Leer - Die Ostfriesen sind im modernen Zeitalter angekommen. Darüber sind sich Leeraner Unternehmer aus der Digitalbranche einig. Doch es könnte noch besser sein. Darum steckten einige von ihnen am Donnerstag im Zollhaus ihre Köpfe zusammen und sprachen an einem runden Tisch über digitale Probleme und Herausforderungen, die es in den kommenden Jahren zu bewältigen gilt. Dazu eingeladen hatten die CDU-Politiker Gitta Connemann und Ulf Thiele. Sie holten sich außerdem Verstärkung aus dem niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung durch Staatssekretär Stefan Muhle. Dieser ist auf Landesebene dafür bekannt, digitale Themen zu forcieren.
Eines der zentralen Themen ist der Internet-Ausbau. Im Landkreis Leer sollen unterversorgte Gebiete noch dieses Jahr ans schnelle Internet angeschlossen werden, teilte der Landkreis auf Anfrage der Nordwest-Zeitung mit. Insgesamt 7.000 Adressen müssen dafür noch im gesamten Kreisgebiet an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Davon 6.000 private und 1.000 gewerbliche Adressen. Der sogenannte Breitbandausbau 2.0 kostet rund 82 Millionen Euro. Der Bund fördert mit 37 Millionen Euro, das Land Niedersachsen mit 15,5 Millionen Euro. Außerdem hat der Landkreis einen Eigenanteil von 4,8 Millionen Euro und die kreiseigenen Städte und Gemeinden von 4,7 Millionen Euro zu leisten. „Die Förderung wurde noch nicht abgerufen, da aktuell noch nicht gebaut wird“, so Landkreissprecher Philipp Koenen: „Der Bau beginnt voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres.“
Zurück an den runden Tisch: Leeraner Unternehmer wie Bernd Hillbrands, Vorsitzender des Softwarenetzwerk Leer, Hennig Kruse von der Marketing-Agentur „formvermittlung“ oder Jens Duin vom Beratungsunternehmen „S&F Datentechnik“ nahmen mit reger Beteiligung an der Diskussionsrunde teil. Die Christdemokraten konnten daraufhin Stellung beziehen. So lobte Hillbrands, dass in Leer bereits viele Angebote im Sinne der Digitalisierung zu finden sind. Beispiele dafür seien die Digitale Woche, die einmal im Jahr stattfindet, IT-Stammtische oder der „Digital Hub Ostfriesland“, wodurch Professoren der Hochschule Emden/Leer Kurse zu Themen wie IT-Sicherheit und Data-Science anbieten. Was fehle sei eine organisierte Vernetzung der einzelnen Anlaufstellen, da nicht auf den ersten Blick bekannt ist, welche Möglichkeiten Leer zu bieten habe.
Hennig Kruse vermisst vor allem junge Menschen, die sich noch zu wenig an den Angeboten beteiligen. „Man sieht leider immer wieder die gleichen Gesichter und oft sind es ältere Teilnehmer. Wenn wir junge Leute erreichen wollen, müssen wir ihre Sprache sprechen“, gab er den Politikern zu denken. Digitale Partnerschaften des Softwarenetzwerk Leer mit dem TGG und dem UEG in Leer seien ein guter Anfang. Aber die IT-Förderung in den Schulen wird aktuell noch zu wenig beachtet, betont Staatssekretär Stefan Muhle: „Es ist nicht zeitgemäß, dass nur einmal in der Woche Informatik in der zehnten Klasse unterrichtet wird. Es müsste ein ganzer Schultag genutzt werden, um Schüler auf die digitalen Anforderungen im weiteren Leben vorzubereiten.“ Der CDU-Politiker gewann einen Eindruck von der digitalen Struktur in Leer und nimmt die Anregungen der örtlichen Geschäftsleute mit nach Hannover.
