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Bald gibt’s H-Gas Erdgasumstellung läuft – rund 7000 Heizungen im Kreis Leer bereits überprüft

Solche Brennerdüsen muss EWE Netz an den Gasgeräten häufig tauschen.

Solche Brennerdüsen muss EWE Netz an den Gasgeräten häufig tauschen.

Carsten Heidmann

Landkreis Leer - Das Thema Gasheizung ist eines, das derzeit viele Menschen im Kreis Leer umtreibt. Doch während die einen wohl eher über mögliche Neuanschaffungen nachdenken, läuft hier eine groß angelegte Heizungsumrüstung, denn es wird umgestellt: von L- auf H-Gas.

Was hat es mit der Gasumstellung auf sich ?

Seit langem, weit vor dem Ukraine-Krieg oder Habecks Heizungsplänen, ist aufgrund von Lieferveränderungen eine Umstellung von L- auf H–Gas geplant. Dafür müssen bestehende Heizungen mit einer kleinen Düse umgerüstet werden. In Ostfriesland übernimmt das in großen Teilen die EWE. Dabei ist es egal, ob der Haushalt, den die Service-Techniker aufsuchen, EWE-Kunde ist oder nicht.

Ist Gas nicht gleich Gas ?

Nein. In Deutschland gibt es zwei verschiedene Erdgasarten: L-Gas (Low calorific gas) hat einen geringeren Methangehalt und damit einen geringeren Brennwert beziehungsweise Energiegehalt als H-Gas (High calorific gas). Da die heimische L-Gas-Produktion und die L-Gas-Importe aus den Niederlanden zurückgehen, werden die Netze umgestellt und alle angeschlossenen Gasverbrauchsgeräte schrittweise und möglichst frühzeitig an die Versorgung mit H-Gas angepasst.

Muss ich die Monteure ins Haus lassen ?

Ja. Den Erfassern der Geräte und Monteuren muss Zutritt gewährt werden. Die Terminvereinbarungen erfolgen per Einschreiben und unter großen Sicherheitsvorkehrungen, damit sich keine Kriminelle als Trittbrettfahrer Zugang zu den Häusern verschaffen.

Was geschieht bei den Besuchen ?

Erst einmal geht es um einen Check, wie viele Geräte es vor Ort gibt, die mit Erdgas betrieben werden. Dazu zählen Heizungen, aber auch Herde oder erdgasbetriebene Waschmaschinen, Trockner oder Geschirrspüler. Dann klären die Monteure vor Ort, ob die Kundengeräte das H-Gas möglichst sauber und vor allem sicher verbrennen können.

Und wenn es Probleme gibt ?

„Falls wir für das Umrüsten der Kundengeräte Material benötigen, bestellen wir dieses Material derzeit für unsere Kunden. Bei einem zweiten Besuch werden die Kundengeräte dann mit dem Material umgerüstet. Die Herausforderung hier ist, dass es ca. 24.000 Varianten an Erdgasgeräten gibt – entsprechend komplex ist das Bestellen, Liefern und Installieren des Materials je Kunde/Gerät“, wusste Jens Witthus, Sprecher des Projekts Erdgasumstellung bei der EWE, zu berichten.

Und wie ist der aktuelle Umrüst-Stand im Kreis Leer ?

In der Region Uplengen, Detern, Filsum konnten laut Witthus bislang rund 7.000 Erdgasgeräte auf ihre Sicherheit überprüft und die Daten von den Geräte-Typenschildern in die Datenbank der EWE aufgenommen werden.

In welchem Zustand waren die Heizungen bisher ?

In einem guten bis sehr gutem Zustand, teilte Witthus mit. Einige Geräte waren zwar älter als 20 oder auch 25 Jahre, doch das sei kein grundsätzlichzes Problem für das Umrüsten auf H-Erdgas. „Entscheidend ist bei unserem Projekt, ob wir für das Umrüsten noch Original-Material erhalten können. Ein Beispiel aus der Praxis: Neulich konnte ich in Oltmannsfehn eine ältere Kundin individuell besuchen, deren Heizung ca. 44 Jahre alt ist. Sie hatte mich während einer Info-Veranstaltungen in Ockenhausen angesprochen und ihre Sorge mitgeteilt, dass ihre Heizung eventuell nicht mehr umrüstbar sein könnte, da es den Geräte-Hersteller heute nicht mehr gibt. Nach einer Prüfung konnte ich ihr mitteilen, dass sich ihre Heizung durch eine Geräte-Einstellung an das H-Erdgas anpassen lässt und das Gerät in einem guten Zustand ist“, berichtete Witthus. Es musste weder Material bestellt noch eine Wartung durch einen Fachbetrieb gefordert werden.

Was bedeutet all das für die Zukunft der Energieversorgung – insbesondere mit Blick auf LNG ?

Nahezu alle Erdgasgeräte, die das Unternehmen bei Privatkunden derzeit auf das H-Erdgas umrüstet, sollten anschließend auch das aus LNG gewonnene Erdgas zuverlässig verbrennen können.

Und wie geht es nun weiter ?

Ab Februar 2024 schaltet EWE Netz große Teile der Gemeinden Uplengen und Jümme auf das H-Gas um, dann geht es Schlag auf Schlag weiter. Dafür wurde Ostfriesland in Bezirke eingeteilt, die bis 2027 nacheinander auf das H-Gas umstellen werden. Auf der Website von EWE Netz kann abgefragt werden, wann die Umrüstung stattfindet. Dafür müssen die Adresse und die HandMarktlokations-ID, die auf der Energieabrechnung zu finden ist, eingegeben werden.

Gab es eigentlich schon Betrugsversuche ?

Nein. Bisher gaben sich keine Kriminellen als EWE-Monteure aus. Zudem stellte die EWE fest, dass ältere Kunden zunehmend Unterstützung durch den Nachbarn holen, „was wir sehr positiv finden“, so Witthus. Wer möchte, kann jetzt übrigens auch seine Handy-Nummer angeben und erhält nach der Terminvereinbarung dann einen Tag vorher noch eine Erinnerung per SMS.

Anuschka Kramer
Anuschka Kramer Team Nord
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