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Prozess in Aurich Von Drogenbesitz bis Stromklau – Leeraner Ex-Paar hat für alles eine Erklärung

Martina Ricken
Ein ehemaliges Ehepaar aus Leer muss sich wegen zahlreicher Delikte vor dem Landgericht Aurich verantworten.

Ein ehemaliges Ehepaar aus Leer muss sich wegen zahlreicher Delikte vor dem Landgericht Aurich verantworten.

dpa

Leer - Bewaffneter Drogenhandel ist der schwerwiegendste der Vorwürfe, die gegen einen 50-jährigen Leeraner und seine 54-jährige Ex-Frau vor dem Landgericht Aurich erhoben werden. Daneben geht es auch um Drogenbesitz, Entziehung elektrischer Energie sowie Diebstahl bzw. Hehlerei.

Der Angeklagte gab an, dass er selbst seit mehr als 20 Jahren von Heroin und Kokain abhängig ist. Um seinen eigenen Konsum zu finanzieren, habe er die harten Drogen auch verkauft, räumte er ein. Gegen Ende des Tatzeitraums, den die Staatsanwaltschaft von Oktober 2017 bis März 2019 eingrenzte, habe er selbst zwei bis drei Gramm Heroin sowie ein bis zwei Gramm Kokain täglich konsumiert.

Polizei findet Drogen, Waffen und viel Bargeld

Leugnen machte auch wenig Sinn angesichts der Funde, die die Polizei bei zwei Hausdurchsuchungen im Mai 2018 und März 2019 machte. Heroin, Kokain, Ecstasy, Amphetamin und Cannabis umfasste das Sortiment, das in seinem Zimmer entdeckt wurde. Außerdem konnten die Ermittler rund 15.000 Euro sicherstellen. Im selben Raum befanden sich auch die Waffen. Dazu gehörten zwei Schreckschusspistolen, ein als Taschenlampe getarnter Elektroschocker, Messer, ein Teleskopschlagstock und ein Baseballschläger.

Die Schusswaffen seien nicht sein Eigentum gewesen, gab der Leeraner an. Es sei möglich, dass Kunden sie als „Pfand“ hinterlassen hätten, weil sie ihre Drogenschulden nicht sofort hätten zahlen können, so der Angeklagte. „Ich habe sie nie benutzt“, betonte der 50-Jährige. Der Baseballschläger habe seiner Freundin gehört. An den Schlagstock konnte er sich nicht erinnern.

Ex-Frau umgeben von Drogenutensilien

Eine eindeutige Situation fand die Polizei auch im Zimmer seiner ebenfalls von harten Drogen abhängigen Ex-Frau vor. Sie saß auf dem Bett, um sich herum Drogenutensilien. In ihrer Handtasche befanden sich neben ihrer Geldbörse mit Personalausweis auch einige Briefchen mit Heroin sowie ein Messer. Mehr als 30 dieser Briefchen enthielt eine Plastikdose am Ende ihres Bettes. Im Regal lag eine Luftpistole. Dennoch behauptete die Leeranerin steif und fest, nicht mit Drogen gehandelt zu haben.

„Als wir in das Zimmer kamen, hat sie versucht, eine Konsumeinheit herunterzuschlucken, musste sie aber wieder auswürgen“, erinnerte sich ein Kriminalbeamter. „Ich wolle nicht entzügig werden“, lautete die Erklärung der Angeklagten. „Das zu schlucken ist doch gefährlich“, wunderte sich Richter Björn Raap angesichts dieser Behauptung.

Jede Menge Ausreden – Staatsanwalt glaubt kein Wort

Auch bezüglich der gefundenen Drogen hatte die Frau jede Menge Ausreden parat. Sie sei eine Woche in Hamburg gewesen und erst an jenem Morgen zurückgekehrt. Jeder hätte die Drogen in ihr Zimmer legen können. Erster Staatsanwalt Frank Lohmann machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Ich glaube Ihnen kein Wort“, sagte der Staatsanwalt. „Niemand versteckt im Zimmer einer Drogenabhängigen Drogen.“

Die Angeklagte versuchte es auf einer anderen Schiene. „Mir haben mein Mann und seine damalige Freundin übel mitgespielt“, behauptete die 54-Jährige. Die Drogen wären möglicherweise in ihrem Zimmer deponiert worden, um sie reinzureißen. Auch hier konnte sich der Staatsanwalt eine Bemerkung nicht verkneifen. „Dann hätte Ihr Mann ja wissen müssen, dass wir kommen und durchsuchen werden. Aber das konnte er nicht wissen.“

Strom abgedreht

Trotz des Drogenhandels und des gefunden Bargelds schien es den Angeklagten zeitweise finanziell so schlecht zu gehen, dass sie ihre Stromrechnungen nicht begleichen konnten und ihnen der Strom abgedreht wurde. Durch einen Bekannten wurde das Problem kurzerhand gelöst, indem eine Leitung zum Dachboden gezogen und die Leitung der Hausgemeinschaft angezapft wurde, gab der Angeklagte zu. Er bestritt hingegen, dass er ein Smartphone und ein Fahrrad gestohlen habe.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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