Ostfriesland - Der Immobilienmarkt in Ostfriesland – in kaum einem Jahr hat er in der Vergangenheit wohl ein solches Auf und Ab erlebt wie in 2022. Während die Corona-Pandemie 2020, 2021 und auch noch Anfang 2022 wie ein Brandbeschleuniger wirkte und Verkaufszahlen wie Preisen unerbittlich nach oben trieb, sorgten im zweiten Halbjahr 2022 gleich mehrere Faktoren für ein Abflauen. Dazu zählt die Unsicherheit aufgrund des Ukraine-Kriegs, steigende Inflation und Zinsen sowie die explodierenden Baukosten. Das spiegelt auch die Auswertung des Gutachterausschusses für Grundstückswerte Aurich wider, zuständig für die kreisfreien Städte Emden und Wilhelmshaven sowie für die Landkreise Aurich, Friesland, Leer und Wittmund.
Für das Berichtsjahr 2022 stellten die Experten hier fest, dass rund elf Prozent weniger Verträge abgeschlossen wurden und viel weniger Fläche den Besitzer wechselte. Am Umsatz änderte all das jedoch nichts: 2,927 Milliarden sorgten für ein Plus von vier Prozent.
Dabei sind die Zahlen in Ostfriesland recht unterschiedlich: Während im Landkreis Aurich eine Zunahme der Vertragszahlen über Wohnbauplätze zu verzeichnen war (+25 Prozent), nahmen diese in den übrigen Landkreisen wie Leer (-44 Prozent) und Wittmund (-69 Prozent) sowie in der kreisfreien Stadt Emden (-84 Prozent) deutlich ab. Die Preise der Baugrundstücke waren hingegen im Mittel um 7 Prozent gestiegen.
Was den Hausverkauf betrifft: Im Landkreis Aurich wurden 1461 (-9 Prozent), im Landkreis Leer 1211 (-14 Prozent), im Landkreis Wittmund 364 (-24 Prozent) und in der Stadt Emden 176 (-13 Prozent) Ein- und Zweifamilienhäuser veräußert. Der übliche Kaufpreis für ein durchschnittliches Einfamilienhaus aus der Baujahrsspanne 1978 bis 1990 lag dabei zwischen 280.000 Euro im ländlichen Bereich und 360.000 Euro in den Städten.
Und die Preise waren übers Jahr sehr schwankend: Von Mitte 2021 bis Mitte 2022 stieg das Preisniveau für Ein- und Zweifamilienhäuser erneut um 8 Prozent – um dann im zweiten Quartal 2022 wieder aufs Niveau vom Herbst 2021 zu fallen. Geht der Trend weiter abwärts? Wahrscheinlich nicht, so Martin Homes, Vorsitzender des Gutachterausschusses, beim Pressegespräch. Er glaubt, dass sich die Menschen eher umorientieren: Weg von teuren großen Grundstücken hin zu kleineren preiswerten. „Es geht in Richtung Doppel- und Reihenhäuser.“ Generell, so führte er weiter aus, glaubt er auch nicht, dass die Nachfrage nachlässt. Und ein Aspekt sei bei der Bewertung der geringeren Vertragsabschlüsse noch zu bedenken: Nicht immer stehen genügend Bauplätze und Immobilien zum Verkauf. Das könnte sich 2023 schon wieder ändern.
