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80. Geburtstag Regisseur Wolfgang Petersen drehte mit Filmgrößen in Hollywood

Werner Jürgens

Emden/Hollywood - Er drehte mit Dustin Hoffman, Harrison Ford und Clint Eastwood: Der gebürtige Emder Wolfgang Petersen hat es als Produzent und Regisseur in der Filmbranche ganz nach oben geschafft. Petersen wurde am 14. März 1941 im beschaulichen ostfriesischen Hafenstädtchen geboren. Während des Zweiten Weltkriegs wuchs Petersen allerdings in Mecklenburg auf.

Nach Kriegsende kehrte die Familie Petersen zurück und lebte in einer Barackensiedlung in unmittelbarer Nähe zur großen Seeschleuse am Emder Hafen. Die riesigen „Pötte“, die hier tagtäglich ein- und ausliefen, wurden zu einem prägenden Erlebnis für den kleinen Wolfgang, der sich später in seinem Filmen immer wieder auch maritimen Themen widmen sollte. Seine Leidenschaft für bewegte Bilder manifestierte sich während der Schulzeit in Hamburg, wo er ab 1950 wohnte. Bereits bei frühesten „Dreharbeiten“ mit einer Schmalfilmkamera hatte Petersen ein Faible für Action. Gemeinsam mit Freunden versuchte er kurze Krimi-Handlungen inklusive Verfolgungsjagden filmisch einzufangen. Beruflich zog es ihn aber zunächst in die Theaterwelt. Von 1960 bis 1964 war er Regieassistent am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater. 1965 begann er ein Theaterstudium, arbeitete nebenher als Schauspieler und inszenierte selber Stücke.

Prüfungsfilm: „Ich werde dich töten, Wolf“

Die Faszination für das Filmemachen ließ ihn jedoch nicht los. Als 1966 in Berlin eine Film- und Fernsehakademie eröffnet wurde, gehörte Petersen zu den ersten Kandidaten, die dort ein Studium absolvierten. Der Abschlussfilm „Ich werde dich töten, Wolf“ unterstrich eindrucksvoll die hohen Ambitionen des Jungregisseurs. Das packend inszenierte Drama um eine Frau, die ihren untreuen Freund ermorden will und sich auf der Zugfahrt in Rückblenden an die Vorgeschichte erinnert, sprengte den ursprünglich vorgegebenen Prüfungs-Zeitrahmen von zehn Minuten erheblich – letztlich dauerte der Film knapp eine Stunde. Die Fachwelt reagierte ebenso verblüfft wie begeistert – was buchstäblich Folgen hatte. Der Norddeutsche Rundfunk erkannte das Potenzial des Regie-Talents und engagierte Petersen für eine frisch aus der Taufe gehobene Krimi-Reihe namens „Tatort“.

„Tatort“-Debüt mit Kieler Kommissar Finke

Am 13. Juni 1971 feierte der von Klaus Schwarzkopf verkörperte Kieler Kommissar Finke sein Bildschirmdebüt. Die Resonanz auf den Sonntagskrimi war einhellig positiv. Petersen und sein Kommissar Finke durften in fünf weiteren „Tatort“-Episoden gemeinsame Sache machen. Obwohl inzwischen sämtliche dieser Folgen als TV-Klassiker gelten, ist eine von ihnen ganz besonders im kollektiven Gedächtnis der Fernsehnation haften geblieben. Die Rede ist von „Reifezeugnis“ mit einer bemerkenswert unbekümmert aufspielenden jungen Nastassja Kinski, die sich als Schülerin in einen Lehrer verliebt und aus Notwehr ihren Ex-Freund erschlägt. Allein die TV-Premiere am 27. März 1977 erlebte rund 25 Millionen Zuschauer, was der ARD einen selbst für damalige Verhältnisse sensationellen Marktanteil von 67 Prozent bescherte.

Nichtsdestotrotz genoss Petersen keineswegs uneingeschränkte Popularität. Speziell die gesellschaftskritischen Untertöne, die regelmäßig in seinen Filmen anklangen, behagten längst nicht allen Zeitgenossen. Für erhebliches Aufsehen sorgte in dem Zusammenhang 1973 der Fernsehfilm „Smog“. Das rein fiktive, allerdings in Form einer Pseudo-Dokumentation aufgezogene Szenario einer vermeintlichen Umweltkatastrophe im Ruhrgebiet wirkte dermaßen authentisch, dass beim verantwortlichen Sender Westdeutscher Rundfunk die Telefondrähte heiß glühten, weil reihenweise besorgte Zuschauer anriefen. „Smog“ wurde daraufhin mit dem renommierten europäischen TV- und Hörfunkpreis „Prix Italia“ und dem Berliner „Futura Silberpreis“ ausgezeichnet. 1974 erhielt Wolfgang Petersen den Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsregisseur. 1977 gelang ihm neben „Reifezeugnis“ mit „Die Konsequenz“ ein zweites Meisterwerk. Ungeachtet der Tatsache, dass der Bayerische Rundfunk die Erstausstrahlung boykottierte, indem er sich aus dem laufenden Programm der ARD ausklinkte, wurde die sensible Liebesgeschichte eines schwulen Pärchens mit dem „Adolf-Grimme-Preis“ geehrt.

„Das Boot“ – nominiert für sechs Oscars

Den Schritt hin zur großen Kinoleinwand hatte Petersen zu dem Zeitpunkt schon fest im Visier. Das gelang mit der Verfilmung des Bestseller-Romans „Das Boot“ – ein Mammut-Projekt über die Erlebnisse einer deutschen U-Boot-Besatzung im Zweiten Weltkrieg. „Das Boot“ stand nicht zuletzt dank seiner exzellenten Besetzung (Herbert Grönemeyer, Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge, Heinz Hoenig, Klaus Wennemann, Jan Fedder) bei der „Oscar“-Verleihung 1983 in sechs Kategorien auf der Vorschlagsliste. Petersen war als Regisseur und Verfasser des besten adaptierten Drehbuches zweimal nominiert. Zwar gingen er und sein Film gegen übermächtige Konkurrenten wie „Gandhi“ und „E.T. – Der Außerirdische“ am Ende leer aus. Aber der Weg war jetzt frei für eine große internationalen Karriere, zumal „Das Boot“ in den deutschen Kinos anfänglich kein ausgewiesener Kassenknüller war und erst 1985 nach seiner Ausstrahlung als TV-Mehrteiler die breite Anerkennung beim heimischen Publikum fand.

Unterdessen brachte Petersen mit „Die unendliche Geschichte“ nach dem gleichnamigen Buch von Michael Ende 1984 den bis dahin teuersten deutschen Kinofilm der Nachkriegsgeschichte auf die Leinwand. Das Budget betrug 50 Millionen D-Mark. Während „Die unendliche Geschichte“ in Deutschland gut lief und reichlich Auszeichnungen einheimste (u.a. „Bundesfilmpreis“, „Goldene Leinwand“, „Bayerischer Filmpreis“), blieb der mit aufwendigen Spezialeffekten gespickte Fantasy-Streifen in den USA zumindest hinsichtlich der Zuschauerzahlen hinter den Erwartungen zurück.

Gleiches galt in noch stärkerem Maße für das 1985 veröffentlichte Science-Fiction Epos „Enemy Mine – Geliebter Feind“. Auch die beiden hochkarätigen Hauptdarsteller Dennis Quaid und Louis Gossett jr. konnten nicht verhindern, dass das ambitionierte Werk lediglich einen Bruchteil seiner 40 Millionen Dollar Produktionskosten einspielte und obendrein fast nur miese Kritiken erntete.

Comeback für Clint Eastwood und Petersen

Petersen gab sich aber nicht geschlagen. Er verlegte seinen Wohnsitz nach Hollywood, um dort eine eigene Firma aufzubauen. Es soll dort Clint Eastwood gewesen sein – seit „Das Boot“ ein erklärter Petersen-Fan – der höchstpersönlich den gebürtigen Emder als Regisseur für „In the Line of Fire – Die zweite Chance“ ins Gespräch gebracht hat. Ganz so vielversprechend, wie die Konstellation aus heutiger Sicht klingt, war sie zu Beginn keineswegs. Eastwood hatte zwischen 1988 und 1990 ausnahmslos Kassenflops gedreht. Kaum ein etablierter Regisseur wagte es deshalb, den mittlerweile 60-Jährigen zu engagieren. Petersen schwamm wiederum gegen den Strom und unterstrich seine Risikobereitschaft, indem er nicht bloß Regie führte, sondern sich als Produzent zudem noch an der Finanzierung des Films beteiligte. Eastwood und Petersen nutzten ihre „zweite Chance“ und landeten einen der Überraschungserfolge der Saison. Die Geschichte um einen Agenten, der 1963 das Kennedy-Attentat miterlebt hat und 30 Jahre danach erneut mit einem Anschlag auf den US-Präsidenten konfrontiert wird, gilt als einer der besten Kinofilme des Jahres 1993. Der Streifen erhielt drei „Oscar“-Nominierungen, ging aber leer aus.

Filme mit Dustin Hoffman und Harrison Ford

Ungeachtet dessen war Wolfgang Petersen nun endgültig in die oberste Hollywood-Liga aufgestiegen. Bei seinen folgenden Projekten gaben sich die Superstars praktisch die Klinke in die Hand. Für den Katastrophen-Thriller „Outbreak – Lautlose Killer“ (1995) wurden Dustin Hoffman und Morgan Freeman verpflichtet. In „Air Force One“ (1997) verkörperte Harrison Ford den amerikanischen Präsidenten, der sich an Bord seines Flugzeugs gegen Entführer zur Wehr setzen muss. Aus der Luft führte der Weg anschließend zurück aufs Meer als Schauplatz. „The Perfect Storm – Der Sturm“ (2000) mit George Clooney und Mark Wahlberg in den Hauptrollen basiert auf einer wahren Begebenheit und handelt von einem Fischerboot, das auf dem Atlantik in ein Unwetter gerät. Vor allem die Stunt-Szenen und visuellen Effekte errangen zahllose internationale Auszeichnungen, wenngleich zwei „Oscar“-Nominierungen erneut der Erfolg versagt blieb.

„Troja“ spielte fast eine halbe Milliarde Euro ein

Rund vier Jahre später war Brad Pitt einer der Protagonisten des von Homers „Ilias“ inspirierten „Troja“, das mit einem Einspielergebnis von knapp einer halben Milliarde Dollar Petersens kommerziell erfolgreichstes Werk wurde. Seine vorläufig letzte Hollywood-Leinwandproduktion „Poseidon“ (2006) kam da zwar nicht mehr ganz heran, machte aber mit 180 Millionen Dollar ebenfalls noch einen recht ordentlichen Schnitt. Die gelungenen visuellen Effekte brachten 2007 einen weiteren Eintrag in die heiß begehrte Liste der „Academy Awards“. Insgesamt kommen die Filme von Wolfgang Petersen damit auf 15 „Oscar“-Nominierungen.

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