Bunde - Ein 22-jähriger Ritterhuder sitzt zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres auf der Anklagebank des Landgerichts Aurich. Wie schon im August vergangenen Jahres lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Einfuhr von Betäubungsmittel in nicht geringer Menge und Beihilfe zum Drogenhandel.
Erste Freiheitsstrafe im August erhalten
Schon im August 2022 war dem jungen Mann klar, dass seine Straftaten noch ein weiteres Nachspiel haben würden. Seinerzeit war er wegen der Einfuhr von fast 13 Kilo Kokain zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Außerdem ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.
Doch kein Deal
Die Anklagevorwürfe, die nun verhandelt werden, standen damals schon im Raum. Im Vorfeld hatte es Gespräche zwischen Verteidiger, Gericht und Staatsanwaltschaft gegeben, um eine Verständigung zu erreichen. Das Ziel des Verteidigers war es, dass die nun angeklagten vier weiteren Taten eingestellt werden. Doch einen Tag vor Prozessbeginn machte die Auricher Staatsanwaltschaft einen Rückzieher. Der Deal kam nicht zustande, so dass nun der zweite Prozess anstand.
Zweimal Marihuana geschmuggelt
Wie schon in der ersten Verhandlung legte der Ritterhuder auch diesmal durch seinen Verteidiger ein Geständnis ab. Er räumte ein, bei zwei Fahrten innerhalb von zwei Tagen Anfang Januar vergangenen Jahres jeweils rund acht Kilo Marihuana bei Bunde über die Grenze geschmuggelt zu haben. Sein Auftraggeber, dessen Namen der Angeklagte nicht preisgeben wollte, hatte ihm dafür einen Mercedes Transporter mit eingebautem Schmuggelversteck zur Verfügung gestellt.
Kokain nach Berlin gebracht
Rund zwei Wochen später fuhr der 22-Jährige zunächst nach Berlin, um dort fünf Kilo Drogen, darunter ein Kilo Kokain, in Empfang zu nehmen. Dann ging die Fahrt weiter nach Bremen, wo der Ritterhuder das Kokain ablieferte, dafür aber zwei Kilo Marihuana zulud. Diese Fuhre ging dann zum Erstaunen aller in die Niederlande. „Was ist das für eine Geschichte?“, fragte Richter Bastian Witte etwas verblüfft. „Das ist ja ein bisschen so, als würde man Holz in den Wald liefern.“ Der Verteidiger erklärte nach Rücksprache mit dem Mandanten, dass es sich quasi um eine Retour-Lieferung handelte. „Das war wohl schlechte Qualität, die an den Lieferanten zurückging“, so der Anwalt.
Letzte Kurierfahrt nach Bremen
Ende Januar erledigte der Angeklagte seinen letzten Kurierdienst. Diesmal ging es um sieben Kilo Drogen, die der 22-Jährige nach Bremen lieferte. Die Ermittler hatten zunächst angenommen, dass es sich dabei um Kokain handeln könnte. „Nach der Erinnerung des Mandanten war es aber Haschisch“, korrigierte der Verteidiger.
Probleme mit Glücksspiel und Drogen
Insgesamt, so gab der Angeklagte offenherzig zu, hatte er als Kurierlohn 6500 Euro erhalten. Mit dem Geld konnte er seinen „Leidenschaften“, wie der Anwalt es formulierte, nachgehen. „Er hatte Probleme mit Glücksspiel und Drogenkonsum“, erklärte der Verteidiger. Um diese „Leidenschaften“ in den Griff zu kriegen, hatte das Landgericht im ersten Prozess auch die Unterbringung im Maßregelvollzug angeordnet. Dort trat der Ritterhuder am 22. Dezember seine Therapie an. „Es läuft gut“, versicherte der Verteidiger. Doch die Fortführung der Therapie könnte nun in Gefahr sein, wenn eine längere Haftstrafe verhängt werden sollte. Dann droht ein Vorwegvollzug im Gefängnis.
