Weener - Die Nachricht, dass der Neubau der Friesenbrücke nun rund 75 Millionen Euro mehr kosten wird und sich die Gesamtausgaben auf mehr als 200 Millionen Euro belaufen werden, schlug in den Medien und sozialen Netzwerken hohe Wellen. Kein Wunder, die Verbindung über die Ems bei Weener ist eine wichtige – und die Dauerbaustelle sowie die ständig nach oben korrigierten Kosten vielen ein Dorn im Auge. Angesichts der 200 Millionen stellten sich aber auch Leser unserer Zeitung die Frage, wie es eigentlich um die Versicherungszahlungen des Verursacher steht. Schließlich rammte im Jahr 2015 ein Frachter die Brücke, was eben jenen hohen Schaden mit sich brachte, der nun einen Neubau bedingt.
Haftpflichtversicherung gedeckelt
Auf Nachfrage erklärte die Pressestelle der DB Netz AG dazu, dass man sich mit dem Haftpflichtversicherer des Reeders über einen Schadenersatz über mehere Millionen geeinigt hatte. Genau genommen, so geht es aus einer, dieser Zeitung vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von Linken-Abgeordneten zum Thema Friesenbrücke hervor, waren es 3,6 Millionen Euro und das Verfahren wurde dann auch abgeschlossen. Der Grund für die Summe war in der sogenannten Seehaftungsbeschränkung begründet. Diese war „zum Zeitpunkt des Schadensereignisses im Jahr 2015 die Haftung für ein Schiff mit der Bruttoraumzahl von 4.563 Tonnen auf umgerechnet ca. 3,9 Mio. Euro und zum Zeitpunkt des Vergleichsabschlusses auf ca. 3,8 Mio. Euro beschränkt“, so die Antwort der Bundesregierung im August 2021.
Der Abbau der Friesenbrücke, der im Sommer 2021 begann, ist mittlerweile gut vorangeschritten. Das neue Bauwerk wird 337 Meter lang und bekommt auf 145 Metern ein bewegliches Mittelteil mit einem Drehpfeiler auf Ihrhover Seite, um die Fahrrinne freizuhalten. „Das 1.800 Tonnen schwere Element lässt sich digital steuern und in wenigen Minuten um 90 Grad drehen. Seeschiffe oder Binnenschiffe mit hohem Aufbau erhalten durch diese Drehung eine ausreichende Durchfahrtsbreite; ein ergänzendes Leitwerk im Wasser sorgt für maximale Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden“, so die Pressestelle der Bahn. Auf der Friesenbrücke entsteht außerdem ein zweieinhalb Meter breiter Fuß- und Radweg.
Schrottwert noch unklar
Unklar ist noch, wie hoch der Schrottwert der Brücke insgesamt ist, der dann ja auch noch mal in die Gesamtkostenkalkulation einfließen wird. Soweit bekannt, wurden bis August 2021 in einer Schrottauktion der aushebbare Brückenteil für die Meyerüberführungen wohl 11.000 Euro erzielt. Wie es um die Einnahmen durch Versteigerungen oder direkte Verkäufe der anderen Brückenteile steht, ist unklar.
Die jetzige Kostensteigerung wird – wie berichtet – von der Bahn mit der aktuellen Preisentwicklung und den gestiegenen Material- und Personalkosten, den Aufschlägen für aktuelle Risiken aufgrund des Ukraine-Kriegs, gestörten Lieferketten und einem insgesamt begrenzten Wettbewerb begründet. „Wie die gesamte Wirtschaft bekommt auch die DB die Marktpreisentwicklung und Materialknappheit zu spüren. Die Preissteigerungen sind anhand der Angebote der bauausführenden Unternehmen klar erkennbar“, so die Pressestelle dazu.
Inbetriebnahme-Datum bleibt
Ab September soll ein genauer Zeitplan für den Baubeginn und -ablauf erarbeitet werden. Ziel bleibt, so teilte das Unternehmen weiter mit, unverändert die Inbetriebnahme der neuen Brücke zum Fahrplanwechsel 2024/2025. Das europaweite Vergabeverfahren für den Neubau der Brücke ist allerdings schon abgeschlossen. Die Arbeiten für den notwendigen Düker laufen bereits und die Bauleistungen für die Herstellung des neuen elektronischen Stellwerks im Bereich der Brücke wurden vergeben, hieß es.
