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In Leer tätige Drogenbande vor Gericht 29-Jähriger trat Drogenbande bei, weil er Frauen kennenlernen wollte

Martina Ricken
Eine Drogenbande aus Leer steht in Aurich vor Gericht.

Eine Drogenbande aus Leer steht in Aurich vor Gericht.

Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Leer/Aurich - Im Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder einer in Leer tätigen Drogenbande gab es vor dem Landgericht Aurich eine weitere Einlassung. Diesmal war es der 29-jährige Angeklagte von der Elfenbeinküste, der sich zu den Vorwürfen äußerte.

Der Angeklagte war einsam

Der Angeklagte erzählte, wie er im „Camp“ – gemeint war eine Asylunterkunft – einen anderen Afrikaner kennenlernte. Der 29-Jährige klagte dem neuen Bekannten sein Leid, dass er einsam sei und keine Freunde habe. „Er hat mir sofort einen Job angeboten“, ließ der Angeklagte seinen Verteidiger erklären. Es sei dabei klar gewesen, dass es um eine Tätigkeit in Zusammenhang mit Drogen ging. Deshalb habe der Angeklagte aus Leer das Angebot abgelehnt. Doch der neue Bekannte habe neben Geld noch ein anderes Lockmittel gehabt. Er behauptete, dass der Angeklagte dabei auch Frauen kennenlernen würde. Mit dieser Aussicht willigte der Angeklagte ein.

Kokain und Heroin

Er habe aber nur zwei Monate lang diesen Job gemacht, etwa an fünf Tagen die Woche. Wann diese zwei Monate zeitlich zu verorten waren, konnte er nicht sagen. Die Angaben, die er diesbezüglich machte, passten nicht zu den Erkenntnissen aus den Ermittlungen. Die Arbeit habe darin bestanden, Drogen zu verpacken. Um welche Drogen es sich handelte, konnte der Angeklagte nicht sagen. „Ich kenne mich nicht aus. Es war gelb und ein bisschen wie Salz“, gab sich der 29-Jährige völlig ahnungslos. Tatsächlich soll die Bande vor allem mit Kokain und Heroin gehandelt haben.

Tätigkeit wurde fürstlich entlohnt

Der Angeklagte aber blieb dabei, nicht mehr als das Verpacken getan zu haben. Mehr habe er schon deshalb nicht gemacht, weil ihm alle in dem Umfeld misstraut hätten – außer seinem Bekannten. „Außerdem wollte ich doch nur eine Frau kennenlernen“, pochte der 29-Jährige auf sein Motiv. Er habe nie Drogen an Kunden weitergegeben oder Geld eingesammelt, behauptete der Leeraner. Für diese Handlangertätigkeit wurde er allerdings fürstlich entlohnt. Er habe im Monat 2000 Euro bekommen, berichtete der 29-Jährige. Laut Anklage war er einer der „Vorabeiter“, die den „Verkäufern“ übergeordnet waren.

Aufwendige Kripo-Arbeit

Die erste und zweite Ebene der Bande waren nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ausschließlich mit Afrikanern besetzt. Auf Lichtbildern erkannte der Angeklagte den Chef und dessen Stellvertreter wieder. Auch einige andere Afrikaner konnte er identifizieren, aber keine näheren Angaben zu ihnen machen. Es war für die Polizei eine aufwändige und langwierige Aufgabe, die Bandenstrukturen aufzuklären und ihre Mitglieder zu identifizieren. Alles begann mit Hinweisen auf einige Verkäufer. Es war aber nur der Beginn eines Fadens, der sich als sehr lang erwies, als die Kripo daran zog. Telefonüberwachungen, Observationen und Peilsender an Fahrzeugen der Tatverdächtigen gehörten zum Ermittlungsrepertoire.

Auch zwei Durchsuchungen Mitte und Ende Juni 2021 konnten die Bande nicht stoppen. „Es ging immer weiter“, berichtete der Kripobeamte, der die Ermittlungen geleitet hatte. Dabei waren die Durchsuchungen durchaus erfolgreich. Es wurden nicht nur Drogen und jede Menge Bargeld, sondern auch Schreckschusswaffen und eine Machete sichergestellt. „Man hat dann einfach nur das Personal ausgewechselt“, beschrieb der Kriminalist das Vorgehen der Bande.

Hoher Umsatz

Das illegale Geschäft war offenbar zu lukrativ. „Man kann von mehreren Tausend Euro Umsatz pro Tag ausgehen“, erklärte der Kripobeamte aus Leer. „Und das Geschäft lief sieben Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag.“ Einer seiner Kollegen hatte ausgerechnet, dass die Bande im Zeitraum von Januar 2021 bis November 2022 rund 3,5 Millionen Euro erzielt hat.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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