Ein Tausendsassa wie er im Buche steht, ist Andy Strauß – seines Zeichens Poet, Musiker, Stand-up-Komiker, TV-Host und Podcast-Moderator. Der Wahlhamburger ist in Leer aufgewachsen. Seine Kindheit verbrachte er typisch ostfriesisch: Das volle Programm – von Teebesuchen bei Oma bis Plattdeutsch übern Gartenzaun. Warum ihn die Lebensart auch heute noch nicht loslässt und was seit der Jugend auf seiner Bucket-List steht, verrät er im Interview mit der Nordwest-Zeitung.
Moin erstmal. Als gebürtiger Leeraner bist Du ein waschechter Ostfriese. Heute noch mit Tee und Plattdeutsch?
Andy StraußAuf jeden Fall. Ich komme zwar viel rum, aber bin immer noch mindestens einmal im Monat in Leer. Dann gehe ich meine Oma zum Tee besuchen. Platt spreche ich eher weniger. Ich schreibe aber teilweise auf Platt. Dabei hat mir meine Oma früher geholfen.
Schreibst Du dann Texte für deine nächsten Auftritte?
Ja. Letztens noch habe ich im „Ohnsorg“-Theater mitgespielt, als plattdeutsche Poetry-Slammer gegen bayrische Slammer angetreten sind. Ab und an bringe ich ein paar plattdeutsche Wörter auch in meinen Bühnentexten unter.
Und privat – sprichst Du mit Familie und Freunden dann kein Platt?
Super selten. Überall anderswo, außerhalb von Ostfriesland, versteht mich ja niemand. Ich hab so ein paar Ausdrücke, die ich unbewusst immer sage: „Flietjepiepen“ zum Beispiel. Dann gucken alle immer komisch und wollen wissen, ob es mir gut geht. Auch „Busabeller“, also der ostfriesische Kinderschreck, oder „Huulbessen“ (Staubsauger) sage ich sehr gerne. Trifft man dann irgendwo doch mal einen anderen Ostfriesen, wechselt man immer ins Platt – kennt man ja. Nur ist es dann eher ein wirres Gesabbel. Sonst kenne ich Plattdeutsch nur aus meiner Kindheit.
Wie bist Du in Leer aufgewachsen?
Ganz normal, denke ich. Wir haben an der Bavinkstraße in Leer gewohnt und ich bin erst in die Hoheellern-Schule, dann in die Ostersteg-Schule und später aufs Ubbo-Emmius-Gymnasium gegangen, wo ich Abi gemacht habe. Ich erinnere mich an große Geburtstagfeiern meiner Mutter, weil sie – klassisch ostfriesisch – 16 Geschwister hat, die zu runden Jubiläen kamen. Da wurde nur Platt gesprochen und es gab ganz typisch Ostfriesentee. Damals immer von Bünting. Hab erst später entdeckt, dass Thiele noch viel besser schmeckt. Muss mich heute immer erstmal bei Multi damit eindecken nach jedem Besuch.
Erinnerst Du dich noch an typische Bräuche – Osterfeuer, Maibaum und Co.?
Ja, klar. Habe als Kind bei meinem Nachbarn immer die Gartenabfälle abfackeln dürfen – und einmal waren wir beim Osterfeuer des SC 04 Leer. Bin aktuell zu zwei Ostfeuern in Ostfriesland eingeladen. Maibaumfeiern hab ich auch mitgemacht. Als ich noch nicht mittrinken durfte, hab ich die halbe Nacht den blöden Baum festgehalten, damit den keiner klaut. Später hab ich dann aber lieber mitgefeiert.
Wo bist Du denn am liebsten Feiern gegangen?
Meine Jugend hab ich im „Limit“ in Ihrhove verbracht. War im Prinzip fast jedes Wochenende da. In der Schule haben wir uns dann schon verabredet und sind abends mit der Nachteule hingefahren. Manchmal hat man auch bei einem Kumpel vorgeglüht. Dann war ich aber auch mal im „Ufo“ und im „Karussell“. Nur im „Tange“ war ich nie. Nicht einmal zum Frühtanz. Da wurde nur Techno gespielt. Ich war damals in meiner Punk-Phase. Aber ich muss da noch hin. Steht auf der Bucket-List.
