Ostfriesland - Ein neuer Gesetzesentwurf aus dem Wirtschaftsministerium hat diese Woche für viel Aufregung unter den Immobilienbesitzern gesorgt. Plant doch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ein generelles Verbot von neuen Öl- und Gasheizungen schon ab 2024 und den Austausch fossiler Heizungsanlagen bis spätestens 2045.
Für Hausbesitzer in Ostfriesland keine gute Nachricht. Denn hier, so weiß Martin Homes, Leiter des Dezernats 4 des Landesamts für Geoinformation und Landesvermessung in Niedersachsen, Regionaldirektion Aurich, gibt es überwiegend Gasheizungen in den Eigenheimen. Seine Abteilung ist als Gutachterausschuss für die unabhängige Wertermittlung der Immobilien und Grundstücke in Ostfriesland zuständig. Er kennt den Markt, die Marktentwicklung der vergangenen Jahre. Und er weiß: Gasheizungen gibt es nicht nur in den alten Gebäuden, sondern auch noch in den relativ neuen Immobilien bis hin zu aktuellen Neubauten. „Lediglich ab dem Baujahr 2020 kommen dann so langsam Wärmepumpen dazu.“
Schnelle Umsetzung von Habecks Plänen eher unrealistisch
Dass Habecks Pläne wie im Entwurf vorgesehen schnell umgesetzt und ab 2024 oder 2025 keine Gasthermen mehr verbaut werden dürfen, glaubt der Dezernatsleiter allerdings nicht. „Das werden meines Erachtens weder das Handwerk (Fachkräftemangel, Lieferzeiten Wärmepumpen) noch die Stromnetze (Wärmepumpen laufen über Strom) gewährleisten können“, schreibt er auf Anfrage unserer Redaktion. Doch er stellt auch klar: „Das Thema wird aber sicher nicht vom Tisch kommen, vermutlich werden die Fristen angepasst. Das bedeutet, dass das Thema auch beim Immobilienkauf / -verkauf relevant sein wird.“
Umrüstung erfordert finanzielle Mittel
„Da eine Umrüstung doch einiges an finanziellen Mitteln benötigt, wird das die Preise vermutlich eher dämpfen. Es wird ja mehr Kapital für die energetische Sanierung benötigt“, vermutet Martin Homes weiter. „Gewinner mit stabilen Preisen werden vermutlich die Häuser sein, die bereits ohne Gas-/Ölheizungen auskommen beziehungsweise die, die kostengünstiger umzurüsten sind, da sie bereits eine Fußbodenheizung haben.“
Anfragen bei der Verbraucherzentrale steigen
Doch ist das eigene Haus kostengünstig umrüstbar? Sollte man jetzt handeln oder später? Bei der Verbraucherzentrale, die unter anderem in Aurich eine Niederlassung hat, steigen die Nachfragen. „Die Menschen wissen nicht genau, wie sie das Thema nun angehen sollen, welche Lösung die beste ist“, führte Reiner Dunker, Energieberater bei der Verbraucherzentrale, auf Nachfrage aus. Er weiß: Eine Wärmepumpe zu installieren, die vor allem im ländlichen Bereich oft die beste Lösung ist, weil es kaum ein Fernwärmenetz gibt, geht mit einem hohen Invest einher. Man könne zwar über eine Holzheizung nachdenken, aber, so räumt er ein, Holz werde zu einem immer kostbareren Gut, nicht zuletzt, weil es immer mehr als Baustoff in Betracht gezogen wird. Hier, so wird bei seinen Ausführungen deutlich, seien bei der Installation einer Holz- oder Pelletheizung auch die Folgekosten zu betrachten.
Blinder Aktionismus nicht ratsam
Doch wie es auch betrachtet werde: Die Situation verursache Sorgen, so Dunker. Und Halbwissen um die eigene Immobilie, Hörensagen und unvollständige Informationen seien kein guter Ratgeber für weitreichende Entscheidungen. Er empfiehlt den Immobilienbesitzern in Ostfriesland, sich einen Berater ins Haus zu holen. „Einen unabhängigen Berater“, wie er betont. Nur so ließen sich alle Aspekte beleuchten und eine wirklich optimale Wahl treffen. Blinder Aktionismus sei nicht ratsam. Informationen finden Interessierte auch auf der Website der Verbraucherzentrale.
