Ostfriesland - Die Droge Methylendioxypyrovaleron (MDPV) – „Flex“ genannt – breitet sich stark in Niedersachsen aus. Und soll es in sich haben. Wie bereits der NDR berichtete, soll „Flex“ extrem abhängig machen und einen noch höheren Suchtdruck als Heroin, Kokain oder Crystal Meth verursachen. Konsumenten können zudem mitunter einen Herzinfarkt oder ein tödliches Nierenversagen erleiden, heißt es weiter.
Wenn diese Droge in Niedersachsen auf dem Vormarsch ist, wird es sicherlich nicht mehr lange dauern, bis auch die ersten Fälle in Ostfriesland bekannt werden. Oder ist „Flex“ vielleicht sogar schon in der Region angekommen? Wir haben mit Experten der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention (DROBS) in Leer, der Staatsanwaltschaft in Aurich und den Polizeiinspektionen Leer/Emden und Aurich/Wittmund gesprochen. Dabei wurde auch deutlich, dass es noch ein anderes Problem gibt, dass den Fachstellen für Sucht Sorge bereitet.
Mortalitätsrate hoch
Wie Ingolf Majuntke, Diplom Sozialarbeiter/ -pädagoge und Mitarbeiter der DROBS Leer, auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, sind bis jetzt noch keine „Flex“-Konsumenten bei den ostfriesischen DROBSen bekannt. Allerdings wisse er von Kollegen in Göttingen, Braunschweig und Goslar, dass es dort eine steigende Zahl von jungen Menschen gibt, die diese Droge konsumieren. Auch die Mortalitätsrate sei „auffällig hoch“, so Majuntke.
Synthetisch hergestellt
Seitens der Polizeiinspektion (PI) Aurich/Wittmund und auch der Staatsanwaltschaft Aurich hieß es derweil auf Nachfrage, dass bislang noch keine Fälle im Zusammenhang mit „Flex“ verzeichnet wurden. In ein ähnliches Horn stößt auch die PI Leer/Emden, wo es heißt, dass den Beamten „Flex“ durchaus ein Begriff sei. Allerdings ist die Droge in den Ermittlungen der PI Leer/Emden noch nicht aufgetaucht, erklärte Pressesprecherin Svenia Temmen. Sie erklärte, dass „Flex“ synthetisch hergestellt wird und daher vergleichsweise günstig ist. Darüber hinaus warnt auch sie vor den Auswirkungen der Droge: „Der Wirkstoff MDPV hat spürbare Effekte und löst sehr starkes Suchtverhalten aus. Bei Einnahme ist erhöhter Herzschlag und Blutdruck erkennbar. Die Gefahr von starker Paranoia und erhöhten Wachphasen ist die Folge der Einnahme. Es gibt noch weitere gefährliche Folgen bis hin zu schweren Erkrankungen.“
Wie Majuntke ferner gegenüber unserer Redaktion berichtete, gibt es aktuell ein Thema, dass die Fachstellen für Sucht in Ostfriesland mehr beschäftigt, als die Zunahme des „Flex“-Konsums in Niedersachsen. Und das sei die in der Region stark angestiegene Fallzahl von Medikamentenabhängigkeiten bei Jugendlichen. „Diese kommen jetzt bereits im Alter von 13 bis 16 Jahren mit einer ausgeprägten Abhängigkeit und allen sich daraus entwickelnden gesundheitlichen und sozialen Problemen“, sagte Majuntke. Das würde für die Fachstelle einen enormen Arbeitsaufwand bedeuten, insbesondere deshalb, weil Entgiftungsplätze und Therapieangebote für minderjährige Menschen fehlen würden. „Ein Beratungssetting wird der fortgeschrittenen Ausprägung der Suchterkrankungen einer immer größer werden Gruppe junger Menschen nicht mehr gerecht. Was uns derzeit immer häufiger fehlt, sind Plätze für Akutbehandlungen und Entwöhnungsbehandlungen für teils sehr junge Menschen.“
