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Betriebe in Ostfriesland Energiekrise schafft im Handwerk viele Verlierer – und keine Gewinner

Von der Energiekrise mit am stärksten belastet: Kfz-Betriebe in Ostfriesland.

Von der Energiekrise mit am stärksten belastet: Kfz-Betriebe in Ostfriesland.

dpa-Symbolbild

Ostfriesland - Die Fleischerei Leggedör aus Weener im Landkreis Leer wollte es genau wissen und hatte sich von einem Beratungsbüro die Strom- und Gaskosten fürs kommende Jahr berechnen lassen. Das Ergebnis: mehr als 110.000 Euro Mehrkosten – für einen einfachen Handwerksbetrieb mit gut 30 Mitarbeitern. Ein Schock für die Inhaber, und einer, der zu einem eindringlichen, viral gehenden Facebook-Appell an die Bundespolitik führte.

Steigende Preise

Doch die Fleischerei ist nicht der einzige Betrieb in Ostfriesland, der fürchtet, von den steigenden Energiepreisen in die Knie gezwungen zu werden. Es ist die „größte Katastrophe meiner Geschichte“, sagte auch Lars Grünhoff aus Norden im Landkreis Aurich, Inhaber und Geschäftsführer der Bäckerei-Kette Grünhoff sowie stellvertretender Obermeister der Bäcker-Innung Ostfriesland, erst vor wenigen Tagen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Einige Branchen stark belastet

Und all die anderen? Wie geht es den Handwerkern in Emden und den Landkreisen Wittmund, Leer und Aurich? Wir wollten es genau wissen und haben bei der Handwerkskammer nachgefragt. Dort erfuhren wir, dass die regionalen Betriebe in Sorge sind. Vor allem Friseure, Metall- und Feinwerkbetriebe, Bäckereien, Textilreinigungen, Fleischereien und Kfz-Betriebe sind „mit am stärksten von den hohen Kosten belastet“, wusste Pressesprecherin Jacqueline Stöppel auf Nachfrage zu berichten. Und: „Wir haben Rückmeldungen erhalten, dass größere Investitionen innerhalb der Betriebe derzeit vermieden werden.“

Beratung möglich

Wer Unterstützung sucht, findet sie bei der Handwerkskammer in Form von Beratungen. „Das bedeutet, wir können beispielsweise dazu informieren, mit welchen Maßnahmen sich kurzfristig und unkompliziert Energie einsparen lässt. Darüber hinaus informieren wir unsere Betriebe regelmäßig über mögliche finanzielle Hilfsprogramme (sofern vorhanden) und stehen auch bei der Antragstellung beratend zur Seite“, so Stöppel.

Gibt es Gewinner?

Wirkliche Gewinner der Energiekrise auf Seiten des Handwerks wird es aus Sicht der Kammer kaum geben. „Natürlich ist die Nachfrage der Verbraucher im Bereich der erneuerbaren Energien signifikant gestiegen. Durch die Unterbrechung der Lieferketten können unsere Betriebe dieser aktuell jedoch kaum gerecht werden“, sagt die Pressesprecherin.

Umfrage unter den Betrieben

Allein stehen die Ostfriesen mit ihren Sorgen nicht. Gemeinsam mit den Handwerkskammern und den Fachverbänden des Handwerks hatte der Zentralverband des Deutschen Handwerks eine Umfrage zu den Auswirkungen der andauernden geopolitischen Krisensituation gestartet, und zwar vom 31. August bis 7. September. Insgesamt beteiligten sich deutschlandweit 4.195 Betriebe. Das Ergebnis: Eine deutliche Mehrheit (60 Prozent) von ihnen ist von Umsatzausfällen, die direkt oder indirekt auf den Ukraine-Krieg zurückzuführen sind, betroffen. 39 Prozent sind noch verschont. Der vorherrschende Grund für die Umsatzrückgänge wird auf die zunehmende Kaufzurückhaltung der Konsumenten zurückgeführt. Hinzu kommen unter anderem Auftragsstornierungen infolge der gestiegenen Beschaffungs- und Energiekosten und schlussendlich die steigenden Energiekosten. Besonders hoch fallen diese in den Lebensmittel- und den Kfz-Handwerken aus.

Appell an den Bund

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, hatte jüngst angesichts der Lage Staatshilfen für das Handwerk gefordert und vor einer Pleitewelle gewarnt. Ein eindringlicher Appell, dem sich die Handwerkskammer Ostfriesland anschließt.

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