Rhauderfehn - Am Albrecht-Weinberg-Gymnasium in Rhauderfehn rumort es, seit Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs gegen die Bedingungen protestieren, unter denen sie das Abitur anstreben sollen. Die Jugendlichen wandten sich mit einem „Hilferuf“ an die Schulleitung, an das Landesschulamt, Politiker und die Öffentlichkeit. Kern des Protestes: Die versprochene Fächerauswahl sei plötzlich arg geschrumpft, und sie fühlten sich von der Schulleitung getäuscht. Auch bleibe eine Lehrerin weit hinter den Lehrplänen zurück, aber mit der Beschwerde habe man sich erst an die Schulbehörde wenden müssen, ehe etwas passiert.
„Uns ist im letzten Schuljahr bei der Wahl der potenziellen Abi-Fächer ein Konzept vorgestellt worden, mit welchen Fächern wir das Abi erreichen können“, wird in einer E-Mail an die Redaktion das Problem der Schülerschaft erklärt. Der Autor oder die Autorin bleibt aber auch auf Nachfrage anonym – nach eigener Darstellung aus Angst vor den möglichen Folgen.
Schüler wählten Sporttheorie und Informatik
Es betreffe die Schülerinnen und Schüler besonders, „dass jetzt einige Fächer wegfallen und wir uns das Abi nicht so gestalten können, wie es uns noch im Frühjahr angeboten worden ist, wie wir es ja erst vor einigen Monaten nach den Sommerferien schulisch begonnen haben, aufzubauen“, heißt es in der Protestnote der jungen Leute weiter. Einige Mitschüler hätten auch die neuen Fächer Sporttheorie und Informatik gewählt.
Aber jetzt habe die Schule erklärt, dass es diese Fächer nicht geben werde, weil es nicht ausreichend Fachlehrer geben werde. Die Mitschüler des Jahrgangs 11 hätten das Problem, so wörtlich, „dass sie ihre Fächerzusammenstellung, die ihnen vor einigen Monaten noch als Anreiz, das Abitur in Rhauderfehn zu erwerben, angeboten worden ist, nur noch bis maximal zum Januar 2024 aufrechterhalten können.“ Ab Februar müssten sie zum Teil ganz neue Fächer wählen, die sich im Jahr zuvor bewusst nicht gewählt hätten – als die Entscheidung anstand, in Rhauderfehn weiterzumachen oder eine Schule in Leer oder Papenburg zu wählen.
Verdacht: Bewerbungen wurden abgelehnt
Konkret betroffen sei zunächst das Fach Informatik, dessen Lehrkraft mitten im Schuljahr aufgehört habe. Es habe nach Aussage von Lehrern Bewerbungen von möglichen Nachfolgern gegeben, aber die Schulleitung habe alle Bewerbungen abgelehnt. Informatik falle somit als Leistungs- und Grundkurs aus den Planungen.
Weitere Streichungen der Möglichkeiten nach Angaben der Schüler: Das Fach Sporttheorie werde wohl weiter angeboten, aber Sportlehrer hätten durchblicken lassen, dass es fürs Abi nicht mehr als Prüfungsfach Grundkurs genommen werden kann. Nur verbal sei mitgeteilt worden, dass auch das Fach Darstellendes Spiel nicht mehr in der Liste zur Verfügung stehe. Zusätzlich werde auch das Fach Erdkunde nicht mehr angeboten. Es herrscht Frust: „Dementsprechend haben wir das Problem, dass wir unsere Leistungskurse aus drei Fächern weniger zusammenstellen müssen, und einige von uns bereuen echt, nicht die Schule gewechselt zu haben.“
„Dies ist ein normaler schulinterner Vorgang“
Das Landesschulamt bestätigt auf Nachfrage: „Bezüglich der Beschwerden von Schülerinnen und Schülern des Physik-LK gegenüber einer Lehrkraft wurde die zuständige schulfachliche Dezernentin des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung (RLSB) Osnabrück nach den Herbstferien von der Schulleiterin informiert.“ Die Schulleiterin habe das Gespräch mit der Lehrkraft gesucht und sie beraten. „Dies ist ein normaler schulinterner Vorgang“, über den das Amt informiert worden sei, heißt es in einer Stellungnahme. Die Lehrkraft sei derzeit nicht im Dienst, aber eine Freistellung könne nicht bestätigt werden.
Zugleich wehrt das Landesschulamt die Vorwürfe der Schüler ab. Es sei „durchaus Usus, dass nicht der gesamte Fächerkanon als Prüfungsfächer in beliebiger Kombination zur Verfügung stehen kann“, schreibt die Pressesprecherin Mareike Wellmeier. Dies sei in einer Informations-E-Mail auch so kommuniziert worden. Zitat: „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Vorwahl noch nicht verbindlich ist! Die definitive und verbindliche Kurswahl findet erst im kommenden Frühjahr statt.“ Dass nur bei einer ausreichenden „Anwahl-Zahl“ Prüfungsfächer eingerichtet werden können, sei normal. Dies führe immer mal wieder dazu, dass „einzelne Schülerinnen/Schüler nach Jahrgang 10 oder 11 an eines der Leeraner Gymnasien wechseln“. Die Schulleitung verweist auf Nachfrage lediglich auf das Landesschulamt.
