Ostfriesland - Bereits seit Wochen prasselt Regen im Dauerzustand auf Ostfriesland. Wiesen und Äcker sind durchgeweicht, Kühe mögen nicht mehr draußen sein und Landwirte betrachten das Wetter mit Sorge, denn es erschwert ihnen die Arbeit und hat Folgen für die Landwirtschaft. Doch ist 2023 – und vor allem der Herbst – einfach „nur“ ein besonders nasses Jahr oder steckt vielleicht sogar ein bestimmtes Wetterphänomen hinter dem Dauerregen? Die Erklärung hat der Deutsche Wetterdienst (DWD).
Viel Regen im Oktober
Wie Pressesprecher Frank Kahl im Gespräch mit unserer Redaktion sagte, stimmt die Einschätzung, dass dieses Jahr sehr nass ist. „Vor allem im Oktober hat es viel geregnet“, so der Wetterexperte. Doch was bedeutet „sehr nass“? Wie Kahl erklärte, ist bei den Messtationen in Dornum, Leer, Wittmund, Emden, Norderney und Friesoythe zwar Regen in unterschiedlicher Menge auf die Erde getroffen, allerdings wurde an allen Messorten das langjährige Mittel überschritten. Für die Region Ostfriesland liegt das langjährige Mittel bei einem Wert zwischen 740 und 860 Liter pro Jahr und Quadratmeter, erläuterte Kahl. Betrachtet man die einzelnen Messorte, ergibt sich üblicherweise etwa für Dornum ein langjähriges Mittel von 867 Litern pro Quadratmeter. In Leer sind es 738 Liter, in Wittmund 792, in Emden 788, auf Norderney 769 und in Friesoythe 756.
Das mag im ersten Moment nach einer großen Regenmenge klingen, doch die diesjährige Niederschlagsmenge drängt diese Zahlen beinahe schon ins Abseits. Denn Laut Frank Kahl sind bis gestern alleine in diesem Jahr schon 1125 Liter Regen pro Quadratmeter in Dornum vom Himmel gekommen, 892 Liter in Leer, 1084 Liter in Wittmund, 981 Liter in Emden, 799 Liter auf Norderney und 874 Liter waren es bis jetzt in Friesoythe. „Damit wurde alleine in Dornum das langjährige Mittel bereits um knapp 260 Liter überschritten“, so der Experte vom Deutschen Wetterdienst.
Keine besondere Wetterlage
Ein besonderes Wetterphänomen sei aber nicht der Auslöser für den auffälligen Dauerregen. „Das ist keine besondere Wetterlage. Es gibt immer mal Jahre die trockener oder nasser sind, als andere“, sagte Kahl. Als Beispiel nannte er 2018, was ein „Dürrejahr“ gewesen ist. Im Vergleich dazu, hat es alleine in diesem Oktober in Dornum an 28 Tagen geregnet und nur an drei Tagen war es trocken. „Der nasseste Tag war der 11. Oktober, da sind 41 Liter Regen gefallen“, so Kahl. In Leer hat es im Oktober nur an vier Tagen nicht geregnet und jetzt im November war es bislang an nur drei Tagen trocken in der Ledastadt. Bei einem Vergleich mit den Herbstmonaten in den vergangenen Jahren fällt auf, dass diese merkbar trockener waren. Im November 2022 gab es in Leer fünf trockene Tage am Stück und im November 2021 waren es insgesamt sieben Tage ohne Regen. „In 2020 war es nochmal trockener“, sagte Kahl im Gespräch.
Nun muss geschaut werden, wie sich der kommende Winter entwickelt. Die frostigen Temperaturen in den Morgenstunden machen zumindest Hoffnung auf einen kalten Dezember.
