Leer - „NAO“ ist ein höfliches Kerlchen. „Hallo Axel“ grüßt der kleine Roboter und lädt erst einmal zu einer kleinen Yoga-Runde ein. Spätestens mit „Nao“ haben Pia Maaß und Andrea Sope das Interesse geweckt für die Möglichkeiten des „MakerSpace“. Das ist der Raum, in dem der Digital Hub Ostfriesland in Leer die praktischen Möglichkeiten der Digitalisierung nahebringen will: in kleinen Betrieben, Schulen und auch in der eigenen Wohnung. „Wir sprechen alle an, die praktischen Bezug zum Digitalen haben“, erklärt Andrea Sope, Leiterin des Amtes für Digitalisierung und Wirtschaft bei der Kreisverwaltung. Der Kreis Leer hat die Regie über alle Standorte des Digital Hub in Ostfriesland. Das erklärte Ziel auf dem Weg zur Digitalisierung etwa in der Wirtschaft: „Wir versuchen, den Firmen Hilfestellung zu geben.“ Jener Digital Hub-Standort in Leer nahm im September 2022 seinen Betrieb auf.
Firmen und Organisationen fragen nach Beratung
Seither erfreue sich die Einrichtung regen Interesses, erklärt die Leiterin Pia Maaß. Kein Wunder, breitet sich die Digitalisierung doch immer weiter aus, so dass immer mehr Unternehmen und Institutionen diesen „Knotenpunkt für digitale Innovationen“ für Beratung nutzen. „Wir sprechen fast alle an“, umreißt sie den möglichen Nutzerkreis vom MakerSpace,
Kopfdrehen für die Kamera: Roboter „Nao“ und Pia Maaß im MakerSpace. Bild: Axel Pries
Zur praktischen Anschauung bietet der 100 Quadratmeter Raum als Herzstück des Digital Hub Leer viel digital gesteuerte Gerätschaft, deren Anschaffung zum Ausprobieren zu teuer wäre – oder im Budget etwa von Schulen nicht vorgesehen ist. Dazu zählen auch Lasergeräte zum Schneiden und Gravieren oder eine CNC-Fräse, wie sie in vielen Betrieben schon vorhanden sind. Eine Textilheizpresse zeigt digitale Wege der Stoffbearbeitung auf – unterstützt von vier analogen Nähmaschinen.
Mehrere 3D-Drucker zum Probieren
Den größten Raum aber nehmen die 3D-Drucker ein, die eine Seite des MakerSpace beanspruchen. Sie stellen nach digitalen Vorgaben alle beliebigen Formen aus verschiedenen Kunststoffen her. Solch eine Maschine hat mehr praktische Einsatzmöglichkeiten, als vielen bewusst ist, erklärt Pia Maaß. Selbst in manchen Haushalten seien 3D-Drucker heute zu finden. Zum Beispiel lassen sich damit Ersatzteile herstellen, die sonst schwer aufzutreiben wären. Eine Jugend-forscht-Gruppe aus Leer druckte mit dem „Ultimaker“ in einem Projekt alle 50 Bestandteile für ein selbst entwickeltes Mikroskop aus – außer den Linsen und der Elektronik.
Der Digital Hub Ostfriesland bietet am Mittwoch, 14. Juni, in der Gaswerkstraße 18 in Leer wieder einen öffentlichen 3D-Druck-Nachmittag an. Von 16 bis 19 Uhr kann man sich über 3D-Druck informieren oder eigene Projekte verwirklichen. Von 19 bis 21 Uhr wird außerdem in Kooperation mit der Volkshochschule Leer eine 3D-Druck Sprechstunde angeboten. Es können Probleme mit dem eigenen 3D-Drucker besprochen oder Fragen über die Anschaffung eines Druckers gestellt werden. Die Veranstaltungen sind kostenfrei, es wird lediglich Verbrauchsmaterial berechnet. Um Anmeldung wird gebeten. Weitere Informationen unter www.digital-hub-ostfriesland.de.
Über mangelndes Interesse braucht die Einrichtung sich nicht zu beklagen, meint Andrea Sope. Das beweise die Vielzahl an Besuchern: „Wir öffnen die Tür, und die Leute kommen.“ Vielleicht liegt das auch an den vier Robotern vom Schlage „Nao“, über die der Digital Hub verfügt. An ihnen kann Programmierung für verschiedene Bewegungen und Nutzungsmöglichkeiten erprobt werden. Das sei kein Spielzeug, erklärt Andrea Sope. Ein Roboter kostet rund 7000 Euro. Für das kann er auch ein bisschen selbsttätig sein. Als bei der Herstellung eines Fotos an Pia Maaß die Aufforderung ging: „Jetzt einmal zu mir schauen“, drehte „Nao“ den Kopf zuerst. Danach bewies er auch noch Eigensinn, indem er sich zu weiteren Kunststücken nicht mehr hinreißen ließ. Seine Chefin seufzt: „Das ist wohl der Vorführeffekt.“
