Leer - Es war nicht das größte, das auf der Ems seine erste Fahrt angetreten hat, aber die Silva Nova ist wegen seines Antriebs ein besonderes Kreuzfahrtschiff. Am Montagvormittag sorgte es für einen größeren Menschenauflauf, als es bei Leer die Jann-Berghaus-Brücke passierte. Hunderte Zuschauer verfolgten, wie der 244 Meter lange Koloss sich durch die Klappbrücke schob. Einige waren für dieses Spektakel sogar von weither angereist.
Auf der ersten Fahrt: Die Silver Nova nähert sich Leer auf der Ems. Bild: Axel Pries
Wegen der erwarteten Publikumsmenge war die Polizei in Mannschaftsstärke vor Ort – und zwar frühzeitig, denn die Silver Nova war auf ihrer ersten Fahrt von der Meyer-Werft in Papenburg über die aufgestaute Ems zur Nordsee schneller als berechnet. Gut eine Dreiviertelstunde früher als vorausgesagt sperrten Polizisten die Brücke ab, die sich um 8.58 Uhr öffnete. Da hatte das Schiff gerade die letzte Biegung des Flusses davor passiert und näherte sich mit dem Heck voran so langsam, dass es kaum eine Welle erzeugte – bugsiert von zwei Schleppern an Bug und Heck, die offenbar die Feinsteuerung übernahmen.
Waren für die Begegnung mit dem Schiff um 3 Uhr bei Bielefeld gestartet: Johannes Geise (l.) und Günter Prillwitz freuten sich über das Zeitlupen-Spektakel. Bild: Axel Pries
738 Passagieren soll die Silver Nova einmal eine besonders luxuriöse Seereise mit viel Panorama-Blick ermöglichen, heißt es im Prospekt. Was dieses Kreuzfahrtschiff aber besonders macht, das ist sein hybrider Antrieb, der das Klima weniger belasten soll als die üblichen, in die Kritik geratenen Schwerölmotoren. In Küstennähe und in Häfen sorgen Brennstoffzellen und Akkus für elektrischen Antrieb, auf See fährt es mit Flüssigerdgas. Wobei die Silver Nova als Vorreiter-Schiff die Praxistauglichkeit des Antriebs auf See testen soll.
Die Große Kirche in Sichtweite: Das Kreuzfahrtschiff fährt an Leer vorbei. Bild: Axel Pries
Etwas mehr als eine halbe Stunde brauchte es am Montag, um die Jann-Berghaus-Brücke zu passieren, die die Polizei mit Gittern noch auf den Rampen abgesperrt hatte – in Voraussicht auf einen Menschenauflauf. Tatsächlich säumten Hunderte Schaulustige die Brückenauffahrt und das Ufer, sämtliche Parkplätze füllten sich beiderseits der Brücke mit Fahrzeugen, die zum Teil fremde Kennzeichen trugen. Unter ihnen zum Beispiel Johannes Geise und Günter Prillwitz samt dessen Ehefrau Elisabeth, die aus dem Raum Bielefeld angereist waren. Um 3 Uhr morgens waren die Drei gestartet, um mit dem Wohnmobil rechtzeitig vor Ort zu sein. „Ich bin in die Meyer-Werft verliebt“, erklärt Günter Prillwitz seine Motivation. „Ich liebe das Wasser.“ Sein Kumpel ist ähnlich motiviert: „Das muss man gesehen haben. Mir hat die Durchfahrt sehr gut gefallen.“
