Leer - Die Nachricht sorgte für Aufregung beim Gallimarkt in Leer: Eine unbekannte Tierschützerin meldete sich mit dem Vorwurf zu Wort, dass es auf dem Galliviehmarkt Fälle von Rinderflechte gegeben habe, die beim Streicheln auch auf Menschen übergehen könne. Zoonosen wie die Rinderflechte sind Infektionskrankheiten, die von Bakterien, Parasiten, Pilzen, Prionen oder Viren verursacht und zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Auch seien Tiere unterernährt und verdreckt gewesen. Doch das Veterinäramt des Landkreises, das das Wohlergehen der Tiere überwachte, widerspricht diesen Vorwürfen in einer ausführlichen Stellungnahme.
Nicht mehr Infektiös
„Es wurde keine Zoonose festgestellt“, heißt es darin. „Wohl gab es ein paar Tiere, die von Rinderflechte befallen waren, aber in diesen Fällen heilte die Flechte bereits ab und war nicht mehr infektiös. Es bestand also keine Ansteckungsgefahr.“ Während der Heilungsphase könne es im Fell der Tiere aber immer noch ein paar kahle Stellen geben, weil es nach einer Flechte ein bisschen dauert, bis das Fell nachwächst. Auch habe es keine Fälle von Atemwegserkrankungen bei den Kälbern gegeben, wie die Tierschützerin behauptete. Die Kälber seien sogenannte Fresser, sie kommen von den Weiden und standen nun auf Stroh, welches frisch eingestreut wurde. „Die Tiere toben anfänglich im weichen Stroh herum und es kann etwas Staub aufgewirbelt werden, was dann auch dazu führen kann, dass das ein oder andere Kalb einmal hustet. Alle Rinder waren jedoch wohlauf, ohne Fieber und mit gutem Appetit.“
Auch dem Vorwurf, die Tiere hätten zu wenig Platz und kein Wasser gehabt, widerspricht der Landkreis. „Bei zwei Rindern wurde eine lange Anbindung, als Ausnahme, genehmigt, da die Tiere lange Hörner hatten und sich gegenseitig hätten verletzen können; diese Anbindung ermöglichte den Tieren, sich bequem im Stroh ablegen zu können sowie Zugang zu Heu und Wasser.“
Im Gegensatz zu den Rindern habe es auch in diesem Jahr bei den Kleintieren Auffälligkeiten gegeben, teilt der Landkreis mit und stellt fest: „Diese Probleme konnten zwar zügig gelöst werden, sollen aber in Zukunft mehr geahndet als nur verwarnt werden.“ Die Kleintierbörsenleitlinien seien bekannt und es werde in jedem Jahr darauf hingewiesen, sich wie die Viehhändler an die Vorschriften im Bereich des Tierschutzes und der Tierseuchenprophylaxe zu halten.
Bis zu vier Veterinäre
Entgegen dem Vorwurf, dass nur ein Veterinär vor Ort gewesen sei, seien tatsächlich an beiden Tagen mehrere Veterinäre auf dem Galliviehmarkt im Einsatz gewesen: am Dienstagvormittag drei, am Dienstagnachmittag vier; am Mittwoch bis zum Abtrieb vier. Darüber hinaus waren noch sechs weitere Mitarbeiter vom Veterinäramt vor Ort, die Papiere geprüft und diesbezügliche Kontrollen vorgenommen hätten.
