. Während die Gemeinde Südbrookmerland die Umsiedlung vornimmt, muss die Trägergesellschaft die Kosten dafür tragen.
18 Kiebitz-Paare muss die Gemeinde Südbrookmerland von den Flächen für die Zentralklinik nach Engerhafe in die Meeden aussiedeln.
Vorbereiten muss die Gemeinde eine zweigeteilte Fläche zum Teil mit einem ein Meter hohen Wall. Mähfahrzeuge der Landwirte sollen noch auf dem Gelände fahren können. Sie sollen die Flächen auch mit Rindern beweiden.
Vernässt werden soll nur ein Teil der Flächen mit Wasser aus dem Punger Schloot sowie über Stauklappen im Hurner Meer. Überschüssiges Wasser wird in den Moordorf-Abelitz-Kanal abgeschieden.
Beobachten muss die Gemeinde die neuen Kiebitz-Kinderstuben und für ein sogenanntes Monitoring sorgen. Das beinhaltet eine eine regelmäßige Kontrolle des Wasserstandes auf den Flächen. Und auch die Zahl der später angesiedelten Brutpaare muss die Gemeinde dokumentieren.
Im Fachausschuss des Gemeinderates stellten Mitarbeiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Wasserwirtschaft, Küstenschutz und Natur (NLWKN) die Pläne vor, die ein Landschaftsarchitekturbüro erstellt hat.
Gemeindehaushalt ist angespannt
Damit es den Kiebitzen künftig genauso gut geht, wurde bereits eine 50 Hektar große Fläche in den Engerhafer Meeden ausgemacht, teilte Wilfried Müller, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters in der Verwaltung mit. Dort müssen die Kiebitze ein gemachtes Nest vorfinden. Deshalb muss die neue Kiebitz-Wohnung von der Gemeinde so gut eingerichtet werden, dass sie dort auch länger bleiben wollen. Doch das ist noch gar nicht sicher. Während die Gemeinde die Arbeit hat, übernimmt die Kosten der Umsiedlung zu Hundert Prozent die Trägergesellschaft. So ist es in einem Vertrag zwischen der Gemeinde und der Trägergesellschaft geregelt, erklärt auch deren Sprecherin Annika Weigelt.
Den Löwenanteil bezahlt die Klinik-Gesellschaft
Und auch bei der planerischen Vorbereitung bezahlt die Trägergesellschaft den Löwenanteil (70 Prozent), während die Gemeinde für die Erstellung eines Flächennutzungsplanes, eines Bebauungsplanes, eines Fachgutachtens sowie der Beauftragung eines Planungsbüros (30 Prozent) dabei ist. „Wer die Musik bestellt, muss auch dafür zahlen“, sagte Müller mit Blick auf die Klinik-Trägergesellschaft.
Kosten für Eingriffe in Natur bei der Zentralklinik
Und die Zeit drängt: Schon 2023 wird auf dem Gelände der späteren Zentralklinik das Baufeld hergerichtet. Im Vorfeld muss dort ein wichtiger Entwässerungsgraben umgelegt werden. Aber durchgeführt werden eben auch sogenannte CEF-Maßnahmen. Das sind gesetzlich geregelten Ausgleichsmaßnahmen für den Artenschutz. Die Abkürzung CEF steht für „continious ecological functionality“ und beschreibt auf englisch eine nachhaltige ökologische Funktionalität. „Die Kosten für die Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen hat die Trägergesellschaft bereits in ihren Kostenberechnungen berücksichtigt“, betont Sprecherin Annika Weigelt.
Zwei verschiedene Projekte in den Meeden
Nicht verwechselt werden darf nach Angaben der Kreisverwaltung die Umsiedlung der Kiebitze vom Klinik-Bauland mit einem anderen Projekt, das aktuell im Landkreis Aurich diskutiert wird. Die Umsiedlung der Kiebitze hat demnach nichts mit den umstrittenen Rodungen von Wäldchen für den Schutz von Wiesenvögeln am Linnlandsweg in Engerhafe zu tun. Das bestätigte auch Müller von der Südbrookmerlander Verwaltung. „Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe“, so Müller. Die neue Wohnstube für Kiebitze werde zwar in den Engerhafer Meeden, aber an einer ganz anderen Stelle eingerichtet.
Zentralklinik als Beispiel für andere Umwelt-Zerstörungen
Inzwischen hat die Bürgerinitiative für Landschafts- und Naturschutz (BiLANz) aus Aurich und Ihlow, die sich gegen den Bau einer neuen Bundesstraße von Aurich zur Autobahn wehrt, die Umsiedlung der Kiebitze in Südbrookmerland als Beispiel für befürchtete Umweltzerstörungen in den Ihlower Meeden angeführt. Dort müssten für den Bau der Bundesstraßen-Trasse zehnmal so große Ausgleichsflächen für den Vogelschutz hergerichtet werden, teilt BiLANZ-Vorsitzender Joachim Böttcher mit.
Auch in Varel/Bockhorn gab es Ausgleichsmaßnahmen, sprich Rodungen, für die Neuansiedlung von Kiebitzen. Das Projekt als Ausgleich für den Bau der A20 war in der Region sehr umstritten. Luftbilder zeigen das Ausmaß.
