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Debatte um Nazi-Sympathisant Stadt Leer will Bavinkstraße nicht umbenennen

Die Bavinkstraße in Leer: Derzeit steht zur Diskussion, ob sie unbenannt wird oder nicht.

Die Bavinkstraße in Leer: Derzeit steht zur Diskussion, ob sie unbenannt wird oder nicht.

Anuschka Kramer

Leer - Die Bavinkstraße – es gibt wohl kaum eine Straße in Leer, die in den vergangenen Monaten so oft in die Schlagzeilen geraten ist wie sie. Die Straße ist nach dem in Leer geborenen Naturwissenschaftler Bernhard Bavink (1879 – 1947) benannt, was der Grund für die Diskussion ist.

Auslöser der Debatte

Doch der Reihe nach: Auslöser der Debatte war die Veröffentlichung des Buches „Vergiftetes Denken – Allianzen der stramm national gesinnten Männer vom Kaiserreich bis zum NS-Staat“, verfasst vom früheren Leeraner Bürgermeister Wolfgang Kellner. In dem Buch wird deutlich, dass der Naturphilosoph Bernhard Bavink der Rassenpolitik und der NSDAP sehr nahe stand und Schriften veröffentlichte, die inhaltlich die Euthanasie befürworteten. Rasch kam deshalb die Frage auf: Sollte Leer an dem Namen Bavinkstraße festhalten?

Auftrag ans Stadtarchiv

Schlussendlich wurde das Stadtarchiv von der Stadtverwaltung beauftragt, sich der Thematik anzunehmen. Archiv-Chef Jan Böttche recherchierte – und verfasste eine ausführliche Stellungnahme, die nun Grundlage für eine politische Entscheidung in der anstehenden Sitzung des Leeraner Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur sein soll. Sein Fazit: Bernhard Bavink ist als belastet anzusehen.

Blick auf andere Städte

Doch damit ist die Entscheidung in Sachen Bavinkstraße noch nicht gefallen, denn die Stadt wollte auch wissen: Wie gehen andere Kommunen mit belasteten Straßennamen um? Schließlich ist Leer nicht die einzige Stadt in ganz Deutschland, in der ein solches Thema im Raum steht. Das Ergebnis der Recherche: Es gibt keine allgemeine Handlungsempfehlung. Manche Kommunen entfernen die Schilder, andere nicht, und wieder andere hängen erläuternde Hinweistafeln zu den umstrittenen Namen auf.

Beispiel Hindenburg

Ein Beispiel dafür sind die Debatten um Hunderte von Straßen, Plätzen und Alleen, die in Deutschland nach Hindenburg benannt wurden. Er hatte 1933 Hitler politisch zur Macht verholfen, „gilt insoweit als der Steigbügelhalter der Nazidiktatur. Ob er die Folgen seines Tuns tatsächlich absehen konnte – darüber ist in Nachkriegsdeutschland viel spekuliert worden. Trotz der in zahlreichen Städten erfolgten intensiven Befassung hat sich dennoch keine einheitliche Verfahrenslinie zum Umgang mit dem Namen „Hindenburg“ herausgestellt“, stellte die Stadtverwaltung Leer in ihrer Vorlage zur Sitzung fest.

Fazit der Stadt

Und nun? Aus Sicht der Verwaltung ist Bavink zwar belastet – aber schwere Verstöße, die eindeutig für eine Umbenennung der Bavinkstraße sprechen, sind nicht zu bejahen, so das Fazit. Die Verwaltung favorisiert nun eine Auseinandersetzung mit Bernhard Bavink. „Anstatt umzubenennen und damit den Straßennamen sichtbar aus der Stadthistorie zu entfernen, sollte (zunächst) aufgeklärt werden“, empfehlen die Verantwortlichen. Gegebenenfalls wäre in diesem Kontext auch zu prüfen, ob möglicherweise weitere Straßennamen innerhalb der Stadt Leer bedenklich sind. Schlussendlich spricht sich die Stadt dafür aus, die Straße nicht umzubenennen. Allerdings soll eine Info-Tafel oder zumindest ein Hinweis mit einem QR-Code angebracht werden, um über Bavink zu informieren. Ob die Politik der Idee folgt, wird sich in der Sitzung am Donnerstag, 8. September, 17 Uhr, im Historischen Rathaus zeigen.

Anuschka Kramer
Anuschka Kramer Team Nord
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