Leer - Als am Freitagabend Tausende Besucher auf dem Gallimarkt in Leer die Köpfe nach dem Lichterspektakel am nächtlichen Himmel reckten, da atmete ein Mann erleichtert auf: der Feuerwerker Marc Semmer, der die „Bomben“ abgeschossen hat. Das Feuerwerk konnte starten und hat funktioniert. Das war nämlich ein paar Stunden zuvor noch nicht sicher gewesen.
Da peitschte noch ein heftiger Wind den Regen über die Stadt und den Hafen, wo er zusammen mit seinen Mitarbeitern am Raiffeisenturm die Batterien für das große Feuerwerk aufgebaut hatte. „Der Regen ist nicht das Problem“, erklärt der 51-Jährige im Gespräch. Aber der Wind darf nicht zu stark sein. Was erlaubt ist, regelt das Gesetz: Bei neun Metern pro Sekunde müssen die Mörser, aus denen die Feuerwerksbomben verschossen werden, in Windrichtung angewinkelt sein, und ab 12 Meter pro Sekunde ist nur noch Bodenfeuerwerk erlaubt. Solche Regeln hat Marc Semmers im Kopf, denn er ist seit 1994 selbstständiger Profi in Sachen Feuerwerk – und hat dabei seine Erfüllung gefunden: als ausgebildeter Feuerwerker.
Der den Himmel zum Leuchten bringt: Feuerwerker Marc Semmer zeigt am Freitagabend vor der Batterie von Mörsern den Sender zum Zünden der Bomben - passend zum Sonnenuntergang. Bild: Axel Pries
Als kleiner Junge schon war er von Pyrotechnik fasziniert, erzählt er. „Da hängt einfach mein Herz dran.“ Gelernt hat er aber zunächst Chemikant und dann noch Maschinentechnik studiert, ehe er dem Ruf zu Raketen und Böllern folgte und in Langenwedel bei Bremen seine eigene Firma mit inzwischen elf Mitarbeitern gründete: das Semmer Feuerwerk. Damit ist er über die Jahre in Deutschland viel unterwegs gewesen: in Würzburg, Berlin oder auf Usedom bei Schützen- und Volksfesten oder Open-Air-Festivals. Oder auch bei kleineren Privatfeiern, Hochzeiten etwa. „Man kann das Feuerwerk buchen.“
Smileys, Herzen und Schlangen am Himmel
Dann schießt Marc Semmer in die Luft, was zum Anlass passt. Es gibt nämlich ganz unterschiedliche Motive: Smileys, Herzen oder Schlangen. Wobei die alle aus sogenannten Bomben kommen, die aus Mörsern abgeschossen werden. Raketen verwendet niemand mehr, erklärt er. Für die müssten viel zu große Sicherheitsabstände eingehalten werden. Die Kaliber, die er am Hafen in Leer aufbaut, sehen aber auch ehrfurchtgebietend aus: dicke Röhren ragen aus stählernen Haltegestellen, oben mit Plastikfolien abgedichtet, während an den Seiten dünne Drähte herausragen. Die gehören zum Zündmechanismus, und der funktioniert elektrisch. Das geht so: Jede Batterie ist mit Drähten an einen Empfänger angeschlossen, der die Bomben je nach Voreinstellung zündet. Den Befehl dazu bekommt der Empfänger von einem Sender: ein relativ unscheinbares Gerät, das der Feuerwerker in der Hand hält.
Die Zündkabel einer Mörserbatterie laufen in einem Empfänger zusammen, der das Sendesignale zum Zünden bekommt. Bild: Axel Pries
400 Kugel- und Zylinderbomben in Leer
Darauf befinden sich wenige Knöpfe. „Step by step“, so erklärt Marc Semmer, feuert er dann mit jedem Knopfdruck die nächste Batterie ab. In Leer waren es insgesamt gut 400 Kugel- und Zylinderbomben, mit denen die Mörser gestopft waren. In 80 bis 160 Metern Höhe brachten sie den Himmel zum Leuchten und die Besucher Staunen – der Gelassenheit des Feuerwerkers sei Dank.
Gegen 19 Uhr ging nämlich noch nichts, weil der Wind den Regen waagerecht pustete. Aber Marc Semmer blieb ruhig: „Meist flaut der Wind noch ab.“ Er wolle in zwei Stunden noch einmal messen – und sollte Recht behalten. Um 22 Uhr wurde der Nachthimmel zur Bühne für die Lichtershow.
