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Tote Rinder und Fohlen bei Leer Behörde will Weide-Projekt früher stoppen – Nabu wirft Landkreis „Rufmordkampagne“ vor

Der Landkreis Leer will das Weide-Projekt mit Heckrindern stoppen.

Der Landkreis Leer will das Weide-Projekt mit Heckrindern stoppen.

dpa

Landkreis Leer - Junge Heckrinder mussten nach schweren Verletzungen im Mai getötet werden, Konik-Fohlen sind regelrecht verendet: Die Weideprojekte des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen in Nüttermoor und Coldam stehen seit Monaten in der Kritik. Der Landkreis Leer will jetzt eine Anordnung erlassen, dass die Haltung von Rindern und Pferden durch den Nabu spätestens zum 30. September eingestellt werden muss. Zuletzt war noch von einer Stilllegung bis zum Winter die Rede gewesen. Die dort jetzt noch weidenden Herden seien bis dahin aufzulösen, teilte der Sprecher des Kreises Leer, Philipp Koenen, auf Anfrage mit.

„Rufmordkampagne“

Nabu-Landesvorsitzender Holger Buschmann bezweifelt, dass die Herden bis Ende September aufgelöst werden können. „Bis heute gibt es keine gerichtsfeste Anordnung des Landkreises“, sagte Buschmann unserer Redaktion. Der Nabu berate sich in der Sache mit seinen Anwälten. Eine Genehmigung, die Heckrinder auf der Weide töten zu können, liege nicht vor. „Die Schlachtmobile haben keine EU-Zertifizierung.“

Buschmann sprach von einer „Rufmordkampagne“ gegenüber der Naturschutzorganisation. Bei dem seit Jahren durchgeführten Beweidungsprojekt gebe es unterm Strich gerade einmal einen „Ausfall von vier Prozent“.

Todesursache der Fohlen ungeklärt

Nach Angaben des Landkreises Leer konnte die Todesursache der aufgefundenen Fohlen der Konik-Herde bislang nicht abschließend ermittelt werden. Der Nabu vermutet, dass Drohnenflüge über dem Gelände stattgefunden haben, daraufhin seien die aufgeschreckten Tiere in einen Graben gelaufen, steckengeblieben und dort verendet. „Wir wissen, dass sich Fremde dort aufgehalten haben“, so Buschmann, „und ich frage mich, welche Ziele diese Personen hatten.“

Die Kadaver der beiden Konik-Fohlen wurden nach Angaben des Kreises entsorgt, ohne dem Veterinäramt Meldung zu machen. Damit sei auch eine pathologische Untersuchung verhindert worden, hieß es im Kreishaus. Die Untersuchung der toten Heckrinder habe einen deutlichen Parasitenbefall mit Pansenegeln und Unterernährung ergeben, bei den Pferden des Nabu stellten die Veterinäre Hufrehe, falsche Ernährung und fehlende Mineralversorgung fest.

Jauche sickert in Boden

Wie aus einem Protokoll des Kreisausschusses hervorgeht, musste die Kreisverwaltung bereits Ende Juni mit einer „Ersatzvornahme“ drohen. Der Grund: Der Nabu sah sich trotz mündlicher und schriftlicher Aufforderung über mehr als einen Monat nicht in der Lage, riesige Haufen aus Futter-, Mist-, Schotter- und Folienresten – etwa 800 Tonnen Material – zu entsorgen, die an den Standorten Thedinga Vorwerk und Coldam rechtswidrig gelagert wurden. Aus dem Material lief Sickerjauche in den Boden. Das Protokoll des Kreisausschusses liegt unserer Redaktion vor. Die „Ersatzvornahme“ ist ein Zwangsmittel der Verwaltungsvollstreckung: Werden Handlungen trotz bestehender Verpflichtungen nicht erfüllt, kann die Vollstreckungsbehörde diese selbst vornehmen oder durch Dritte vornehmen lassen.

Inzwischen habe der Nabu erklärt, eine Fremdfirma mit der Entsorgung zu beauftragen. Die Kosten dafür liegen nach Recherchen der Kreisverwaltung in Leer bei 115.668 Euro. Das Geld müsste vermutlich aus Nabu-Mitgliedsbeiträgen oder Spenden entnommen werden. Buschmann kündigte gegenüber unserer Redaktion eine Pressekonferenz für Ende Juli an. Dann wolle der Nabu alle Vorwürfe aufklären.

Wie geht es den Heckrindern und Koniks auf den Nabu-Flächen Thedingaer Vorwerk und coldam? Der Landkreis Leer und Nabu-Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann berichten.

NABU-FLÄCHEN IM LANDKREIS LEER Nach Streit – Veterinäramt erläutert aktuellen Gesundheitszustand der Tiere

Maike Hoffmeier
Landkreis Leer
Auf den Nabu-Höfen Nüttermoor und Coldam sind Konik-Fohlen verendet und Heckrinder mussten nach Verletzungen getötet werden. Dr. Holger Buschmann, Nabu-Landesvorsitzender, hat mit uns  gesprochen.

TOTE RINDER UND FOHLEN Nabu-Landesvorsitzender schildert seine Sicht zu Vorkommnissen in Nüttermoor und Coldam

Maike Hoffmeier
Landkreis Leer
Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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