Oldersum - Der Klimawandel hat als Thema längst auch die ostfriesischen Entwässerungsverbände erreicht – und führt auch im Bereich des Entwässerungsverbands Oldersum zu millionenschweren Investitionen in die Infrastruktur. Sprich: in die Pumpenkapazitäten. Das ist auch nötig, erläutert der Verbandsingenieur Adolf Wilken, der seit 28 Jahren für die technischen Anlagen zuständig ist. Die 20 Schöpfwerke sind nämlich meist in den 60er-Jahren gebaut worden und müssen zum Teil grundsaniert werden. Mehr noch: Sie müssen für die Bewältigung künftiger Starkregen-Ereignisse ausgebaut werden. Ein Beispiel ist das Schöpfwerk Blitz zwischen Oldersum und Simonswolde.
Das Schöpfwerk Blitz wird gerade saniert und später noch ausgebaut, erklärt Adolf Wilken bei einem Besuch vor Ort. Unter dem Gitter arbeitet eine der Förderschnecken. Bild: Axel Pries
Dort lässt der Entwässerungsverband gerade die beiden archimedischen Schnecken überholen, die bis zu sechs Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Tief Blitz befördern können. Es sind tonnenschwere Stahlgebilde mit 2,4 beziehungsweise drei Metern Durchmesser, die jahrzehntelange klaglos ihren Dienst verrichtet haben, aber nun überholt werden müssen. Eine nach der anderen werden sie ausgebaut, entrostet, neu gestrichen und wieder in ihre Lager eingesetzt. Derzeit läuft nur eine Schnecke. Das ist aber nicht alles: In dem Zuge bekommt das Binnenschöpfwerk auch noch eine dritte Pumpe, die bis zu einem Kubikmeter pro Sekunde hochpumpen kann.
Eine Million Euro fürs Schöpfwerk Blitz
Rund eine Million Euro soll diese Baumaßnahme kosten, mitfinanziert vom Land, und angeschoben vom Programm KLEVER (Klimaoptimiertes Entwässerungsmanagement im Verbandsgebiet) beziehungsweise dessen Nachfolger KLEVER-Risk, das gezielt die Möglichkeiten ins Auge fasst, mit denen die Entwässerungsverbände Oldersum, Emden, Norden und Aurich auf den steigenden Meerespegel und vor allem heftige Regen-Ereignisse reagieren können. Starkregen, wie jener der 2022 zum Beispiel am Großen Meer eine Ortschaft flutete, werden erwartet. Schon die stärkere Versiegelung der Landschaft mit immer mehr Siedlungen, erklärt der Verbandsingenieur, sei ein Faktor, mit dem der Entwässerungsverband umgehen müsse. „Heute kommt das Wasser sehr viel schneller.“
Steuertechnik aus den sechziger Jahren: Adolf Wilken im Gebäudes des Schöpfwerkes. Bild: Axel Pries
Auch der steigende Meeresspiegel stellt – neben den Deichverbänden – das Entwässerungssystem vor neue Herausforderungen. Bislang reicht es in der Regel, wenn in den Außenschöpfwerken Borssum, Petkum, Oldersum und Sautel die Tore geöffnet werden, damit das Wasser aus den 580 Kilometern Gräben und Kanälen des Verbandes in die Ems ablaufen kann.
Frage: Wie hoch steigt das Meer ab 2050?
Das Szenario der Klimaveränderung gehe bislang von einem Anstieg des Weltmeeres von 25 Zentimetern in 100 Jahren aus. Aber das verändert sich und niemand wisse, was ab 2050 passiert. „Wenn dann eine drastische Steigerung kommt, dann wird es richtig spannend.“ Es sei zu überlegen, ob das Siel in Petkum nicht auch eine Pumpe bekommt, um die Abflussleistung zu erhöhen. Dass die Außenschöpfwerke im Bereich des Entwässerungsverbandes heute mehr pumpen müssen als früher, ist bereits bekannt.
„Das ist alles Zukunftsmusik“, meint der Verbandsingenieur. „Aber es ist richtig, sich darüber frühzeitig Gedanken zu machen.“ Diese Szenarien werden in einer 106-seitigen Broschüre, die zu KLEVER-Risk erstellt wurde, ausführlich beschrieben. Das Land Niedersachsen habe darauf auch reagiert und versprochen, zusätzlich zu den üblichen 50 bis 60 Millionen Euro für den Küstenschutz jährlich noch 17 Millionen bereitzustellen. Adolf Wilken: „Wir hoffen, dass das keine Eintagsfliege bleibt.“
