Man kann es drehen und wenden, wie man es will: Die Ankündigung der Bürgermeister aus dem Kreis Leer, möglichst geschlossen gegen die von der Kreisverwaltung vorgeschlagene und durch den Kreistag beschlossene Kreisumlage Widerspruch einzulegen, ist eine dicke Ohrfeige für Landrat Matthias Groote. Alle Warnungen, auf die Kommunen mit einer geringen Senkung der Umlage zuzugehen, hat Groote als Kreishauschef ignoriert. Er treibt so mit Rückendeckung des Kreistages die Entschuldung des Kreises weiter voran, während die Kommunen kaum wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. 2023 wird – Stand jetzt – wohl keine Kommune im Kreisgebiet ohne neue Schulden zurechtkommen.

Dass die Bürgermeister nun erneut einen Vorstoß unternehmen, ist nachvollziehbar. Ihnen ist das Hemd näher als die Hose und sie wollen vor Ort handlungsfähig bleiben. Dabei zählt jeder Euro. Ebenso nachvollziehbar ist, dass die Bürgermeister kein mediales Fass aufmachen wollen und ihren Widerspruch nicht als politische Attacke gegen den Landrat gewertet sehen wollen. Das jedenfalls war in den Hintergrundgesprächen immer wieder zu hören. Die Hauptverwaltungsbeamten können nämlich 1 und 1 zusammenzählen. Sie wissen, dass sie für die Erlaubnis des Widerspruchs Mehrheiten im Rathaus brauchen – inklusive so mancher Stimme der SPD-Ratsmitglieder. Die werden sich jedoch schwertun, ihrem „parteieigenen“ Landrat eine Ohrfeige zu geben, so wie es bereits durch den Rat der Stadt Leer geschehen ist.

Machen sie es nicht und ändert sich nichts im finanziellen und sonstigen Miteinander zwischen Kreis und Kommunen, wird es nicht bei dem nun angestrebten Widerspruch bleiben. Und das ist auch gut so, denn nur funktionierende Kommunen können langfristig einen starken Landkreis tragen. Nicht umgekehrt.