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Bürgerinitiative „Altstadtsanierung Leer“ Von Verkehrsführung bis Bausünden – sie gaben Kritikern eine Stimme

Andreas Unterberg
Andreas Martens (von links), Sprecher der früheren Bürgerinitiative, Marianne Voorwold und Friedrich Voorwold (Mitglieder der Bürgerinitiative) zeigen einen Nachbau der Ehrenplakette für Initiator Josefhermann Höcker.

Andreas Martens (von links), Sprecher der früheren Bürgerinitiative, Marianne Voorwold und Friedrich Voorwold (Mitglieder der Bürgerinitiative) zeigen einen Nachbau der Ehrenplakette für Initiator Josefhermann Höcker.

Andreas Unterberg

Leer - Wir befinden uns in der Stadt Leer der 1960er Jahre. Gesellschaftliche Veränderungen in den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs machten bauliche Maßnahmen notwendig und das erreichte auch bald die Bevölkerung. Nicht alle waren mit der neuen Entwicklung und den Plänen zufrieden, die man damals für die Stadt Leer hatte. Ein Vorkämpfer dieser „Unzufriedenen“ war Josefhermann Höcker, der damalige Vorsitzende des Leeraner Heimatvereins. Nach Plänen der übrig gebliebenen Mitglieder der damaligen Bürgerinitiative soll er bald Namensgeber für einen Weg Nahe des Leeraner Rathauses werden.

Arbeitskreis Heimatverein

1973 formierte sich um den Leeraner Josefhermann Höcker ein Arbeitskreis, der sich mit vielen Unternehmern und Anwohnern aus der Leeraner Altstadt Themen der Stadtsanierung widmete. „Mehr Autos brauchten breitere Straßen, dazu wurden umfassende Umstrukturierungsmaßnahmen geplant“, erinnert sich Andreas Martens, seinerzeit Sprecher der späteren Bürgerinitiative. Der Arbeitskreis arbeitete unterschiedliche Stellungnahmen zur geplanten Verkehrsführung aus und reichte sie bei der Stadt Leer ein. Geografisch ging es dabei vor allem um den Bereich vom Plytenberg über das Kirchenviertel bis hin zum Rathaus. Die Resonanz war allerdings verhalten. „Man hat uns quasi nicht beachtet und unsere Anliegen totgeschwiegen“, so Martens weiter.

Stärkere Stimme musste her

Als man schlussendlich den Bebauungsplan der Alten Marktstraße in Leer sah und auch schon mit Teilabrissen begonnen wurde, sah man sich zum dringenden Handeln gezwungen. Am 11. Juli 1973 gründete man in den Räumen des Leeraner Heimatmuseums die Bürgerinitiative „Altstadtsanierung Leer“. Ein harter Kern von zehn Personen, arbeitete gemeinsam mit 20 weiteren und der zunehmenden Unterstützung von Hunderten Leeranerinnen und Leeranern. „Unsere Protestmittel der Wahl waren Flugblätter, Plakate und Unterschriftenaktionen“, so Martens.

Unterstützung bekam die Bürgerinitiative beim Entwurf und Druck der Protestmittel vom Grafiker Uwe Hohnholz sowie dem Leeraner Druckerei-Unternehmer Albert Wehner. Jeder war willkommen. So waren die alteingesessen Leeraner genauso mit an Bord, wie junge Studenten der Hochschule Emden/Leer. „Wir haben auch gefeiert, und es ist eine tolle Gemeinschaft entstanden“, erinnert sich Marianne Voorwold, die gemeinsam mit ihrem Mann, dem Leeraner Unternehmer Friedrich Voorwold, Mitglied der Bürgerinitiative war. „Es war auch wichtig, dass die Bürgerinitiative überparteilich angelegt war. Das Parteibuch spielte keine Rolle“, sagt Friedrich Voorwold.

Der sogenannte „Kleemann-Bunker“ sollte sich ursprünglich optisch besser in die Mühlenstraße einfügen.

UMSTRITTENES BAUWERK IN LEER Wie der Kleemann-Bunker zu seinem Namen kam

Andreas Unterberg
Leer

Friedrich Voorwold und Andreas Martens liefen gemeinsam von Haus zu Haus und sammelten Unterschriften für die unterschiedlichen Anliegen der Bürgerinitiative. „Auch, wenn unsere Flugblätter immer etwas provokant waren, alle Beteiligten konnten sich hinterher doch immer noch die Hand geben“, so Martens.

Von der Westtangente bis zur Pferdemarktstraße

Der Bau des „Kleemann-Bunkers 1974, der Amtsgerichts-Anbau 1974, die Flächensanierung 1973 oder die Diskussionen um die Pferdemarktstraße 1976 waren nur einige der Themen, die die Bürgerinitiative beschäftigte. Insbesondere die geplante Westtangente 1973 brachte die Bürgerinitiative auf den Plan. Eine breite Straße von der Emsbrücke über den Ostersteg bis hin zum Bahnhof. Eine Hauptverkehrsader, die sich also mitten durch die gemütliche Altstadt fressen sollte. Für die Bürgerinitiative ein absolutes Unding. „Aus ihrer Sicht hat die Stadt Leer sicher nichts Schlechtes gewollt, aber dieses Bauprojekt musste verhindert werden“, so Martens. Mit Erfolg, die Straßenführung in der Altstadt ist nahezu unberührt geblieben. Stattdessen sehen wir mit der B436 einen Stadtring, der um die Stadt herumläuft und nicht mitten hindurch.

Eigener Weg für Josefhermann Höcker

Den Vertretern der früheren Bürgerinitiative ist es wichtig, sich nicht mit fremden Federn zu schmücken. Nachdem am Wohnhaus des Initiators der Bürgerinitiative, Josefhermann Höcker (1902 – 1977), eine Plakette angebracht wurde, soll nun auch ein kleiner Pfad in der Nähe des Rathauses nach ihm benannt werden. „Wir sind schon mit dem Leeraner Bürgermeister Claus-Peter Horst im Gespräch und hoffen auf eine gute Kooperation“, so Andreas Martens.

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