Leer - Über 70 Jahre ist es her, dass die Leeraner Stadtverwaltung einen Platz zur Verfügung gestellt hat, wo sich deutsche Sinti, die den Nationalsozialismus und seine Konzentrationslager überlebt haben, ansiedeln konnten. Diese erste geduldete Ansiedlung von überlebenden deutschen Sinti nach der Befreiung der Lager befand sich an der Ecke Wendekamp/Olthaver Straße in Leer. Dort ist nun am 7. September ein Findling mit Infotafel platziert und enthüllt worden, der zum Gedenken an die Geschehnisse und zur Erinnerung an die historische Bedeutung des Ortes für die Stadt Leer anregen soll.
Zahlreiche Gäste nahmen an der Enthüllung des Gedenksteins teil, darunter auch viele interessierte Bürger. Auch die Niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg war vor Ort, die sich für die große Teilnahme bedankte und betonte, dass dies die starke Verbundenheit in der Stadt Leer zeige. Sie verdeutlichte in ihrem Redebeitrag, dass zahlreiche Städte früher viel Energie dafür genutzt haben, den überlebenden Sinti keine Obhut zu gewähren, sondern sie zu vertreiben. „Leer hat die Sinti aber geduldet und damit eine Vorreiterrolle eingenommen“, so die Ministerin.
Zahlreiche Redebeiträge bei Enthüllung
Mehrere weitere Redebeiträge waren bei dem kleinen Festakt zur Enthüllung des Gedenksteins zu hören. Unter anderem von André Raatzsch vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, von Bürgermeister Claus-Peter Horst, Landrat Matthias Groote oder auch Leers Stadtpastor Ralph Knöfler. Raatzsch bedankte sich für den Gedenkstein und betonte, dass er sich wünscht, dass alle Beteiligten im kommenden Jahr wieder zusammenkommen können, um den Sinti und der Ansiedlung in Leer zu Gedenken.
Gedenkstein steht für Toleranz und Respekt
Groote sagte in seiner Rede derweil, dass die Gesellschaft für die Werte Erinnerung, Toleranz und Respekt stehe und der Gedenkstein an diese Werte erinnern solle. Auch er hofft, dass die Erinnerung an die erste geduldete Sinti-Ansiedlung in Leer lebendig gehalten wird. Und Bürgermeister Horst betonte, dass die Ansiedlung einen Wendepunkt in der Stadtgeschichte darstellte und ein Zeichen für einen Neuanfang war. „Man muss mutig sein und sich für eine inklusive Gesellschaft einsetzen“, sagte das Stadtoberhaupt.
Im Anschluss an die Enthüllung des Gedenksteins hatten alle Teilnehmer noch die Gelegenheit, Rosen niederzulegen.
Viele Rosen sind beim frisch enthüllten Gedenkstein niedergelegt worden. Bild: Hoffmeier
